SFH-141947  114. Verhandlungstag: Causa Buwog aus Sicht des Verlierers, Der Standard  10. Oktober 2019, 11:00

Der einstige Chef der CA Immo, die das Rennen um die Buwog verloren hatte, sagt aus. Auch Eduard Zehetner kommt zu Wort

https://www.derstandard.at/jetzt/livebericht/2000109701704/114-verhandlungstag-causa-buwog-aus-sicht-des-verlierers?responsive=false

Foto: APA/Schlager


Wien – Am 114. Verhandlungstag werden zwei Zeugen zum Verkauf der Bundeswohnungsgesellschaften aussagen, der frühere Chef der CA Immo – und somit jener Gesellschaft, die das Rennen um Buwog & Co um Haaresbreite verloren hat. Er hat als Zeuge etliche Male ausgesagt, und dabei ging es naturgemäß viel um die Finanzierungsgarantie, die die Gesellschaft von ihrer Mutter, der Bank Austria, erhalten hatte. Das waren etwas mehr als 960 Mio. Euro – und die sollen ja laut diversen Angeklagten und Zeugen im Markt bekannt gewesen seien. Weil die CA Immo in der ersten Schlussrunde "nur" 920 Mio. geboten hatte, sei die Verkäuferseite davon ausgegangen, dass mehr zu holen ist, es kam zur zweiten Runde. Und da müsse das gegnerische Österreich-Konsortium eben "mehr als 961" bieten, wurde dem unter Berufung auf die Finanzierungsgarantie geraten.

Meischberger spricht von Haider-Tipp

Walter Meischberger sagt aus, er habe den Tipp der 960 Millionen von Jörg Haider bekommen, der kann nicht mehr gefragt werden. Der ehemalige CA-Immo-Chef sagte als Zeuge aus, er sei "absolut nicht nachvollziehbar" gewesen, warum überhaupt eine "zweite" letzte Bieterrunde stattfand, sei doch die CA Immo in der ersten klar voran gelegen (um 38 Mio. Euro).

Zweiter Zeuge ist am Donnerstag Eduard Zehetner, das ist jener Exmanager, der den Immofinanz-Konzern ab Februar 2009 nach Karl Petrikovics' Fall geführt hat. Er hat zum Buwog-Verkauf daher keine eigenen Wahrnehmungen, in seiner Ära hat die Immofinanz die Provision (fast zehn Millionen Euro) zurückgeklagt. Zehetner sagte zudem aus, er habe gehört, dass vor dem Zuschlag bekannt gewesen sei, wie viel Geld die CA Immo zur Verfügung habe (die 960 Mio. Euro) – das wisse er aber nur aus zweiter Hand, vom Hörensagen.

Renate Graber berichtet live ab 9.30 Uhr. (gra)

.

» Renate Graber » vor 5 Minuten
» + » -

Fehlinterpretation der 960 Millionen

Nach dem Zuschlag, am 16. September 2004, hat der Zeuge mit Lehman-Berater Marsoner gesprochen. "Er hat versucht, keine bad-feelings zu hinterlassen, hier wieder vernünftige Rahmenbedingungen zu kreieren", sagt E. Marsoner sei auf die 960 Mio. Euro gekommen und dass man daraus einen Spielraum für die CA Immo abgeleitet habe. "Es hat mich gewundert, dass es zu dieser Fehlinterpretation gekommen ist. Denn ich hätte den Terminus Gesamtinvestitionssumme anders interpretiert", sagt E. sinngemäß.
14 Postings

Alles sehr diskret

Die Richterin bespricht eine Stellungnahme, die der Zeuge gemeinsam mit einer Wiener Anwaltskanzlei für die Ermittlungen erstellt hat. In der wurde festgehalten, dass "in der BA nur ein äußerst begrenzter Personenkreis Zugang zu den relevanten Informationen" gehabt habe. Zudem sei man auch von üblichen Vorgehensweisen abgegangen, man habe den Kreis an involvierten Personen "bewusst klein" gehalten, sagt der Zeuge.
35 Postings

Eine Million Euro Differenz irritierte CA Immo

Dass der Preisunterschied dann nur so klein gewesen sei, habe die CA Immo dann schon "irritiert". An Unregelmäßigkeiten habe man zunächst aber nicht gedacht, erst später habe man erfahren, dass es solche gegeben habe. (Es gilt die Unschuldsvermutung.)
24 Postings

CA Immo konnte nur 922 Millionen bieten

Und noch einmal: "Das Höchstgebot der ersten Runde konnte nur 922,7 Millionen Euro betragen, die CA Immo hätte nicht höher gehen können", sagt E. Und wiederholt, dass die 960 Millionen die Gesamtfinanzierungssumme betraf, mit Kosten. Aus diesen 960 Millionen wurden in der zweiten Runde die etwas mehr als eine Milliarde Euro. In dieser Runde verlor die CA Immo, weil sie "nur" 960 Mio. Euro geboten hatte, um eine Million weniger als das Ö-Konsortium.
8 Postings

"Auf Berater bewusst verzichtet"

Zu Plech habe es in der Causa keine Kontakte gegeben, auch nicht zu Meischberger und Hochegger. Die CA Immo habe keine externen Berater gehabt, intern sei sie von der BA beraten worden. "Auf Berater haben wir bewusst verpflichtet", so hatte der heutige Zeuge das vor den Ermittlern ausgedrückt.
26 Postings

CA Immo wusste nicht, dass sie vorn lag

Ob die CA Immo gewusst hat, wie sie in der ersten Runde lag? "Wir dürften es nicht gewusst haben", sagt E. aus. Zur Erinnerung: Sie lag mit ihren rund 922 Millionen Euro vor dem Ö-Konsortium.
15 Postings

Es gab zwei "960 Millionen"

Wir sind beim LAFO, dem last and final offer. Die CA Immo sei wieder in den Präsidialausschuss des Kreditausschusses der BA gegangen und habe eine Erhöhung der Finanzierung bekommen. Am 9. Juni habe der Ausschuss den Rahmen auf 960 Millionen erhöht - das war der Preis, den die CA Immo dann bieten konnte. Dass das mit der Finanzierungszusage der ersten Runde ident ist, das sei Zufall gewesen. Insgesamt sei die Finanzierungszusage fürs LAFO bei mehr als einer Milliarde Euro gelegen.
6 Postings

Es gab kein Leck

Immer wieder betont der Zeuge, dass es kein Leck gegeben habe und die Chinese Walls in der BA gehalten hätten, es sei ja auch um die Reputation der BA gegangen.
10 Postings

Was konnte Haider wissen?

Meischberger sagt hier aus, er habe am 7. Juni von Jörg Haider von den 960 Millionen erfahren. Der Zeuge erklärt dazu, die CA Immo habe keinen Kontakt zu Haider gehabt.
24 Postings

Fehler, es reinzuschreiben

Es sei ein Fehler gewesen, die gesamte Summe ins Angebot reinzuschreiben, meint der Zeuge. "Wir haben es Ernst gemeint, wir wollten die Buwog haben", so der Zeuge. "
5 Postings

Es gab kein Leak

Der zeuge kann ausschließen, dass es einen Leak gegeben hat, er halte die Darstellung von Zeugen, die das hier sagten für eine bodenlose Frechheit.
8 Postings

"Man hätte nicht 960 Millionen gesagt, sondern 922"

Er betont, dass in diese Sache nicht einmal Sekretariate involviert waren, nur die paar Leute, die er vorher genannt hat, waren "die Wissensträger". Und wenn die etwas zum Angebotspreis gesagt hätten, "hätten sie nicht 960 Millionen gesagt, sondern 922,7".
6 Postings

Am 4. Juni standen die 960 Millionen fest

Wann standen die 960 Millionen bei der BA fest? Am Vormittag des 4. Juni, sagt der Zeuge. Um 15 Uhr war dann Abgabe - "definitiv nicht am 3. Juni", wiederholt E. auf Frage der Richterin.
3 Postings

"960 Millionen waren nur der Rahmen"

Wer wusste von den 960 Millionen? Von Seite der Bank Austria (BA) deren Chef Randa, Vorstandsmitglied Mendel, und der damalige Betriebsratschef H (er ist schon gestorben), der Zeuge und fünf seiner Kollegen - und ein paar Leute aus der CA Immo. Die 960 Millionen seien aber nicht für den Kaufpreis zur Verfügung gestanden, da seien Transaktionskosten inkludiert gewesen. Daher konnten maximal 922 Miliionen Euro geboten worden. "Die 960,65 Millionen waren nur der Rahmen" für die Finanzierung, erklärt der Zeuge.
4 Postings

Falscher Vordruck

Am 3. Juni sei alles ausverhandelt gewesen - nur die endgültigen Zahlen hätten noch gefehlt. Wann die feststanden? Im Lauf des 4. Juni, so der Zeuge. Auf einer Unterlage der CA Immo steht aber ein Datum von Jänner 2004 - das sei ein Versehen gewesen, da habe man einen Vordruck nicht redigiert, erklärt der Zeuge. Zu diesem Zeitpunkt habe man ja noch gar keine Entscheidungsgrundlage gehabt.
15 Postings

Aufstockung mit Hilfe der Bank Austria

Rund 893 Millionen Euro seien am 2. Juni 2004 genehmigt worden, das sei die Finanzierungszusage gewesen. Am 3. Juni hat man in der CA Immo aber entschieden, 922,7 Mio. bieten zu wollen - also musste E. bei der Bank Austria (BA) um eine Aufstockung ersuchen. Also: Am 4.6.2004 sei der maximale Bieterpreis der CA Immo bei 922,7 Mio. gelegen.
7 Postings

Man musste schnell reagieren können

Zeuge E. schildert nun, dass er damals, 2004, im Aufsichtsrat der CA Immo war - damals ging es um den Erwerb der Buwog. Er selbst arbeitete damals bei CA-Immo-Mutter Bank Austria. Im Mai 2004 hat die Bank Austria genehmigt, dass die CA Immo (deren Chef E. 2006 wurde und bis 2015 war) mitbieten dürfe. 1,2 Milliarden Euro sei damals das Gesamtobligo gewesen, daher habe das auch der Kreditausschuss genehmigen müsse. Der habe das dem Präsidialausschuss zugewiesen - nur so habe man schnell entscheiden können. Der damalige BA-Chef Randa war dabei, die damalige Betriebsratschefin Fuhrmann und der Risikochef der Bank-
4 Postings

Verloren - um eine Nasenlänge

"Die Linzer" sind heute nicht da, es geht ausschließlich um die Causa Privatisierung der Bundeswohnungsgesellschaften (Buwog und Co). Die CA Immo war in der ersten Runde Bestbieterin und lag somit vor dem Österreich-Konsortium (Ö-Konsortium). Es gab dann aber eine zweite Runde - und die hat dann das Konsortium mit 961 Mio. Euro um eine Million Euro gewonnen.
12 Postings

Der 114. Verhandlungstag startet

Die Vorsitzende des Richtersenats, Marion Hohenecker, und ihre Kollegen sind da. Sie ruft den ersten Zeugen auf, den früheren Chef der CA Immo. Er nimmt auf dem heißen Stuhl Platz.
7 Postings

Schönen guten Morgen!

Herzlich willkommen beim Buwog-Ticker, wir machen gleich weiter. Schöffen da, Angeklagte da, der erste Zeuge ist auch eingetroffen.

Lesen Sie mit, posten Sie (bitte fair) und lernen Sie, wie das Leben auch sein kann. Ich begleite Sie heute durch den Tag, der laut Verhandlungsplan gegen 15 Uhr enden wird.
3 Postings

Guten Morgen!

Um 9:30 Uhr begrüßt sie Renate Graber aus dem Gerichtssaal.
40 Postings
‹zurück Seite Drucken
 

Bereitstellungszeit : 0.239 Sekunden | SQL: 7 | made by powerweb99.at