SFH-141191 Äthiopien Das Erreichen der entlegenen Regionen,  Wiener Zeitung von Konstanze Walther aus Äthiopien,  7.5.2018

"Menschen für Menschen" geht ins äthiopische Hinterland. Von der Regierung wird Mithilfe eingefordert.

https://www.wienerzeitung.at/nachrichten/welt/weltchronik/963015_Das-Erreichen-der-entlegenen-Regionen.html

Ginde Beret. Menschen eine Perspektive geben. So kann man die Projektarbeit von "Menschen für Menschen" (MfM) in Äthiopien am besten zusammenfassen. Und in einem der ärmsten Länder der Welt. Die UN stuft Äthiopien auf Nummer 174 im globalen Entwicklungsranking des Human Development Index ein.

"Während sich viele NGOs in Äthiopien tummeln, bleiben die meisten an der Hauptstraße, sie kommen gar nicht ins entlegene Hinterland", erzählt Girma Assefa Debele, der Verwaltungschef des Bezirks Ginde Beret.


Ginde Beret ist genau so ein entlegenes Hinterland auf der äthiopischen Hochebene. Der Name bedeutet auch buchstäblich: "Das Ende des Weges".

MfM hat dort im Jahr 2011 die Arbeit aufgenommen. Straßen und Gesundheitseinrichtungen wurden errichtet. Babys wurden geimpft. Schulen wurden gebaut. Weiterbildungskurse wurden angeboten.

"Seit 2011 haben sich die Lebensumstände in Ginde Beret drastisch verbessert", erzählt Assefa Debele. Es gibt nun Schulen. Die Landwirte bekommen mehr Erträge. Gemüseanbau hat seinen Weg in die Gegend gefunden. Auch Krankheiten wie Malaria sind so gut wie ausgerottet.

MfM wird bald beginnen, sich aus der Region zurückzuziehen. Es ist genug vorhanden, damit die Entwicklung ihren Weg geht.

Wieso brauchte es eine NGO? "Wir sind hier sehr weit weg von der Hauptstadt Addis", sagt Habtamu Aboma, von dem Gesundheitsbüro des Bezirks Ginde Beret. "Es ist schwierig, für unsere Anliegen Vertreter zu finden."

In Zahlen sieht das so aus: 113 Millionen Birr wurden dem Bezirk von dem Ministerium für Regionen zur Verfügung gestellt. Davon fließen 92 Millionen Birr in Gehälter - eben auch jenes von Ärzten und Lehrern. Da bleiben nur 14 Millionen Birr, um zu investieren. Das sind umgerechnet 400.000 Euro. Alleine kann der 131.000 Menschen umfassende Bezirk keine nennenswerten Entwicklungssprünge machen.

Dass die Regierung die Lehrer bezahlt, wenn MfM die Schulen baut, ist eine typische Vereinbarung der NGO mit der Regierung. Beide müssen leisten.

MfM wurde 1981 von dem vor vier Jahren verstorbenen Schauspieler Karlheinz Böhm in Deutschland gegründet, finanziert sich aus Spenden und betreibt in Äthiopien Hilfsprojekte, mit denen bisher mehr als 5,5 Millionen Menschen erreicht wurden.

In Äthiopien beschäftigt die Organisation 707 fast ausschließlich einheimische Mitarbeiter. 2016 erhielt MfM in Österreich knapp 4,5 Millionen Euro an Spenden. Die endgültigen Zahlen für 2017 liegen noch nicht vor.



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