SFH-140975   Dokumente aus der Bundesregierung Regierungsprogramm  Zusammen. Für Österreich. Regierungsprogramm 2017–2022 (PDF, 1661 KB)

Zusammen. Für Österreich. Regierungsprogramm 2017–2022 (PDF, 1661 KB)

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Zusammen.
Für unser Österreich.
Regierungsprogramm 2017
2022

Wir haben uns bemüht, geschlechtsspezifische Formulierungen in unserem Programm zu verwenden. An einigen wenigen
Stellen haben wir aus Gründen der leichteren Lesbarkeit darauf verzichtet und bei Personenbezeichnungen die männliche Form
gewählt. Selbstverständlich beziehen sich die Angaben in gleicher Weise auf Frauen und Männer.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
...........................................................................................................................................................................................
4
Präambel
.........................................................................................................................................................................................
7
Unsere Prinzipien
........................................................................................................................................................................
9
Staat und Europa
......................................................................................................................
12
Verwaltungsreform und Verfassung
...............................................................................................................................
13
Europa und Außenpolitik
......................................................................................................................................................
22
Ordnung und Sicherheit
.........................................................................................................
28
Innere Sicherheit
.......................................................................................................................................................................
29
Integration
....................................................................................................................................................................................
37
Justiz
.................................................................................................................................................................................................
41
Landesverteidigung
.................................................................................................................................................................
51
Zukunft und Gesellschaft
.......................................................................................................
58
Bildung
...........................................................................................................................................................................................
59
Wissenschaft
..............................................................................................................................................................................
68
Innovation und Digitalisierung
...........................................................................................................................................
75
Medien
..........................................................................................................................................................................................
84
Sport
................................................................................................................................................................................................
87
Kunst und Kultur
........................................................................................................................................................................
92
Fairness und Gerechtigkeit
...................................................................................................
100
Familie und Jugend
................................................................................................................................................................
101
Frauen
...........................................................................................................................................................................................
105
Pensionen
...................................................................................................................................................................................
108
Gesundheit
.................................................................................................................................................................................
112
Soziales und Konsumentenschutz
.................................................................................................................................
117
Standort und Nachhaltigkeit
................................................................................................
124
Finanzen und Steuern
..........................................................................................................................................................
125
Wirtschaftsstandort und Entbürokratisierung
..........................................................................................................
132
Arbeit
............................................................................................................................................................................................
142
Verkehr und Infrastruktur
....................................................................................................................................................
148
Landwirtschaft und ländlicher Raum
...........................................................................................................................
158
Tourismus
...................................................................................................................................................................................
165
Umwelt
........................................................................................................................................................................................
169
Energie
.........................................................................................................................................................................................
174
.
Seite 4
Regierungsprogramm 2017
2022
Vorwort
Mit großem Respekt und tiefer Dankbarkeit haben wir den Auftrag der Wählerinnen und Wähler
angenommen, eine neue Regierung für unser Land zu bilden. Wir haben in den vergangenen
Wochen in 25 Fachgruppen unter Einbeziehung zahlreicher Expertinnen und Experten unser
Programm für diese neue Regierung formuliert. Die Gespräche orientierten sich an dem
gemeinsamen Ziel, Österreich in eine gute Zukunft zu führen.
Dabei waren und sind große Herausforderungen zu bewältigen: Obwohl Österreich eine der
höchsten Steuer- und Abgabenquoten im internationalen Vergleich aufweist, decken unsere
Staatseinnahmen nicht die Staatsausgaben, der Schuldenberg wächst jedes Jahr weiter. Wir
sind Weltmeister im Regulieren und im Einschränken von Freiheit und Selbstverantwortung.
Und unser Sozialsystem ist in eine Schieflage geraten, weil der Einkommensunterschied
zwischen arbeitenden und nichtarbeitenden Menschen so gering ist, dass es nur noch wenige
Anreize gibt zu arbeiten. Außerdem können sich viele Menschen von ihrem Lohn das Leben
nicht mehr leisten und immer mehr Menschen wandern in unser Sozialsystem zu.
Die Wahl am 15. Oktober hat gezeigt, dass die Österreicherinnen und Österreicher sich nach
Veränderung sehnen. Veränderung darf jedoch nicht zum Selbstzweck werden. Veränderung
muss auf einem soliden Fundament dort Entwicklungen vorantreiben, wo die Politik in den
letzten Jahren zu schwach war, um zu handeln. Dieses Fundament setzt sich zusammen aus
der österreichischen Verfassung, der immerwährenden Neutralität, den Grundprinzipien
der Europäischen Union, aber auch den Grund- und Menschenrechten, den bürgerlichen
Freiheiten sowie den Rechten von Minderheiten.
Auf diesem Fundament wollen wir die Zukunft unseres Heimatlandes, aber auch des gesam
-
ten Kontinentes mitgestalten und die richtigen Rahmenbedingungen schaffen, damit jede und
jeder Einzelne ein gelungenes Leben nach ihren bzw. seinen Vorstellungen erreichen kann.
Eine große Chance dafür ist der Vorsitz im Rat der Europäischen Union in der zweiten Jahres
-
hälfte 2018. Hier wird sich Österreich federführend dafür einsetzen, einige Fehlentwicklungen
auf der europäischen Ebene zu korrigieren. Eine besonders große Herausforderung wird die
Lösung der Migrationsfrage sein. Ebenso wichtig ist der Stopp überbordender Regulierung auf
EU-Ebene durch eine Stärkung des Gedankens der Subsidiarität. In jedem Fall bekennen wir
uns gemeinsam zu diesem Europa und wollen unsere Rolle aktiv nutzen, um die Europäische
Union wieder in die richtige, ihrem Grundgedanken entsprechende Richtung zu lenken.
Nur in einem starken Europa kann es auch ein starkes Österreich geben, in dem wir in der
Lage sind, die Chancen des 21. Jahrhunderts zu nutzen. Mit der kommenden Legislaturperiode
liegen fünf Jahre vor uns, in denen wir wichtige Grundlagen dafür schaffen wollen, damit die
Menschen auch in Zukunft in Ruhe und Frieden leben können. Dabei müssen wir Maßnahmen
setzen, um dem Klimawandel entgegenzuwirken – auf internationaler Ebene, aber auch und
vor allem in Österreich. Wir wollen Österreich fit für das digitale Zeitalter machen. Das beginnt
in der Bildung und führt über die staatlichen Dienstleistungen bis hin zu all den Möglichkeiten,
die uns moderne Technologien im Alltag bieten.
Das alles werden wir nur schaffen, wenn wir gemeinsam anpacken. Jede und jeder Einzelne soll
Verantwortung für ihr bzw. sein Leben übernehmen. Wir müssen der staatlichen Bevormundung
ein Ende setzen. Dabei wollen wir selbstverständlich all jenen helfen, die sich selbst nicht helfen
können – vor allem jenen, die über viele Jahre in unser System eingezahlt haben, jetzt aber viel
zu wenig herausbekommen.
Auch die Politik braucht ein neues Grundverständnis. Wir müssen wegkommen vom falschen
Stil des Streits und der Uneinigkeit und einen neuen Stil des positiven Miteinanders leben. Statt
Bevormundung von oben herab geht es darum, einen echten Dienst an den Österreicherinnen
und Österreichern zu leben, der die Bürgerinnen und Bürger ernst nimmt und sie einbindet.
Wir freuen uns auf die gemeinsame Zusammenarbeit und es ist uns eine Ehre, unserem Land
dienen zu dürfen. Wir werden unsere Aufgaben nach bestem Wissen und Gewissen ausführen
und bitten alle Österreicherinnen und Österreicher um ihre Unterstützung, um mit uns
gemeinsam Österreich in die richtige Richtung zu entwickeln.
Sebastian Kurz
Heinz-Christian Strache

Präambel
Die Neue Volkspartei und die Freiheitliche Partei Österreichs werden in den kommenden fünf
Jahren gemeinsam für Österreich und seine Bürgerinnen und Bürger arbeiten. Österreich ist
eines der schönsten und lebenswertesten Länder der Welt – und das soll auch so bleiben. Die
Menschen in Österreich leisten täglich Großartiges, damit wir unseren Lebensstandard erhalten
können. Der unbändige Fleiß vieler Hände, das kreative Potenzial vieler Köpfe und der starke
Wille vieler Herzen sind das Kapital, das uns auch in Zukunft unseren Wohlstand erhalten und
weiter ausbauen lässt.
Auch wenn Österreich grundsätzlich gut dasteht, haben wir in manchen Bereichen den Anschluss
an die Spitze in Europa verloren. Wir können uns auf ein starkes Sozialsystem verlassen, das
aber nicht mehr treffsicher und effizient ist. Wir haben einen guten Wirtschaftsstandort, der aber
im Vergleich mit unseren Nachbarn nicht mehr wettbewerbsfähig genug ist. Und wir leben in
einer freien und solidarischen Gesellschaft, die aber immer mehr herausgefordert ist durch die
Verfehlungen in der Migrationspolitik in den vergangenen Jahren.
Um uns den Herausforderungen der Gegenwart und der Zukunft zu stellen, bekennen wir uns zu
einem neuen politischen Stil. Gemeinsam stellen wir uns den Aufgaben, die wir in den kommenden
Jahren in Österreich bewältigen müssen. Wir arbeiten konstruktiv an Lösungen zum Wohle aller
Österreicherinnen und Österreicher und diskutieren hart und ehrlich in der Sache, um zu den
besten Ergebnissen zu kommen.
Mit unserer Politik fördern wir unternehmerische Initiative, belohnen die Fleißigen und sichern
einen sozialen Ausgleich unter allen Gesellschaftsschichten. Wir setzen uns als Ziel, die
Steuer- und Abgabenlast nachhaltig zu senken und mittelfristig keine neuen Schulden mehr zu
machen. Wir schützen unseren Sozialstaat vor Missbrauch und werden die illegale Migration
nach Österreich stoppen.
Wir werden durch einen Ausbau der direkten Demokratie die Möglichkeiten der Bürger-
beteiligung an politischen Prozessen erhöhen.
Für unsere Zusammenarbeit in der XXVI. Gesetzgebungsperiode heißt das:
Wir arbeiten konkret und effizient in der Bundesregierung, im österreichischen Parlament und
auf europäischer Ebene zusammen
Die in der Regierung und im Parlament getroffenen Entscheidungen werden gemeinsam in
der Öffentlichkeit vertreten
Die parlamentarischen Fraktionen der Koalitionsparteien und deren Klubobleute stellen ein
gemeinsames Vorgehen in sämtlichen parlamentarischen Angelegenheiten, einschließlich
der Abstimmungen, sicher
Alle vorgesehenen Maßnahmen werden nur umgesetzt, wenn sichergestellt ist, dass
etwaige Mehrkosten oder Mindereinnahmen durch strukturelle Gegenfinanzierungs-
maßnahmen gedeckt sind
» .

Unsere Prinzipien
Freiheit:
Wir glauben an die Freiheit des Einzelnen und die damit verbundene Verantwortlichkeit
und wollen in unserem Arbeitsprogramm Maßnahmen vorsehen, die die drückende Steuer- und
Abgabenlast nachhaltig senken und den Menschen mehr individuelle Spielräume geben.
Verantwortung:
Wir treten für eine aktive Bürgergesellschaft ein, die Verantwortung nicht
abgibt, sondern wahrnimmt. Soziales Verantwortungsbewusstsein sowie Gestaltungs- und
Veränderungsbereitschaft gehen Hand in Hand. Es liegt auch in der individuellen Verantwortung
des Einzelnen, sich für ein harmonisches Zusammenleben in unserer Gesellschaft einzusetzen
und gegen jeden Versuch einer Diskriminierung oder Spaltung entschlossen aufzutreten.
Heimat:
Wir wollen unsere Heimat Österreich als lebenswertes Land mit all seinen kulturellen
Vorzügen bewahren. Dazu gehört auch, selbst zu entscheiden, wer als Zuwanderer bei uns
leben darf, und illegale Migration zu beenden.
Sicherheit:
Österreich hat sein Staatsgebiet zu schützen, seine Neutralität zu wahren und seinen
Bürgern Schutz und Hilfe in allen Bedrohungsszenarien zu gewähren.
Generationengerechtigkeit:
Wir wollen eine Politik mit langfristiger Perspektive machen, die
neue Schulden so weit wie möglich einschränkt, sich nicht auf dem Rücken der nachfolgenden
Generation finanziert und Fairness sowie soziale Gerechtigkeit für alle Generationen ermöglicht.
Familie:
Die Familie als Gemeinschaft von Frau und Mann mit gemeinsamen Kindern ist die
natürliche Keimzelle und Klammer für eine funktionierende Gesellschaft und garantiert
zusammen mit der Solidarität der Generationen unsere Zukunftsfähigkeit. Für uns stehen vor
allem die Kinder im Mittelpunkt – Familie soll ein Ort sein, wo sie behütet aufwachsen können
und gut auf das Leben vorbereitet werden.
Nachhaltigkeit:
Unser Verständnis von Verantwortung für die Schöpfung reicht über die
Gegenwart hinaus. Die Politik soll den Anforderungen und Bedürfnissen der nächsten Generation
entsprechen. Der nachhaltige Umgang mit der Natur und eine erfolgreiche wirtschaftliche
Entwicklung sind keine Gegensätze, sie bedingen einander.
Leistung:
Wir fördern Leistungswillen und die Bereitschaft zum unternehmerischen Risiko.
Leistung wird in vielfältigen Zusammenhängen erbracht: in den Familien, in Bildung und Beruf,
im Wirtschafts- und Arbeitsleben, in Vereinen oder im Ehrenamt. Leistung muss sich lohnen und
darf nicht bestraft werden. Wer sie aber nicht oder nicht mehr erbringen kann, hat Anspruch
auf Hilfe der Solidargemeinschaft.
Chancengleichheit:
Wir wollen die beste Bildung für jedes Kind bieten – abgestimmt auf
seine Bedürfnisse und Talente. Uns ist es ein Anliegen, dass kein Jugendlicher das Bildungs-
system verlässt, ohne nicht wenigstens die Mindeststandards für Rechnen, Schreiben und Lesen
zu beherrschen.
Klarheit:
Wir wollen Änderungen von Gesetzen und anderen Regeln nutzen, um sie einfacher,
klarer und für die Bürgerinnen und Bürger verständlicher zu machen.
Subsidiarität:
Subsidiarität bedeutet Vorrang für Eigenverantwortung und die kleinere Einheit.
Sie fördert lebensnahe Lösungen und entlastet übergeordnete Gemeinschaften sowie den
Staat. Subsidiarität ist ein Schlüsselwert im gemeinsamen Europa. Sie ist auch Garant gegen
zentralistische Tendenzen in der Europäischen Union»
Unsere Prinzipien
Freiheit:
Wir glauben an die Freiheit des Einzelnen und die damit verbundene Verantwortlichkeit
und wollen in unserem Arbeitsprogramm Maßnahmen vorsehen, die die drückende Steuer- und
Abgabenlast nachhaltig senken und den Menschen mehr individuelle Spielräume geben.
Verantwortung:
Wir treten für eine aktive Bürgergesellschaft ein, die Verantwortung nicht
abgibt, sondern wahrnimmt. Soziales Verantwortungsbewusstsein sowie Gestaltungs- und
Veränderungsbereitschaft gehen Hand in Hand. Es liegt auch in der individuellen Verantwortung
des Einzelnen, sich für ein harmonisches Zusammenleben in unserer Gesellschaft einzusetzen
und gegen jeden Versuch einer Diskriminierung oder Spaltung entschlossen aufzutreten.
Heimat:
Wir wollen unsere Heimat Österreich als lebenswertes Land mit all seinen kulturellen
Vorzügen bewahren. Dazu gehört auch, selbst zu entscheiden, wer als Zuwanderer bei uns
leben darf, und illegale Migration zu beenden.
Sicherheit:
Österreich hat sein Staatsgebiet zu schützen, seine Neutralität zu wahren und seinen
Bürgern Schutz und Hilfe in allen Bedrohungsszenarien zu gewähren.
Generationengerechtigkeit:
Wir wollen eine Politik mit langfristiger Perspektive machen, die
neue Schulden so weit wie möglich einschränkt, sich nicht auf dem Rücken der nachfolgenden
Generation finanziert und Fairness sowie soziale Gerechtigkeit für alle Generationen ermöglicht.
Familie:
Die Familie als Gemeinschaft von Frau und Mann mit gemeinsamen Kindern ist die
natürliche Keimzelle und Klammer für eine funktionierende Gesellschaft und garantiert
zusammen mit der Solidarität der Generationen unsere Zukunftsfähigkeit. Für uns stehen vor
allem die Kinder im Mittelpunkt – Familie soll ein Ort sein, wo sie behütet aufwachsen können
und gut auf das Leben vorbereitet werden.
Nachhaltigkeit:
Unser Verständnis von Verantwortung für die Schöpfung reicht über die
Gegenwart hinaus. Die Politik soll den Anforderungen und Bedürfnissen der nächsten Generation
entsprechen. Der nachhaltige Umgang mit der Natur und eine erfolgreiche wirtschaftliche
Entwicklung sind keine Gegensätze, sie bedingen einander.
Leistung:
Wir fördern Leistungswillen und die Bereitschaft zum unternehmerischen Risiko.
Leistung wird in vielfältigen Zusammenhängen erbracht: in den Familien, in Bildung und Beruf,
im Wirtschafts- und Arbeitsleben, in Vereinen oder im Ehrenamt. Leistung muss sich lohnen und
darf nicht bestraft werden. Wer sie aber nicht oder nicht mehr erbringen kann, hat Anspruch
auf Hilfe der Solidargemeinschaft.
Chancengleichheit:
Wir wollen die beste Bildung für jedes Kind bieten – abgestimmt auf
seine Bedürfnisse und Talente. Uns ist es ein Anliegen, dass kein Jugendlicher das Bildungs-
system verlässt, ohne nicht wenigstens die Mindeststandards für Rechnen, Schreiben und Lesen
zu beherrschen.
Klarheit:
Wir wollen Änderungen von Gesetzen und anderen Regeln nutzen, um sie einfacher,
klarer und für die Bürgerinnen und Bürger verständlicher zu machen.
Subsidiarität:
Subsidiarität bedeutet Vorrang für Eigenverantwortung und die kleinere Einheit.
Sie fördert lebensnahe Lösungen und entlastet übergeordnete Gemeinschaften sowie den
Staat. Subsidiarität ist ein Schlüsselwert im gemeinsamen Europa. Sie ist auch Garant gegen
zentralistische Tendenzen in der Europäischen Union
.
Staat und
Europa
• Verwaltungsreform
und Verfassung
• Europa und
Außenpolitik
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• Verwaltungsreform
und Verfassung
• Europa und
Außenpolitik
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Seite 12
Regierungsprogramm 2017
2022
Staat und Europa
Verwaltungsreform
Wir wollen die Verwaltung im österreichi
-
schen Staat grundlegend reformieren und
vereinfachen. Dazu gehört, dass wir nicht
immer mehr Regeln schaffen, sondern lieber
die, die es schon gibt, ordentlich vollziehen.
Dazu gehört auch, dass wir Doppelgleisig-
keiten abbauen und klare Zuständigkeiten
festlegen wollen.
Besseres Bürger-
service bei Wahlen
Beantragung und Ausstellung von Wahlkarten
können künftig in einem Schritt gemeinsam
mit der Stimmabgabe erledigt werden.
Dies ist eine bedeutende Verbesserung des
Bürgerservice und schränkt gleichzeitig durch
den Identitätsnachweis vor der Behörde die
Möglichkeiten der Manipulation erheblich ein.
Wahlkarten- und Briefwahlstimmen werden
künftig gemeinsam am Wahltag ausgezählt
und so das Endergebnis unmittelbar nach der
Wahl ermittelt. Für Auslandsösterreicher bleibt
die Briefwahl unverändert erhalten.
Das internationale
Engagement
Österreichs stärken
Wir bekennen uns weiterhin zu einer
aktiven Neutralitätspolitik Österreichs und
damit verbunden zu einer konsequenten
Fortsetzung der österreichischen Initiativen
für Abrüstung, Rüstungskontrolle und die
Nicht-Weiterver
breitung von Nuklearwaffen
sowie zum Eintreten für eine nuklearwaf
-
fenfreie Welt. Wir wollen Österreich noch
besser positionieren als internationalen Ort
des Dialogs und werden unser multilatera
-
les Engagement weiter verstärken, mit dem
Ziel einer erfolgreichen Bewerbung für
die Mitgliedschaft Österreichs im UN-Men
-
schenrechtsrat für die Jahre 2019-2021 und
im UN-Sicherheitsrat für die Jahre 2027-2028.
Subsidiarität als
Leitsatz für die
Entwicklung Europas
Unser Heimatland ist integraler Teil der
Europäischen Union und der gemein-
samen Währung Euro. Wir werden als aktiver
und zuverlässiger Partner an der Weiter
-
entwicklung der EU mitarbeiten. Wir wirken
auf europäischer Ebene darauf hin, dass
sich die EU im Sinne der Subsidiarität auf die
wesentlichen, für gemeinsame Lösungen
geeigneten Themen fokussiert. Nur so kann
die EU ihrer Rolle als Wertegemeinschaft
weiterhin gerecht werden. Ein in diesem
Sinne starkes Europa kann Stabilität garan
-
tieren, Wachstum fördern und Frieden sichern.
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Regierungsprogramm 2017
2022
Seite 13
Verwaltungsreform und Verfassung
Grundlagen einer umfassenden Verwaltungsreform
Das grundsätzliche Handeln der Bundesregierung in der kommenden Gesetzgebungsperiode
wird getragen vom Prinzip der Nachhaltigkeit auf allen Gebietskörperschaftsebenen mit dem
Ziel, dass Ökologie, Ökonomie und Soziales im Sinn der Agenda 2030 der Vereinten Nationen
gesamthaft betrachtet und in einen finanzierbaren und somit nachhaltigen Rahmen gestellt
werden. Österreich leidet seit Jahrzehnten unter einem massiven Reformstau. Es besteht der
dringende Bedarf, Entscheidungsstrukturen zu vereinfachen und damit Transparenz und Rechen
-
schaftspflicht zu stärken. Die Bundesregierung bekennt sich zu einer umfassenden Verwaltungs
-
reform. Es sind in allen Bereichen der Verwaltung Reformschritte zu setzen, um die Nachhaltigkeit
und Finanzierung der Aufgabenerfüllung gewährleisten zu können. Wir benötigen insbesondere
eine Optimierung der Strukturen in den Schlüsselbereichen wie Bildung, Pensionen, Gesundheit,
Soziales, Forschung oder Förderungen. Wir müssen Maßnahmen setzen, damit die öffentlichen
Mittel bei den Bürgerinnen und Bürgern ankommen und nicht – wie es derzeit häufig der Fall
ist – in den veralteten Strukturen versickern. Durch nachhaltige Reformen über die Legislatur-
periode hinweg ist zu erwarten, dass Effizienzpotenziale von mehreren Milliarden Euro gehoben
werden können.
Mit einer umfassenden Staats- und Verwaltungsreform wird beabsichtigt, Potenziale in fünf
wesentlichen Bereichen zu heben:
Qualitätsverbesserungen
mehr Bürgernähe
Effizienzsteigerungen
Kostenreduktionen
wirksamerer Einsatz öffentlicher Mittel
Im Folgenden werden allgemeine Leitlinien dargestellt, die das Handeln der Bundesregierung
nach folgenden Grundsätzen ausrichten: Kompetenzen festlegen, Aufgaben definieren und
Finanzierung sicherstellen.
Zusammenführung von Aufgaben-, Ausgaben- und Finanzierungsverantwortung
Zunächst Kompetenzen festlegen, Aufgaben definieren und Finanzierung sicherstellen
Die Bundesregierung bekennt sich zum Finanzausgleichs-Paktum, sieht aber mit Blick auf neue
Herausforderungen zugleich die Notwendigkeit einer Weiterentwicklung
Der Finanzausgleich hat im Sinne eines Ausgleichs zwischen den Gebietskörperschaften
auch die Einnahmensituation und vor allem die Ausnutzung des jeweiligen Gebühren- und
Steuerpotenzials zu berücksichtigen
Aufgabenorientierte Reform des Finanzausgleichs in möglichst vielen Bereichen unter
Berücksichtigung der Ergebnisse der im Finanzausgleichs-Paktum vereinbarten Pilotprojekte
zu Elementarpädagogik und Pflichtschule in möglichst vielen Bereichen: konsequente
Verknüpfung der Zuständigkeiten mit der Verantwortung für deren Finanzierung; klare
Regelungen als Grundlage für eine homogene Entscheidungs- und Vollziehungspraxis;
Entwicklung verbesserter bundesweiter Planungs- und Steuerungsmechanismen; Festlegung
einheitlicher Wirkungsziele, Maßnahmen und Indikatoren zu deren Messung; klare Zuordnung
der Ergebnisverantwortung zu den jeweiligen Gebietskörperschaften
Reduktion der Transferströme unter Berücksichtigung der Wechselwirkung im Finanzausgleich
(z.B. Vereinheitlichung der Finanzierungstöpfe für den Gesundheits- und Pflegebereich)
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Regierungsprogramm 2017
2022
Im Zuge einer Verwaltungsvereinfachung ist auch die koordinierte Weiterentwicklung der
Registerlandschaft in Österreich (Zentrales Personenstandsregister, Melderegister) weiter
voranzutreiben und das Melderecht in Österreich zu evaluieren
Verbesserter Zugang zu den ÖNORMEN für Gebietskörperschaften: ÖNORMEN sind nicht
zuletzt auf Grund zahlreicher „Stand der Technik"-Klauseln ein wichtiger Arbeitsbehelf für
Behörden. Ohne den Zugriff auf Normen können daher auch Städte und Gemeinden im
eigenen und übertragenen Wirkungsbereich ihren Aufgaben nur sehr schwer nachkommen
Wirkungsorientierte Haushaltsführung sicherstellen
Die rechtlich vorhandenen Voraussetzungen einer wirkungsorientierten Haushaltsführung sind
wie folgt durchgehend sicherzustellen:
Mittelfristige und jährliche Budgetplanung
Unterjährige Steuerung anhand von definierten und im Budget ausgewiesenen Wirkungsangaben:
Ziele
Maßnahmen
Zur Messung der Zielerreichung geeignete Indikatoren und Kennzahlen
Unterjähriges Controlling
Evaluierung mit anschließender Berichtslegung
Wirkungsorientierte Folgenabschätzung, d.h. Abschätzung der mittelfristigen Auswirkungen
eines Gesetzesvorhabens in relevanten Wirkungsdimensionen: finanzielle, wirtschafts-,
umwelt-, konsumentenschutzpolitische Auswirkungen, Auswirkungen auf Kinder und Jugend,
Verwaltungskosten für Bürger und Unternehmen, Auswirkungen auf Gleichstellung
Sicherstellung der Finanzierung und nachhaltigen Finanzierbarkeit aller Rechtssetzungs-
vorhaben bereits zum Zeitpunkt der Beschlussfassung
Förderwesen transparent und treffsicher machen
Aufgabenabgrenzung zwischen den Gebietskörperschaften und Fördergebern mit klaren
Aufgabenzuordnungen und einer weitgehenden Vermeidung von überschneidenden
Förderungsbereichen
Gebietskörperschaften übergreifende Förderungsdatenbank, die die Förderungen von
EU, Bund, Ländern, Gemeinden und ausgegliederten Rechtsträgern strukturiert erfasst
(Transparenzdatenbank)
Sanktionsmöglichkeiten bei Nichterfüllung der Verpflichtungen für die Transparenzdatenbank
im Zuge des Finanzausgleichs
Bundesweit gemeinsame Förderungsstrategie mit abgestimmten Förderungskonzepten, mit
klaren Förderungsschwerpunkten, Fördervolumina und Förderungszielen sowie Gebiets-
körperschaften übergreifenden einheitlichen Mindeststandards für Gestaltung, Abwicklung
und Evaluierung von Förderungen unter Berücksichtigung von Art und Umfang der Förderung
Bestimmung von gemeinsamen Abwicklungsstellen für Förderungsprogramme, die
dieselben Lebenssachverhalte betreffen
Transparenz und Qualität in der Praxis des Vergabewesens sicherstellen
Vier-Augen-Prinzip
Genehmigungsregeln
Wertgrenzen für Zuständigkeiten bei Leistungsänderungen
Regelungen zur Gegenrechnung entfallender Leistungen
Fristen für die Abwicklung von Leistungsänderungen (Zusatzleistungen)
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Seite 15
Analyse der Abweichungen bei Abrechnung durch Soll-Ist-Vergleiche
Weiterentwicklung des Vergabegesetzes insbesondere unter Berücksichtigung der regionalen
und nationalen Wirtschaftsinteressen im Rahmen der EU-Vorgaben
Bereinigung der Kompetenzzersplitterung – sachgerechte Verteilung der Aufgaben mit
klaren Schnittstellen
Entflechtung der Kompetenzverteilung und Schaffung klarerer Regelungs- und Verantwortungs-
strukturen zwischen den Gebietskörperschaften
Art.-15a-Vereinbarungen zwischen Bund und Ländern effizienter machen
Vermeidung von überschneidenden Kompetenzen
Aufgabenüberschneidungen zwischen Ministerien untereinander sowie zwischen Ministerien
und Landesregierungen vermeiden
Bei von mehreren Gebietskörperschaften wahrgenommenen Aufgaben: strategische
Abstimmung und gemeinsame Entwicklung übergeordneter Gesamtstrategien; Festlegung
gemeinsamer Standards, Verwendung einheitlicher Rechtsbegriffe und Harmonisierung von
Anspruchsvoraussetzungen; gemeinsame Berichtslegung (auf Basis einheitlich festgelegter
Kriterien); gemeinsame IT-Lösungen
Vermeidung von Parallelstrukturen
Prüfung der Notwendigkeit bestehender Parallelstrukturen und einer Bündelung an einer Stelle
Es wird angestrebt, im Sinne eines verbesserten Rechtsschutzes für die Bürgerinnen und Bür
-
ger die derzeit zersplitterten Kompetenzen (Landesverteidigungs-, Innen-, Finanz- und Justiz
-
ministerium) der Rechtsschutzbeauftragten an einer unabhängigen Stelle beim Bundeskanz
-
ler und Vizekanzler zu bündeln
Es werden Berichtspflichten des Bundesamtes für Verfassungsschutz und Terrorismusbekäm
-
pfung, des Heeres-Nachrichtenamtes und des Abwehramtes und den Vizekanzler eingerichtet
Reduktion von Hierarchieebenen und zuständigen Institutionen
Prüfung der Sinnhaftigkeit der mehr als 6.000 ausgelagerten Einheiten
Vereinheitlichung der Organisationsstrukturen
Verstärkte Einrichtung von „One-Stop-Shops" für Bürger und Unternehmen (insbesondere
durch Gebietskörperschaften übergreifende Verfahrens- und Aufgabenkonzentration)
Bereinigung paralleler Einrichtungen des Bundes auf Landesebene
E-Government: Schaffung einheitlicher und durchgängiger IT-Systeme, Reduktion von
Medienbrüchen
Öffentliche Unternehmen
Strategische Leitlinien hinsichtlich grundlegender Beteiligungsfragen festlegen; insbesondere
bedarf es hier
klarer Zielvorgaben an ausgegliederte Rechtsträger durch die öffentliche Hand
Umfeldanalyse
Ausgliederung bzw. Aufgabenübertragung nicht als Selbstzweck
Untersuchung von Alternativen zur Leistungserbringung
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Regierungsprogramm 2017
2022
Kosten-Nutzen-Analyse
eingehende Prüfung der budgetären Auswirkungen
Prüfung der Höhe der Managerbezüge öffentlicher Unternehmen – diese sollten in einem
angemessenen Verhältnis zu Aufgaben und Lage des Unternehmens stehen
Nutzung von Verwaltungskooperationen
Schaffung verbesserter Rahmenbedingungen für Verwaltungskooperationen
Ausbau von „Shared Services"
Verfahrenskonzentrationen
Verstärkte Einführung von vollkonzentrierten Genehmigungsverfahren
Grundsätzliche Aufgabenkritik
Laufende Aufgabenkritik mit dem Ziel der bestmöglichen Erfüllung öffentlicher Leistungen
Klärung, welche Behördenstruktur hinsichtlich der Kostenstruktur und der Qualität der
Leistungserbringung zweckmäßig ist
Festlegung von Behördenstrukturen nach den Kriterien Bedarf, flächendeckende
Versorgung, Zweckmäßigkeit, Steuerbarkeit und Kosten
Prüfung existierender Ausgliederungen und deren Auswirkung auf das Budget; weitere
Ausgliederung von Aufgaben bzw. Beauftragung externer Dienstleistungen nur, wenn
keine internen Ressourcen zur Verfügung stehen
Umfassendes Benchmarking der Bundesressorts, Länder, Bezirksverwaltungsbehörden
und Gemeinden
Festlegung von konkreten Wirkungszielen mit aussagekräftigen, messbaren Indikatoren
Implementierung weiterer wirksamer Maßnahmen der Korruptionsprävention
Aktualisierung des „Verhaltenskodex Korruptionsprävention" im Hinblick auf aktuelle
Standards der Compliance
Prüfung und Ausweitung der aktuellen Compliance- und Antikorruptionsschulungen
Aufgabenreform unter breiter Bürgerbeteiligung
Österreich hat einen umfassenden Bestand an Gesetzen und Regulierungen. Es liegt im
Interesse der Bürger und im Interesse der Verwaltung, diesen Bestand zu durchforsten
und wo möglich zu reduzieren bzw. zu vereinfachen. In einem breiten österreichweiten
Beteiligungsverfahren können dabei Bürger, Unternehmen sowie Beamte über eine eigene
Online-Plattform unnötige Regelungen melden. Eine Expertenkommission wird im Anschluss
alle Vorschläge prüfen und bewerten, ob die gemeldeten Regelungen tatsächlich abgeschafft
oder zumindest verändert werden können. Damit wird ein wichtiger Beitrag zur Entbüro-
kratisierung geleistet.
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Regierungsprogramm 2017
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Seite 17
Moderner Bundesstaat
Entflechtung der Kompetenzverteilung
Die komplexe und teils nicht mehr zeitgemäße Aufgabenverteilung zwischen Bund,
Ländern und Gemeinden macht die österreichische Verwaltung teuer und oft undurch
-
schaubar. Wir benötigen daher eine Neuverteilung der Verantwortlichkeiten nach dem
Prinzip „Was brauche ich als Bürger/Unternehmen vom Staat, in welcher Intensität und
welcher Distanz?" Dabei muss das Grundprinzip der Subsidiarität im Vordergrund stehen:
Die Aufgaben sollen auf jener Gebietskörperschaftsebene wahrgenommen werden,
die sicherstellt, dass sich die Wirkung der jeweiligen Regelung in optimaler Weise im Sinne
der Bürgerinnen und Bürger entfaltet
Ein wesentlicher Schritt zur Entflechtung veralteter Zuständigkeiten und zur Schaffung
klarer Regelungs- und Verantwortungsstrukturen ist die Überprüfung und Neuordnung der
Kompetenztatbestände der Art. 10–15 (Kompetenzentflechtung, insbesondere Abschaf
-
fung des Kompetenztypus der Grundsatz- und Ausführungsgesetzgebung)
Vereinheitlichung des Bautechnikrechts: Bautechnische Vorschriften sollten künftig anwender-
freundlicher, einfacher und klarer gestaltet werden
Einheitlicher Jugendschutz: Vereinheitlichung der Regelungen u.a. zu Mindestalter für den
Konsum von Tabak und Alkohol sowie zu Aufenthaltsorten und Aufenthaltsdauer in
der Öffentlichkeit
Verfahrenskonzentration (One-Stop-Shop)
Weitere Verfahrenskonzentration bei Betriebsanlagengenehmigungen etwa durch
Vollkonzentration für die Bereiche Baurecht und Naturschutzrecht sowie in weiteren Teilen
des Wasserrechts; bundeseinheitlicher Vollzug durch Bezirksverwaltungsbehörde
Daneben weitere Verfahrenskonzentrationen in den Bereichen Eisenbahn und
Bundesstraßen
Abschaffen gegenseitiger Blockademöglichkeiten: Derzeit verfügen Bund und Länder über
eine Vielzahl gegenseitiger Zustimmungsrechte. Viele organisatorische Änderungen dürfen
erst nach Zustimmung der jeweils anderen Gebietskörperschaft erfolgen. So muss etwa der
Bund Änderungen der Bezirkssprengel zustimmen; Änderung der Bezirksgerichtssprengel
dürfen erst nach Zustimmung des jeweiligen Landes erfolgen. Diese im Übergangsgesetz
1920 nach wie vor verfassungsrechtlich verankerten gegenseitigen Blockademöglichkeiten
sollen gänzlich entfallen
Effizienzgewinnung bei der mittelbaren Bundesverwaltung
Die Aufgaben einzelner Bundesbehörden sollen künftig in mittelbarer Bundesverwaltung
vollzogen werden, z.B.: Bundesdenkmalamt, Bundessozialamt, Wildbach- und Lawinen-
verbauung
Art.-15a-Vereinbarungen effizienter machen
Bestehende Vereinbarungen im Hinblick auf Kompetenzverschiebungen und Misch-
finanzierungen hinterfragen
Neue 15a-Vereinbarungen jedenfalls mit den Finanzausgleichsverantwortlichen abstimmen
Bundesweite Planungs- und Steuerungsmechanismen verbessern
Koordination im Katastrophenfall verbessern
Kompetenzzuordnung des übergeordneten länderübergreifenden Krisen- und Katas-
trophenmanagements zum Bund
Zuständigkeitskonzentration beim Landeshauptmann für Maßnahmen der Krisen- und
Katastrophenkoordination, soweit dies zur Abwehr eines offenkundigen, nicht wiedergut
-
zumachenden Schadens notwendig ist
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Seite 18
Regierungsprogramm 2017
2022
Schlanker Staat
Zusammenführung und Harmonisierung von Regelungen und Rechtsbegriffen
Bürokratiebremse
Reform des Verwaltungsstrafrechts
Ziel: Zur Verhinderung von Strafexzessen soll das Kumulationsprinzip überarbeitet
werden (z.B. eine Strafe statt Mehrfachbestrafung, Verhältnismäßigkeit der Strafen)
Einführung einer Gebührenbremse im Rahmen der bestehenden rechtlichen
Möglichkeiten
Einheitliches Zustellgesetz
Abschaffung der Verlautbarungspflichten in der Wiener Zeitung
Verfahrensbeschleunigung und Effizienzsteigerung in verwaltungsgerichtlichen Verfahren
Gesamtevaluierung der Verwaltungsgerichtsbarkeit vier Jahre nach Einführung
Schaffung der Möglichkeit, das Ermittlungsverfahren mit Schluss der Verhandlung auch
formell zu beenden
Prüfung der Möglichkeit, bei technischen Fragen Ermittlungsaufträge an die belangten
Behörden zu richten
Säumnisbeschwerde: Vor Übergang der Entscheidungspflicht an ein Verwaltungsgericht
soll säumiger Verwaltungsbehörde eine Nachfrist zur Entscheidung gesetzt werden. In
dieser Frist ist die Behörde verpflichtet, die Entscheidung nachzuholen
Zur Steigerung der Effizienz der rechtsprechenden Tätigkeit durch Entlastung der Richte
-
rinnen und Richter von nichtrichterlichen Tätigkeiten und der damit verbundenen Verkür
-
zung der Verfahrensdauer sowie zur Heranbildung des richterlichen Nachwuchses ist die
Zurverfügungstellung von entsprechendem Verwaltungspersonal und Arbeitsplätzen für
juristische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geboten
Prüfung weiterer Präzisierungen und Bereinigungen im Bereich von Schnittstellen zwischen
Verwaltung und Verwaltungsgerichtbarkeit
Prüfung der Einführung eines allfälligen Neuerungsverbots im verwaltungsgerichtlichen
Verfahren
Evaluierung des administrativen Instanzenzuges in den Gemeinden
Auflösung von Doppelstrukturen
Bankenaufsichtsbehördliche Agenden in einer Institution zusammenführen (Doppelstruktur
von OeNB und FMA auflösen)
Zusammenführung der Kompetenzen von Bundeswettbewerbsbehörde und Kartellanwalt
Verringerung der Anzahl der Forschungsförderungsagenturen
Prüfung der bestehenden Struktur der Wirtschaftsförderung
Kompetenzbereinigung im Rahmen des Glücksspielgesetzes
Modernisierung des Dienstrechts
Durch ein modernes und durchlässiges Dienstrecht für alle neu eintretenden öffentlich
Bediensteten mit attraktiveren Anfangsgehältern bei gleichbleibendem Lebenseinkommen
sollen Anreize für mobile, gut ausgebildete, für die Zukunft gerüstete Bedienstete
gewonnen werden
Bestehende Altersstruktur (bevorstehende Pensionierungswelle) in strategische Planung
mit einbeziehen
Stärkung der Durchlässigkeit zwischen Bund und Ländern (Homogenität)
Schaffung einer einheitlichen dienstrechtlichen Basis auf Bundesebene für vertragliche
wie auch öffentlich-rechtliche Dienstverhältnisse unter besonderer Berücksichtigung von
berufsspezifischen Notwendigkeiten im Rahmen des Beamten-Dienstrechtgesetzes
Verfahrensrechtliche Konzentration des Disziplinarverfahrens im Rahmen der Ressort-
zuständigkeit
Entbürokratisierung bei der Nachbesetzung von Planstellen
»
Regierungsprogramm 2017
2022
Seite 19
Bündelung von Verwaltungsaufgaben (Shared Services)
Zur Effizienzsteigerung soll eine weitere Bündelung und Koordinierung von operativen
Personal-, IT- und Supportaufgaben erfolgen. Daneben soll ein zentrales Ressourcen-
controlling (Finanz- und Personalcontrolling) der ausgegliederten Einrichtungen und
sonstigen Tochtergesellschaften des Bundes aufgebaut werden
Mehr Sauberkeit in der Politik
Der Wahlkampf für die Nationalratswahl 2017 hat gezeigt, dass Bekenntnisse zu einem fairen
Wahlkampf von Parteien nicht ausreichen, um diesen auch wirklich zu gewährleisten. Um
nachhaltig einen neuen Stil in der Politik zu ermöglichen, braucht es auch entsprechende
rechtliche Rahmenbedingungen. Parteien und deren Verantwortliche, die sich unlauterer
Praktiken bedienen, müssen in einem Rechtsstaat auch zur Verantwortung gezogen
werden können.
Prüfung der bestehenden Rechtsnormen in Zivil- und Strafrecht gegen Manipulation,
Dirty-Campaigning und unlautere Praktiken
Einführung einer Impressumspflicht im Bereich neuer Medien
Digitaler Standort Österreich
Bereitstellung von sicheren mobilen Interaktionen von Bürger zu Staat und umgekehrt
Forcierung österreichischer Unternehmen zur Entwicklung öffentlicher digitaler Produkte
Stärkung und Förderung des Open-Data-Prinzips durch Veröffentlichung von behördlichen
Daten, soweit nicht andere Rechtsprinzipien (Privatheit) dem entgegenstehen
Stärkung der Demokratie
Unsere Demokratie lebt davon, dass die Bürger die Gesellschaft aktiv mitgestalten. Auf der Ebene
politischer Entscheidungsprozesse sind die Möglichkeiten zur direkten Mitwirkung in Öster
-
reich schwach ausgeprägt. In unserem stark von Parteien geprägten politischen System muss
direkte Demokratie in Zukunft eine größere Rolle spielen. Politische Entscheidungsprozesse
müssen näher an die Wähler herangeführt werden. Politische Partizipation kann man aber nicht
einseitig verordnen, sondern muss von selbst wachsen. Um mehr direkte Demokratie zu leben,
muss eine neue Kultur des öffentlichen Diskurses erarbeitet werden. Der Ausbau direktdemo-
kratischer Elemente soll daher Schritt für Schritt und gemeinsam mit den Bürgerinnen und
Bürgern erfolgen.
Schritt 1: Volksbegehren weiterentwickeln
Künftig sollen 100.000 Wahlberechtigte eine echte Gesetzesinitiative starten können. Ein
Volksbegehren, das mit dieser Anzahl unterstützt wird, ist den bisherigen Einbringungs-
möglichkeiten von Gesetzen (Regierungsvorlagen und Initiativanträgen) gleichwertig und
folgt den gleichen parlamentarischen Spielregeln. Bürgeranträge sollen auch elektronisch
unterstützt werden können
Um zu vermeiden, dass Volksbegehren mit mehr als 100.000 Unterstützerinnen und
Unterstützern im parlamentarischen Prozess versanden, werden folgende Verfahrens-
garantien eingeführt:
Behandlung der Volksbegehren in eigenen Sitzungen in Ausschuss und Plenum
des Nationalrates
Rederecht des Einbringers des Volksbegehrens im Nationalrat und damit Übertragung
im Fernsehen
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Regierungsprogramm 2017
2022
Stellungnahmepflicht des zuständigen Ministers
Verpflichtende (Ausschuss-)Begutachtung von konkreten Gesetzesvorschlägen.
Dieses Modell soll rasch implementiert werden. Drei Jahre nach Einführung sollen die
gewonnenen praktischen Erfahrungen evaluiert werden
Schritt 2: Volksbefragung zur weiteren Stärkung der direkten Demokratie
Gegen Ende der Gesetzgebungsperiode und nach erfolgreicher Evaluierung der Weiter-
entwicklung des Volksbegehrens soll im Jahr 2022 das folgende Modell zur weiteren
Stärkung der Demokratie beschlossen werden. Kommt die dafür im Parlament nötig Zwei-
drittelmehrheit nicht zustande, so wird dazu eine Volksbefragung abgehalten:
Wurde ein Volksbegehren in Form eines Gesetzesantrages von mehr als 900.000 Wahl-
berechtigten unterstützt und vom Parlament binnen einem Jahr nicht entsprechend
umgesetzt, wird das Volksbegehren den Wählern in einer Volksabstimmung zur Ent-
scheidung vorgelegt
Vorabkontrolle durch den Verfassungsgerichtshof: Voraussetzung für die Volksab-
stimmung ist, dass der Verfassungsgerichtshof in einer verpflichtenden Vorabkontrolle
keinen Widerspruch zu den grund-, v
ö
lker- und europarechtlichen Verpflichtungen
Österreichs festgestellt hat. Darüber hinaus ist die Mitgliedschaft Österreichs in der
Europäischen Union und anderen internationalen Organisationen nicht vom Wirkungs-
bereich dieses Rechtsinstituts umfasst
Gleichzeitig kann der Nationalrat einen Gegenvorschlag zur Abstimmung einbringen
In der Volksabstimmung entscheidet die unbedingte Mehrheit der gültig abgegebenen
Stimmen; die Stimmen für die Umsetzung des Volksbegehrens müssen mindestens ein
Drittel der wahlberechtigten Bevölkerung repräsentieren
Sollte sich dieses Instrument bewähren, könnten die Unterstützungserfordernisse schrittweise
gesenkt werden
Wahlen
Besseres Bürgerservice sowie Vermeidung von Manipulationsmöglichkeiten bei Wahlen
Weiterentwicklung des Wahlrechts auf Basis des bestehenden Verfassungsrechts in Richtung
eines besseren Services für die Bürger sowie gleichzeitig Vermeidung von Manipulations
-
möglichkeiten unter Berücksichtigung der Vorgaben des Verfassungsgerichtshofes anlässlich
der Aufhebung der Bundespräsidentenwahl:
Bei der Briefwahl sollen Beantragung, Ausstellung und Stimmabgabe für den Bürger
bei der Gemeinde (Magistrat, Bezirksamt) erleichtert werden und grundsätzlich in einem
einzigen Schritt erfolgen
Innerhalb der letzten ca. drei Wochen vor der Wahl kann der Wähler dafür zu den
Öffnungszeiten (zumindest einmal in der Woche ist ein Abendtermin zu ermöglichen)
die Briefwahl persönlich unter Identitätsnachweis beantragen und die Stimme unmittelbar
bei der Gemeinde abgeben
Dem Wähler ist für die Stimmabgabe ein Raum oder eine Wahlzelle sowie ausreichend
Zeit zur Verfügung zu stellen, um persönlich und geheim die Wahlkarte auszufüllen
Die ausgefüllten Stimmen sind bei der Gemeinde in einer versiegelten Urne sicher zu verwahren
Das Mitnehmen der Briefwahlkarten und deren Retournierung per Post ist in Zukunft
weiterhin möglich, aber aufgrund des verbesserten Bürgerservices nicht mehr erforderlich
Für Krankheitsfälle sind weiterhin fliegende Wahlkommissionen vorzusehen.
Die Briefwahlstimmen sind in Hinkunft mit den Urnenstimmen von der jeweiligen Gemeinde

am Wahltag auszuzählen, damit ist auch ein weitgehend verlässliches Ergebnis am
Wahltag vorhanden
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Regierungsprogramm 2017
2022
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Neben der Briefwahl soll auch in Zukunft die Möglichkeit der Wahlkartenwahl am Wahltag


in einem fremden Wahllokal möglich sein; diese Stimmen werden wie bisher von Bezirks
-
wahlkommissionen ausgezählt
Evaluierung der bestehenden verfassungsrechtlichen Vorschriften betreffend die Briefwahl
unter besonderer Berücksichtigung der Vorgaben des Verfassungsgerichtshofes anlässlich
der Aufhebung der Bundespräsidentenwahl
In Abstimmung mit den Rechtsanwendern sind alle Wahlordnungen auf ihre praktische
Umsetzbarkeit zu prüfen und allfällige Adaptionen vorzunehmen
Moderner Verfassungsstaat
Schuldenbremse in die Verfassung
Durch eine verfassungsgesetzlich geregelte Schuldenbremse soll das gesamtstaatliche
Bekenntnis zur Reduktion der Staatsschuldenquote nachhaltig und transparent werden
Parlamentarismus
Evaluierung und ggf. Straffung der parlamentarischen Abläufe unter Einbindung aller
parlamentarischen Klubs, um einen effektiven und bürgernahen Parlamentarismus auch
in Zukunft zu gewährleisten. Zu denken ist insbesondere an eine Verbesserung der
Bürgerbeteiligung im Gesetzgebungsverfahren, an eine Steigerung seiner Transparenz
und an eine Vermeidung von budgetausufernden Beschlüssen ab der Ausschreibung
einer Nationalratswahl
S
chaffung der Möglichkeit einer Vorprüfung von Staatsverträgen durch den Verfassungs-
gerichtshof
S
chutz des Rechts auf Bargeld durch die Verfassung
Deregulierung und Rechtsbereinigung
Fortsetzung des durch den Österreich-Konvent begonnenen Prozesses der Deregulierung
und Rechtsbereinigung sowie allenfalls Teil-Neukodifikation des österreichischen
Verfassungsrechts
Evaluierung von Rechtsnormen einschließlich Staatsverträgen auf ihre Notwendigkeit
(inklusive Prüfung der Übererfüllung von EU-Recht)
Bekenntnis zu den autochthonen Volksgruppen als wichtiger Bestandteil der österreichischen
Identität
Einführung einer Staatszielbestimmung Wirtschaftsstandort: Die Republik bekennt sich zu
Wachstum, Beschäftigung und einem wettbewerbsfähigen Wirtschaftsstandort
Verankerung der Menschenwürde sowie der bürgerlichen Freiheitsrechte in der Verfassung
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Regierungsprogramm 2017
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Europa und Außenpolitik
Maßstab unseres internationalen Handelns sind die Interessen Österreichs und seiner
Bevölkerung. Gleichzeitig ist die Zukunft Österreichs fest mit dem europäischen Friedens- und
Einigungsprojekt verknüpft. Unser Heimatland ist integraler Teil der Europäischen Union und der
gemeinsamen Währung Euro. Wir werden als aktiver und zuverlässiger Partner an der Weiter-
entwicklung der EU mitwirken, wobei das Prinzip der Subsidiarität im Mittelpunkt stehen soll.
Der EU-Ratsvorsitz Österreichs in der zweiten Jahreshälfte 2018 wird als besondere Mitge-
staltungsmöglichkeit in einer Gesamtverantwortung der Bundesregierung wahrgenommen
werden. Darüber hinaus soll die Zusammenarbeit mit den mitteleuropäischen Nachbarstaaten
weiter gestärkt werden.
Die Neutralität Österreichs ist ein wichtiger identitätsstiftender Faktor und ist bei allen internati
-
onalen Abkommen zu berücksichtigen. Als neutraler Staat liegt eine engagierte internationale
Politik im nationalen Interesse. Österreich soll als historische Drehscheibe zwischen Ost und
West ein aktiver Ort des Dialogs sein und eine Entspannungspolitik zwischen dem Westen und
Russland vorantreiben. Österreich ist für seine Sicherheit auf eine globale Ordnung angewiesen,
die auf einem starken, regelbasierten und effektiven multilateralen System beruht. Kein Staat
kann die aktuellen Krisen und Konflikte der Welt alleine lösen. Wir werden daher zur Prävention
und Lösung von Konflikten am Krisenmanagement sowie an der Friedenssicherung im Rahmen
internationaler Organisationen, vor allem der Vereinten Nationen, aktiv mitwirken und unser
Engagement mit den Kandidaturen für den UN-Menschenrechtsrat 2019–2021 und den UN-
Sicherheitsrat 2027–2028 zusätzlich bekräftigen.
Zieldefinition
1.
Außenvertretung Österreichs zur Wahrung der Interessen seiner Bevölkerung bündeln
und stärken
2.
Europäische Union nach dem Grundsatz der Subsidiarität aktiv mitgestalten
3.
Das internationale Engagement und die Vernetzung Österreichs vor dem Hintergrund
seiner Neutralität stärken
4.
Bekenntnis zu einer effizienten Entwicklungszusammenarbeit
Maßnahmen
Außenvertretung Österreichs zur Wahrung der Interessen seiner Bevölkerung
bündeln und stärken
Die vergangenen Jahre – insbesondere die Migrationskrise, aber auch die zunehmende
Terrorgefahr, der Russland-Ukraine-Konflikt sowie die Situation im Nahen Osten und in Nordafrika –
haben neuerlich deutlich gemacht, dass internationale Entwicklungen unmittelbare Auswirkungen
auf die Sicherheit unseres Landes haben. Als Exportnation ist Österreich zudem auf sichere
Handelsrouten und verlässliche Partner angewiesen. Es ist daher für die Stabilität und Sicher
-
heit des Landes unerlässlich, über eine ausreichende und effiziente internationale Vertretung
zu verfügen. Um sich international Gehör verschaffen zu können, braucht Österreich dazu eine
Interessenvertretung im Ausland aus einer Hand. Das Außenministerium und sein internationales
Vertretungsnetz ist dabei nicht nur das zentrale Instrument, um Österreichs Interessen im Ausland
zu wahren, sondern auch ein Horch- und Frühwarnsystem, um frühzeitig über internationale
Entwicklungen informiert zu sein.
»
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Schaffung von „Österreich-Häusern" im Ausland, damit Botschaften zu „One-Stop-Shops" für Visa,
Wirtschaftsberatung, Spracherwerb und Kulturvermittlung werden, durch Einbindung sämtlicher
Außenvertretungen und verstärkte Kooperation mit der WKO, unter Einbindung des BMEIA
Im Rahmen dieses Konzepts könnte an ausgewählten Standorten als Pilotprojekt – wenn
bereits vorhanden bzw. wirtschaftlich vertretbar – ein gemeinsam genutztes Gebäude als
„Österreich-Haus" etabliert werden
Entwicklung einer Strategie zur Neuordnung des Attachéwesens unter besonderer Aner-
kennung der konsularischen Mitarbeiter
Evaluierung und Modernisierung des Préalable
Verstärkung des österreichischen Vertretungsnetzes angesichts steigender Terrorgefahr mit
Fokus auf eine professionelle Bewältigung der konsularischen Herausforderungen
Angesichts der zunehmenden Terrorgefahr bedarf es der Sicherstellung, dass Botschaften
in besonders gefährdeten Regionen Sicherheitshubs bzw. Stützpunkte für Auslandsöster-
reicherinnen und Auslandsösterreicher sein können und damit die Handlungsfähigkeit der
Bundesregierung in Krisen gewährleisten
Zusammenführung der Exportkontrollmechanismen für Militärgüter, Dual-Use-Güter und
Kriegsmaterial im Rahmen des Kriegsmaterialgesetzes und des Außenwirtschaftsgesetzes
in einem Ministerium, das die derzeitigen Zuständigkeiten von BMI, BMWFW, BMLVS
und BMEIA vereint
Europäische Union nach dem Grundsatz der Subsidiarität aktiv mitgestalten
Europa steht für Freiheit, Demokratie und Chancen. Die Europäische Union ist nicht nur eine
Wirtschaftsgemeinschaft, sondern auch eine Wertegemeinschaft. Gleichzeitig ist es wichtig, im
Sinne der Subsidiarität darauf hinzuwirken, dass die EU sich auf die wesentlichen, für gemein-
same Lösungen geeigneten Themen fokussiert. Wir wollen daher eine Europäische Union, die
die großen Themen anpackt, um die Bürger ihrer Mitgliedstaaten zu beschützen. Ein in diesem
Sinne starkes Europa kann Stabilität garantieren, Wachstum fördern und Frieden sichern.
Bekenntnis zu einer Weiterentwicklung der Europäischen Union im Sinne des Szenarios 4
(„Weniger, aber effizienter") des Weißbuches zur Zukunft Europas
Prüfung der Möglichkeit der Einführung von Subsidiaritätsprüfungen im Rahmen des
parlamentarischen Verfahrens
Entbürokratisierung auf EU-Ebene – Auslaufklausel („Sunset Clauses") in europäischen
Rechtsakten; Anwendung der „One-in-one-out-Regel"
Kein Gold-Plating bei der Umsetzung von EU-Recht
Bei einer umfassenden europäischen Debatte über die Reform bzw. Zukunft der EU wird in
Österreich ein eigener EU-Konvent einberufen, um die österreichische Position zu erarbeiten
Klare Politik gegenüber der Türkei: Keine Zustimmung zu einem EU-Beitritt der Türkei.
Verbündete zur Erreichung des endgültigen Abbruchs der EU-Beitrittsverhandlungen zu
Gunsten eines Europäisch-Türkischen Nachbarschaftskonzeptes werden gesucht
Eintreten für eine EU-Erweiterungspolitik mit klaren Kriterien: Unterstützung für die Staaten des
Westbalkans auf der Grundlage ihrer individuellen Fortschritte
Beitrag für einen effizienten EU-Außengrenzschutz durch Stärkung der Zusammenarbeit
zwischen den Mitgliedstaaten und FRONTEX und Gewährleistung der öffentlichen Ordnung
und Sicherheit in Österreich durch Grenzraumkontrollen; Auslotung und Ergreifung sämtlicher
Möglichkeiten von nationalen Grenzschutzmaßnahmen, solange der europäische Außen
-
grenzschutz nicht gesichert ist
Ziel ist ein positives Miteinander auf unserem Kontinent. Österreich wird sich aktiv dafür
verwenden, die – insbesondere durch den Ukraine-Konflikt – entstandenen Spannungen
und damit verbundenen Sanktionen im europäischen Einklang abzubauen und sich für die
Entschärfung des Konflikts in und um die Ukraine einsetzen
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Regierungsprogramm 2017
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Fokussierung der gesamten Bundesregierung auf die aktive Gestaltung des österreichischen
EU-Ratsvorsitzes 2018. EU-Ratsvorsitz nützen, um zu einem Kurswechsel in der EU hin zu mehr
Bürgernähe beizutragen; Eintritt für einen europäischen Subsidiaritätspakt
Das internationale Engagement und die Vernetzung Österreichs
vor dem Hintergrund seiner Neutralität stärken
Die Stärkung des effektiven Multilateralismus insbesondere im Rahmen internationaler Organi-
sationen wie UNO oder OSZE liegt im Interesse Österreichs und dient unserer Sicherheit. Als
kleines exportorientiertes Land ist Österreich auf eine funktionierende internationale Rechts-
ordnung und eine starke internationale Vernetzung angewiesen. In diesem Sinne wird sich die
Bundesregierung vor dem Hintergrund der immerwährenden Neutralität konsequent multilateral
engagieren, das Potenzial des Standorts Wien durch eine pro-aktive Amtssitzpolitik stärken
und ihre klare Politik zu Menschenrechten, Abrüstung, Rüstungskontrolle und für eine nuklear-
waffenfreie Welt fortsetzen.
Konsequente Fortsetzung der österreichischen Initiativen zu Abrüstung, Rüstungskontrolle
und die Nicht-Weiterverbreitung von Nuklearwaffen sowie Eintreten für eine nuklear-
waffenfreie Welt
Klares Bekenntnis zu einer aktiven Neutralitätspolitik Österreichs
Bekenntnis zu einer aktiven Handelspolitik als wesentliche Unterstützung der österreichischen
Exportwirtschaft durch faire, transparent verhandelte und qualitativ gut gemachte Handels-
abkommen, unter Wahrung österreichischer Regeln und Standards insbesondere zum Schutz
unserer Konsumenten
Ausbau des Potenzials des internationalen Amtssitzes Wien unter anderem durch ein neues
Amtssitzgesetz, das die Vielzahl an Einzelregelungen zusammenfasst und modernisiert
Österreich wird sich weltweit weiterhin stark gegen die Todesstrafe und Folter auf bilateraler
und multilateraler Ebene engagieren
Die Bundesregierung wird sich international gegen die Verfolgung religiöser Minderheiten –
insbesondere christlicher Minderheiten – einsetzen und zugleich gegen religiös-
extremistische Ideologien (z.B. politischer Islam) auftreten
Aktive Wahrnehmung der Schutzfunktion für Südtirol
Besondere Berücksichtigung von neuen geopolitischen Gegebenheiten mit Fokus auf China
bei der Erarbeitung einer außenpolitischen Strategie Österreichs
Bekenntnis zu Israel als jüdischem Staat mit dem Ziel einer Zweistaaten-Lösung, die Israel in
dauerhaft sicheren Grenzen und einen lebensfähigen palästinensischen Staat ermöglicht
Unterstützung des Einsatzes der internationalen Staatengemeinschaft für eine Friedenslösung
im Nahen Osten, mit besonderer Berücksichtigung der Sicherheitsinteressen Israels
Fortsetzung des konsequenten multilateralen Engagements durch Bewerbung für die
Mitgliedschaft im UN-Menschenrechtsrat für die Jahre 2019
2021 und im UN-Sicherheitsrat für
die Jahre 2027
2028
Fortsetzung und Stärkung des österreichischen Beitrags zu internationalen Auslandseinsätzen,
mit Fokus auf EU-Außengrenzschutz, Westbalkan, Nordafrika und Migrationsrouten
» .
»
• Innere Sicherheit
• Integration
• Justiz
• Landesverteidigung
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Regierungsprogramm 2017
2022
Asyl als Schutz auf Zeit
und Stopp der illegalen
Migration
Wir trennen klar zwischen Zuwanderung
und Asyl. Schutz auf Zeit bieten wir jenen
Menschen, die wirklich vor Verfolgung
flüchten müssen. Für illegale Migration,
die meist unter Missbrauch des Asylrechts
stattfindet, ist kein Platz. Daher werden wir
Schritte für ein effizienteres Asylwesen
setzen und für eine konsequente Rück-
führung abgelehnter Asylwerber sorgen.
Härtere Strafen
für Sexual- und
Gewaltverbrecher
Während viele Opfer ein Leben lang unter
den an ihnen begangenen Verbrechen
leiden, fallen die Strafen für die Täter –
gerade auch in Relation zu Vermögens-
delikten – viel zu gering aus. Dem tragen
wir mit einer Strafverschärfung bei Gewalt-
und Sexualdelikten Rechnung, bei der
besonders verwerfliche Beweggründe,
besonders brutale Tatbegehung oder
nachhaltige psychische Folgen für Opfer
berücksichtigt werden.
Staatsbürgerschaft neu
Für jene Menschen, die nicht als öster-
reichische Staatsbürger zur Welt kommen,
sollte die Verleihung der österreichischen
Staatsbürgerschaft der Abschluss eines
erfolgreichen Integrationsprozesses sein.
Der Zugang dazu muss klar geregelt sein
und die Voraussetzungen müssen erfüllt
werden. Die Wertigkeit der österreichischen
Staatsbürgerschaft sollte auch dadurch
unterstrichen werden, dass der Rahmen der
Verleihung noch feierlicher gestaltet wird.
Moderne Polizei
Eine effiziente und moderne Polizei braucht
gut ausgebildete Mitarbeiter und die
notwendigen Rahmenbedingungen, um
eine effektive Verbrechensbekämpfung
möglich zu machen. Dem bevorstehenden
Pensionierungsschub ist daher durch
zusätzliche Ausbildungsplanstellen zu
begegnen und die Ermittlungsmethoden
müssen durch den Beschluss eines Sicher
-
heitspaketes modernisiert werden.
Ordnung und Sicherheit
»
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Innere Sicherheit
Österreich ist ein besonders sicheres und lebenswertes Land. Damit das so bleibt, verfolgen wir
eine proaktive, umfassende Sicherheitspolitik, gemeinsam mit Partnern aus dem öffentlichen
und privaten Bereich. Diese soll Ordnung und Sicherheit in Staat und Gesellschaft gewährleisten,
die freie Entfaltung der Menschen ermöglichen und zum gesellschaftlichen Zusammen-
halt beitragen. Ziel ist ein geordnetes und friedliches Zusammenleben aller Menschen in
unserem Land. Unsere demokratischen Werte sowie die Grundsätze der Aufklärung und der
allgemeinen Menschen- und Bürgerrechte, die Österreich und das heutige Europa geformt
haben, bilden dafür das feste, gemeinsame Fundament. Sie gelten für alle, die bei uns leben
oder zu uns kommen.
Unsere Migrationspolitik soll so gestaltet werden, dass sie von der Bevölkerung mitgetragen
werden kann. Wir werden diese daher so handhaben, dass Österreich ein sicherer, stabiler
Staat bleibt, in dem man in Wohlstand und sozialem Frieden leben kann. Dafür muss die
illegale Migration in unser Land gestoppt und qualifizierte Zuwanderung am Bedarf Österreichs
ausgerichtet werden. Zudem sind wir bereit, jenen Menschen, die unsere Hilfe wirklich
brauchen, im Wege des Asyls Schutz für die Dauer ihrer Verfolgung zu bieten.
Aus unserer Rechtsordnung ergeben sich klare Regeln für das Leben in Österreich. Diese werden
wir verstärkt kommunizieren und konsequent durchsetzen. Wir werden die Grund- und Freiheits
-
rechte der Menschen schützen und fördern, damit diese ein selbstbestimmtes, erfolgreiches
Leben führen können. Das ist das beste Mittel, um staatsfeindlichem Extremismus den Boden zu
entziehen, unabhängig vom jeweiligen Hintergrund. Parallel- und Gegengesellschaften dürfen sich
bei uns nicht entfalten. Die Vermeidung von staatsfeindlichem Extremismus und staatsfeindlicher
Radikalisierung erfordert einen gesamtgesellschaftlichen Ansatz. Insgesamt braucht es eine mög
-
lichst leistungsfähige, gesamtstaatliche Sicherheitsorganisation und ein enges Zusammenwirken
mit unterschiedlichen Partnern sowie eine klare Strategie für Krisen- und Katastrophenszenarien.
Ein besonderes Anliegen ist es, für all jene, die für unsere Sicherheit im Einsatz sind, die Rahmen
-
bedingungen zielgerichtet zu verbessern. Das erfordert insbesondere eine Technologieoffensive,
damit unsere Polizei und Sicherheitskräfte insgesamt bestmöglich handlungsfähig bleiben,
wenn es etwa um neue Ermittlungsmethoden geht. Besonders maßgeblich ist das im Kampf
gegen Cyberkriminalität sowie für die Gewährleistung von Sicherheit im Cyber-Raum und in der
digitalen Welt insgesamt. Ziel ist die Schließung digitaler Sicherheitslücken sowie die Förderung
digitaler Freiheit und Selbstbestimmung. Dafür braucht es enge Kooperationen zwischen Staat,
Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung. Auf europäischer Ebene sind wir gefordert, Strukturen
zu schaffen, die eine Handlungsfähigkeit sicherstellen. In Österreich sind die Kompetenzen
im Bereich der digitalen Sicherheit zu bündeln und eine Strategie zur digitalen Sicherheit
zu erarbeiten.
Im Rahmen einer konsequenten Umsetzung der Nationalen Anti-Korruptions-Strategie soll
insbesondere das Integritätsbeauftragtennetzwerk (IBN) in der gesamten staatlichen Verwaltung
weiter verankert und ausgebaut werden. Ebenso soll auf internationaler Ebene etwa die
Zusammenarbeit mit Interpol und der Internationalen Anti-Korruptions-Akademie (IACA)
ausgebaut und das diesbezügliche österreichische Engagement intensiviert werden, um so
einen Beitrag zur Stärkung der Integrität der öffentlichen Verwaltung zu leisten.
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Regierungsprogramm 2017
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Zieldefinition
1.
Mehr Sicherheit für alle Menschen in unserem Land durch verbesserte Rahmenbedingungen
für die Polizei
2.
Bekämpfung von staatsfeindlichem Extremismus und staatsfeindlicher Radikalisierung,
um insbesondere terroristischen Aktivitäten vorzubeugen
3.
Schließung von Sicherheitslücken digitaler Netze in Österreich und Schutz der Bürger vor
neuen Bedrohungen durch die Digitalisierung
4.
Migrationspolitik mit dem Ziel, legale Migration streng nach den Bedürfnissen Österreichs
auszurichten sowie illegale Migration wirksam zu bekämpfen und zu stoppen
5.
Konsequente Verhinderung von Asylmissbrauch und Schaffung von Rahmenbedingungen,
die rasche Asylverfahren bewirken
6.
Effizientes Krisen- und Katastrophenschutzmanagement für Österreich schaffen
7.
Qualitative Ausbildung im Zivildienst
Maßnahmen
Mehr Sicherheit für alle Menschen in unserem Land durch
verbesserte Rahmenbedingungen für die Polizei
Eine effiziente und moderne Polizei benötigt neben einer fundierten Aus- und Weiterbildung
auch Möglichkeiten, neue Phänomene im Lichte der Wissenschaft zu erforschen. Dieses Wissen
verbunden mit eigener Erfahrung kann nur mit einer zweckmäßigen und modernen Infrastruktur
verwertet werden, um so den größtmöglichen Nutzen zu bringen und dadurch Sicherheit zu
gewährleisten. Unsere Rechtsordnung muss daher laufend an neue Gefahren und Bedrohungen
angepasst werden, um der Polizei Handlungsmöglichkeit zu schaffen. Aber auch eine organisa
-
torische Weiterentwicklung der Landespolizeidirektionen und der nachgeordneten Dienststellen
ist in diesem Licht zu betrachten. Dies erfordert personelle Ressourcen, gepaart mit einem
fairen und eigenen Dienst- und Besoldungsrecht im Rahmen des Beamten-Dienstrechts. Eine
Vereinbarkeit von Familie und Beruf aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist anzustreben.
Entwicklung eines modernen, flexiblen und bedarfsorientierten (regionalen) Personal-
managements sowie eines Planstellenpools auf Ebene der Landespolizeidirektionen
Übertragung der Agenden der Sicherheitsbehörden I. Instanz von den Landespolizei-
direktionen zu den Bezirksverwaltungsbehörden (mit Ausnahme der Landeshauptstädte
und Schwechat)
Organisatorische Weiterentwicklung der Landespolizeidirektionen und nachgeordneter
Dienststellen
Weiterentwicklung der Initiative „Gemeinsam.Sicher" zur Förderung der Zusammenarbeit mit
der Bevölkerung im Sinne sachgerechter Lösungen
Schaffung des Berufsbildes „Polizist" im arbeitsrechtlichen Sinn und Attraktivierung des Berufs
Schaffung von bis zu 2.000 Ausbildungsplätzen ab 2019
Schaffung von 2.100 zusätzlichen Planstellen insbesondere zum Belastungsausgleich
(z.B. Kompensation von bisherigen Zuteilungen), zur Förderung der Mobilität und
Flexibilität, für neue Aufgabenfelder sowie für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf
Entwicklung eines kombinierten Lehrberufes Verwaltungs-/Exekutivlehrling
Sicherheitsakademie für die Grundausbildung, Spezialausbildung sowie für die Aus- und
Fortbildung weiterentwickeln; Angebote für den privaten Sicherheitsbereich ausbauen
Bologna-gerechtes Ausbildungssystem für den Exekutiv- und Verwaltungsdienst sowie
Entwicklung einer bedarfsorientierten Fach- und Führungsausbildung im E2a-Bereich
(z.B. Kriminalpolizei)
Anreizsystem für Personen mit Berufserfahrung
Stärkung des Schutzes der Persönlichkeitsrechte für die Bediensteten
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Regierungsprogramm 2017
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Eigenes Dienst- und Besoldungsrecht für die Sicherheitsexekutive und -verwaltung mit einer
eigenen gesetzlichen Regelung für den Exekutivdienst als Abschnitt im Rahmen des BDG:
Schaffung eines funktions- und belastungsorientierten Besoldungssystems
Fortführung der Immobilien- und Ausrüstungsoffensive mit Schwerpunkt auf zukünftige
Herausforderungen
Gesetzliche und technische Optimierung von Datenermittlung/Weitergabe für die
sicherheitspolizeiliche behördenübergreifende Verwendung im Einklang mit der
Datenschutzgrundverordnung
Einführung von zukunftsorientierten Ermittlungsmethoden (Gesichtsfelderkennung, Big-
Data-Analysen usw.) unter Ausbau des Rechtsschutzes sowie Maßnahmen, um zukünftigen
(technischen) Herausforderungen begegnen zu können (z.B. Abwehr/Einsatz unbemannter
Objekte)
Einführung von Datenübermittlungsbefugnissen und -verpflichtungen an bestimmte
Verwaltungsbehörden (z.B. Führerscheinbehörden oder Waffenbehörden) betreffend
eingeschränkt handlungsfähige Personen (z.B. nach dem Unterbringungsgesetz)
Weiterentwicklung des Unterbringungsgesetzes, um einen geeigneten Opferschutz
sicherzustellen, sowie die Einrichtung eines Obsorgeregisters
Bekämpfung von staatsfeindlichem Extremismus und staatsfeindlicher Radikalisierung,
um insbesondere terroristischen Aktivitäten vorzubeugen
Wie schon in den letzten Jahren geht die größte Gefahr für die innere Sicherheit Österreichs vor
allem von islamistischem Extremismus aus. Auch wenn Österreich bisher von Terroranschlägen
verschont geblieben ist, müssen die Sicherheitsbehörden wachsam sein, um bereits im Vorfeld
gegen potenzielle Gefährder einschreiten zu können. Das ist dank der hervorragenden Arbeit
der Staatsschutz- und Sicherheitsbehörden gelungen. Damit die Sicherheitsbehörden ihre Arbeit
auch weiterhin bestmöglich leisten können, ist der Gesetzgeber aufgerufen, die notwendigen
rechtlichen Rahmenbedingungen zu schaffen. Aufgrund der veränderten geopolitischen Lage
in und um Österreich braucht die Regierung aber auch eine auf die neuen Bedrohungen und
Herausforderungen (transnationaler Terrorismus, ausländische Agitation, Migration) angepasste
Sicherheitsarchitektur, in deren Rahmen der Prävention in Zukunft eine wesentlich höhere
Bedeutung zukommen muss.
Beschluss eines Sicherheitspaketes
Weitergabe sicherheitsrelevanter Daten zur Kriminalprävention im Zusammenwirken mit
den Bürgern: Vor dem Hintergrund der aktuellen Herausforderungen sollen die Lücken
bei der Überwachung internetbasierter Telekommunikation geschlossen werden. Das
BMJ wird im Einvernehmen mit dem BMI eine Regierungsvorlage ausarbeiten, deren
wesentlicher Inhalt darin liegen wird, dass es zu keiner massenwirksamen Überwachung
kommen darf und ein Eingriff in die persönliche Rechtssphäre nur infolge eines
begründeten Anfangsverdachts auf Basis einer richterlichen Genehmigung erfolgen darf.
Dieses Sicherheitspaket soll zeitlich befristet beschlossen und parlamentarisch evaluiert
werden. Dazu sollen dem Parlament alle relevanten Daten zur Verfügung gestellt werden
Intensivieren der (internationalen) sicherheitspolizeilichen Zusammenarbeit und des
Datenaustausches und der Datenverarbeitung
Verbesserung der Prozesse der Zusammenarbeit zwischen BVT, Bundeskriminalamt
und Heeresdiensten
Straftatbestand für nachrichtendienstliche Aktivitäten zum Nachteil von Privatpersonen
Anpassung des Vereinsgesetzes für die Bekämpfung des Extremismus und Terrorismus
sowie strenge Exekution der gesetzlichen Bestimmungen, um extremistisch-religiöse
Kultstätten zu schließen
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Regierungsprogramm 2017
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Individualisierungspflicht für Netzbetreiber bei CG-NAT-Verwendung (Zuordnung einer
eindeutigen IP-Adresse)
Gebiets- und Reisebeschränkungen für Gefährder sowie Einschränkung elektronischer
Kommunikationsmittel bei Gefährdern
Strafgesetzliche Bestimmungen gegen den politischen Islam (Ausgestaltung im StGB)
Einführung eines Erschwerungsgrundes für religiös-fundamentalistisch motivierte Gewalt
Gesamtstaatliche interdisziplinäre Präventions- und Deradikalisierungsmaßnahmen ausbauen
Weiterentwicklung der Staatsschutzbehörden nach Evaluierung und internationalen Vorbildern
Neuer Rechtsschutz mit hohem Standard nach strukturellem Vorbild der Volksanwaltschaft
Schließung digitaler Sicherheitslücken in Österreich und Schutz der Bürger vor
den neuen Bedrohungen durch die Digitalisierung
Entscheidend für eine gelungene und erfolgreiche Digitalisierung sind eine entsprechende
digitale Sicherheit in allen Bereichen, ein transparenter Umgang mit Daten und die Herstellung
technologischer Souveränität. Die Abhängigkeit von außereuropäischen Sicherheitstechnologien
macht uns verwundbar – dem gilt es, nachhaltig entgegenzusteuern. Digitale Sicherheit bietet
den notwendigen Schutz vor Datenmissbrauch, Identitätsdiebstahl und Cyberkriminalität. Sie
ermöglicht Digitalisierung in Form von praktischen Services und sicheren Prozessen für Bürger
und Wirtschaft. Dabei geht es darum, die Potenziale der Digitalisierung zu heben und gleichzeitig
deren Risiken insbesondere für die kritische Infrastruktur zu minimieren. Die Entwicklung einer
ganzheitlichen und gesamtstaatlichen Strategie unter Einbindung aller Stakeholder sollte prioritär
behandelt werden. Ebenso soll dafür Sorge getragen werden, dass der Zugang zu digitalen
Medien sowie Verständnis und die Annahmebereitschaft für alle Menschen, insbesondere für
Senioren, gefördert werden.
Entwicklung einer gesamtstaatlichen Strategie zur digitalen Sicherheit
Verstärkte Zusammenarbeit mit Wissenschaft, Forschung, Unternehmen und staatlichen
Organisationen
Weiterentwicklung des „Cyber Security Center" (CSC) und „Cybercrime Competence Center"
(C4) zu modernen Hightech-Einheiten
Schaffung der notwendigen rechtlichen Rahmenbedingungen
Etablierung eines europäischen Cyber-Clusters, der die Entwicklung europäischer Soft- und
Hardwarelösungen vorantreibt
Aufbau eines österreichischen Sicherheitstechnologie-Clusters sowie einer koordinierten und
effizienten Sicherheitsforschung
Cybersecurity als einer der Schwerpunkte im Rahmen des österreichischen EU-Ratsvorsitzes 2018
Schaffung und Implementierung eines integrierten, einheitlichen, staatlich gesicherten
analogen und digitalen Identitätssystems als Basis für die sichere Digitalisierung und den
Dokumentenschutz Österreichs (z.B. Reisepass, Führerschein)
Digitale Innovationen- und Service-Agentur
Einrichtung eines gemeinsamen nationalen Cyber-Sicherheitszentrums (NIS-Behörden)
Migrationspolitik mit dem Ziel, legale Migration streng nach den Bedürfnissen Österreichs
auszurichten sowie illegale Migration wirksam zu bekämpfen und zu stoppen
Die Neukodifikation des Migrationsrechts wird zur Verbesserung der Lesbarkeit führen. Zur
langfristigen Sicherung des sozialen Friedens soll eine gesamtstaatliche Migrationsstrategie
erarbeitet werden, die Grundlage allen Handelns in migrationsrelevanten Bereichen ist. Eine
unabdingbare Voraussetzung für die Ausgestaltung einer nachhaltigen Migrationspolitik ist ein
funktionierender EU-Außengrenzschutz. Dieser soll durch eine Stärkung der Zusammenarbeit
mit den EU-Mitgliedstaaten und FRONTEX sowie die Durchführung von Grenzraumkontrollen
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zur Gewährleistung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit in Österreich sichergestellt werden
und auch einen Schwerpunkt im Rahmen des österreichischen EU-Ratsvorsitzes 2018 bilden.
Erarbeitung einer gesamtstaatlichen Migrationsstrategie zur langfristigen Sicherung des
sozialen Friedens unter Einbeziehung des Berichtes des Migrationsrates
Orientierung an den Bedürfnissen Österreichs
Verhinderung von Fluchtursachen und Forcierung einer effektiveren Rückkehrpolitik durch
Wirtschaftspartnerschaften sowie Vernetzung in weiteren Disziplinen
Betreuungsstätten für Flüchtlinge in ihren Herkunftsregionen
Legale Migration streng an den Bedürfnissen Österreichs orientieren
Neuausrichtung der Rot-Weiß-Rot-Karte an den Bedürfnissen der heimischen Wirtschaft
Regionale Überarbeitung der Mangelberufsliste
Schaffung eines Niederlassungstitels zur Absolvierung einer Lehrausbildung
Beitrag für einen effizienten EU-Außengrenzschutz durch Stärkung der Zusammenarbeit
zwischen den Mitgliedstaaten und FRONTEX und Gewährleistung der öffentlichen Ordnung
und Sicherheit in Österreich durch Grenzraumkontrollen
Rückkehr zu Schengen, wenn die illegale Migration gestoppt und europäische Außen
-
grenzen gesichert sind
Stärkung und Ausbau der österreichischen Grenz- bzw. Grenzraumsicherung unter engem
und regelmäßigem Austausch mit Nachbarstaaten
Unterstützung von europäischen Arbeiten, um ein einheitliches hohes Grenzüber-
wachungs- und Personenkontrollniveau an europäischen Außengrenzen sicherzustellen
EU-Außengrenzschutz als einer der Schwerpunkte im Rahmen des österreichischen
EU-Ratsvorsitzes 2018
Staatsbürgerschaftsgesetz neu gestalten
Überdenken der Behördenzuständigkeit im Bereich der Staatsbürgerschaftsverleihung
Anpassung der Voraussetzungen (z.B. Deutschkenntnisse, Durchrechnungszeitraum
Selbsterhaltungsfähigkeit) und Aufenthaltsdauer für den Erwerb (10/20/30 Jahre)
Bei besonderer Integrationsleistung beziehungsweise außerordentlichen Leistungen
im Interesse der Republik Österreich bleiben die derzeitigen Regelungen zum Erwerb
der Staatsbürgerschaft bestehen
Verpflichtender Kurs für die Staatsbürgerschaftsprüfung
Neugestaltung des feierlichen Rahmens für die Verleihung der österreichischen
Staatsbürgerschaft
Doppelstaatsbürgerschaft neu denken
Doppelstaatsbürgerschaft Südtirol und Alt-Österreicher: Im Geiste der europäischen
Integration und zur Förderung einer immer engeren Union der Bürgerinnen und Bürger
der Mitgliedstaaten wird in Aussicht genommen, den Angehörigen der Volksgruppen
deutscher und ladinischer Muttersprache in Südtirol, für die Österreich auf der Grund
-
lage des Pariser Vertrages und der nachfolgenden späteren Praxis die Schutzfunktion
ausübt, die Möglichkeit einzuräumen, zusätzlich zur italienischen Staatsbürgerschaft
die österreichische Staatsbürgerschaft zu erwerben.
Doppelstaatsbürgerschaft für Nachfahren der Opfer des Nationalsozialismus
aus Österreich
Lösung für die Auslandsösterreicher im Vereinigten Königreich, die vom Brexit
betroffen sind
Konsequente Verhinderung von Asylmissbrauch und Schaffung von Rahmenbedingungen,
die rasche Asylverfahren bewirken
Schwerpunkte sind eine Effizienzsteigerung bei Asylverfahren, Außerlandesbringungen und in
fremdenpolizeilichen Verfahren sowie eine Anpassung der Leistungen in der Grundversorgung
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für Asylwerber. Auf europäischer Ebene arbeitet Österreich aktiv an der Ausgestaltung einer
resilienten, nachhaltigen und effizienten Asylpolitik mit, die Österreich entlastet und Rückführungen
von Wirtschaftsmigranten verstärkt.
Effizienz im Asylverfahren steigern
Neukodifizierung des gesamten Asyl- und Fremdenrechts
Auslesen beziehungsweise Wiederherstellen von Handydaten und anderen elektronischen
Kommunikationsmitteln (z.B. Soziale Medien) zur Erhebung der Reiseroute und bei
unklarer Identität
Erweiterung der Verordnung sicherer Herkunftsstaaten
Beschleunigte Aberkennung des Schutzstatus bei Heimreisen
Ex lege Asylantragstellung für nachgeborene Kinder von Asylwerbern
Verkürzung der Beschwerdefristen in beschleunigten Verfahren mit Anwaltspflicht
Negative Feststellung von Identitäten, wenn eine positive Feststellung nicht möglich ist
Ausschluss der außerordentlichen Revision an den Verwaltungsgerichtshof bei Asylverfahren
Kompetenzverschiebung für Deutsch für Asylwerber mit hoher Anerkennungswahrschein
-
lichkeit in das für Integration zuständige Ressort
Konsequente Rückführung abgelehnter Asylwerber
Keine weiteren aufenthaltsverfestigenden Maßnahmen bis zum rechtskräftigen Abschluss
des Asylverfahrens
Bundeseinheitliche Neuregelung der Grundversorgung
Nur mehr Sachleistungen, keine individuelle Unterbringung, eigenverantwortliche
Haushaltsführung
Abnahme von Bargeld bei Asylantragstellung zur Deckung der Grundversorgungskosten
Einschränkung der ärztlichen Verschwiegenheitspflicht bei grundversorgungsrelevanten
Erkrankungen oder Einschränkungen
Verbot, Ehemänner von Kinderbräuten mit der Obsorge zu betrauen
Im Familiennachzug werden Kinderehen, Zwangsehen und Mehrfachehen nicht anerkannt
Schaffung von Brückenklassen zur Erlangung von Deutschkenntnissen in Grund-
versorgungseinrichtungen
Gesetzliche Klarstellung, dass ein Wohnsitz in einer Grundversorgungseinrichtung
keinesfalls ein fester Wohnsitz im Sinne von § 173 Strafprozessordnung ist
Einführung eines elektronisch überwachten Hausarrests für straffällig gewordene Personen
in Grundversorgungseinrichtungen als gelinderes Mittel zur Verfahrenssicherung
Erleichterte Einbringung von Geldleistungen aus Schadenersatzansprüchen im Wege
eines Sonderexekutionsrechts analog der Gehaltsexekution bei Drittstaatsangehörigen,
die öffentliche Unterstützungsleistungen beziehen (GVS, BMS, Kindergeld)
Bis Ende 2018 Durchgriffsrecht nur mehr auf Bundeseigentum in Anspruch nehmen
Effizienz bei Außerlandesbringungen und im fremdenpolizeilichen Verfahren steigern
Verwaltungsstraftatbestand und zivilrechtlicher Regress bei illegaler Wiedereinreise nach
freiwilliger Ausreise unter Gewährung von Rückkehrhilfe
Verwaltungsstraftatbestand bei missbräuchlicher Anerkennung von Vaterschaften zwecks
Erlangung eines Aufenthaltsrechts oder Verhinderung einer Außerlandesbringung
Umfassendes Arbeitsverbot (selbständig, unselbständig sowie Dienstleistungscheck)
für Personen, die sich rechtswidrig im Bundesgebiet aufhalten, auch für Personen mit
rechtskräftig negativ entschiedenem Asylverfahren
Keine Aufenthaltsverfestigung bei rechtskräftig verurteilten Straftätern im Rahmen
der Erlassung einer Rückkehrentscheidung (Grenze: Art. 8 EMRK)
Aktiv an der Ausgestaltung einer resilienten, nachhaltigen und effizienten Asylpolitik im
Rahmen der laufenden Verhandlungen zum „Gemeinsamen Europäischen Asylsystem"
mitarbeiten, die Österreich entlastet und Missbrauch ausschließt. Dabei sollen folgende
Punkte umgesetzt werden:
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Auf Entlastung Österreichs im Bereich der Asylanträge hinwirken (z.B. Sekundärmigration
und Verfahrensmissbrauch abstellen, Anreize verhindern, Grenzschutz ausbauen)
Entschlossene Bekämpfung von Schlepperei und Menschenhandel und der damit
verbundenen irregulären Migration
Das Ziel, auf See Gerettete in „Rescue Centres" außerhalb der EU zu bringen und sie nicht
selbst aktiv in die EU zu holen, weiterverfolgen
Für besonders vulnerable Gruppen ein österreichisches Resettlementkontingent vorsehen
Weitere Rückführungsabkommen abschließen
Solange es für die Verhinderung illegaler Migration auf europäischer Ebene keine praktikable
und befriedigende Lösung gibt, ist sicherzustellen, dass das Thema Asyl und Migration
im europarechtlichen Rahmen in österreichischer Kompetenz bleibt und durch Österreich
geregelt wird
Einrichtung einer Bundesagentur für Betreuungs- und Unterstützungsleistungen (Einsparungen)
Sicherstellung einer qualitativ angepassten und nicht auf Gewinn ausgerichteten
Betreuung von hilfs- und schutzbedürftigen Fremden unter Berücksichtigung besonderer
Betreuungsbedürfnisse
Unabhängige und objektive Rechtsberatung und qualitativ hochwertige Rückkehr-
beratung im asyl- und fremdenpolizeilichen Verfahren
Gewährleistung umfassender Übersetzungs- und Dolmetschleistungen (inklusive Video-
dolmetsch) für Fremdenbehörden, Sicherheitsverwaltung und Kriminalpolizei sowie
Steigerung der Effizienz und Vertraulichkeit durch bundesunmittelbare Aufgabenwahrnehmung
Effizientes Krisen- und Katastrophenschutzmanagement für Österreich schaffen
Moderne Gesellschaften sind geprägt durch Interdependenzen, Spezialisierungen und breiten
Einsatz intelligenter technischer Systeme. Dies schafft Chancen, aber auch Risiken und erhöht
gleichzeitig die Verletzbarkeit. Die Migrationskrise 2015 hat gezeigt, dass die gesamtstaatlichen
Strukturen, Regeln und Verfahren für die Krisenbewältigung optimiert und weiterentwickelt
werden müssen, um die Resilienz Österreichs zu stärken. Um Österreich sicherer und
widerstandsfähiger zu machen, wird ein neuer politisch-strategischer Ansatz verfolgt.
Die Resilienz Österreichs, d.h. die Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit von Staat und
Gesellschaft nach Krisen, soll in einem gesamtstaatlichen Ansatz gesteigert werden
Dabei wird eine koordinierte Umsetzung angestrebt, vor allem in den Bereichen Cyber-
Sicherheit, Schutz kritischer Infrastrukturen, Katastrophenschutz (einschließlich Vorbeugung)
sowie Daseinsvorsorge
Die Strukturen und Verfahren des staatlichen Krisen- und Katastrophenschutzmanagements
sollen gesetzlich abgesichert werden
Entwicklung umfassender rechtlicher Rahmenbedingungen unter Beachtung des Subsidiaritäts-
prinzips und der Verantwortungsbereiche des Bundes und der Länder im Bereich des
staatlichen Krisen- und Katastrophenschutzmanagements
Schaffung konkreter Zuständigkeiten, Aufgabenverteilungen, Informationsverpflichtungen
und Befugnisse für die Bewältigung andauernder und/oder komplexer (bundesländer
-
übergreifender und internationaler) Krisen- und Katastrophensituationen, in denen eine
enge Kooperation aller zuständigen Bundes- und Landesbehörden sowie Einsatzorgani-
sationen erforderlich ist
Entwicklung straffer Strukturen (Bundessicherheitsrat) für die Bewältigung komplexer
Störungen des öffentlichen Bereiches unter Einbindung des Parlaments mit konkreter
Aufgaben- und Befugniszuweisung
Weiterentwicklung des Ständigen Unterausschusses des Innenausschusses zu einem
interdisziplinären Ausschuss zu staatspolitischen Sicherheitsfragen
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Regierungsprogramm 2017
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Einrichtung eines Beratungsgremiums für die Bundesregierung zur Bewältigung von
Katastrophen unter Einbeziehung ziviler Personen, insbesondere der Vertreter der
nationalen Infrastrukturen sowie Blaulichtorganisationen
Informationsmanagement im Krisenfall für die Bevölkerung mit regionaler/überregionaler
Ausrichtung neu aufsetzen (KATWARN)
Bereitstellung von Ressourcen und Ausrüstung: Schaffung der Grundlagen und Vorbereitung
für rasche Verfügbarkeit von Ersatz-Infrastruktur (Unterkünfte, Container, Wasser, Strom,
Lebensmittel etc.)
Unmittelbare und unbürokratische Beauftragung Dritter bzw. Nutzung von deren Infrastruktur
durch den Bund
Entwicklung und Umsetzung eines (strom)netzunabhängigen Informationssystems für
die Bevölkerung
Qualitative Ausbildung im Zivildienst
Der Zivildienst erfüllt eine wichtige gesellschaftliche Funktion und stellt u.a. auch eine Brücke
zwischen den Generationen dar. In vielen Gebieten des österreichischen Sozial- und Gesund
-
heitssystems könnten die hohen Standards und die hohe Qualität ohne Zivildiener nicht aufrecht
-
erhalten werden. Der Einsatz junger Menschen in gemeinnützigen Einrichtungen während des
Zivildienstes stellt für viele auch die Basis für ehrenamtliches Engagement über den Zivildienst
hinaus dar.
Zusätzliche (modulare) Ausbildungsmöglichkeiten und Qualifizierung für die im Zivildienst
ausgeübte Tätigkeit
Zertifizierung von im Zivildienst erworbenen Kompetenzen/Qualifikationen
E-Learning-Tool für Staatsbürgerschaftskunde (auch für Grundwehrdiener)
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Integration
Integration ist ein langfristiger Prozess, der nicht von heute auf morgen vollendet werden kann. Für
eine gelingende Integration der bzw. des Einzelnen sind der Erwerb der deutschen Sprache, die
Akzeptanz unserer Werte und die Teilnahme am Arbeitsmarkt Voraussetzungen. Österreich
bietet weiterhin alle Chancen zur Integration. Wer diese Chancen nicht annimmt und seine
Integration verweigert, muss mit Sanktionen rechnen. Erfolgreiche Integration hängt zudem
wesentlich von der Anzahl der zu integrierenden Personen und deren Qualifikationen ab.
Integrationspolitik kann falsche Einwanderungspolitik nicht reparieren.
Von jenen Personen, die rechtmäßig und dauerhaft in unserem Land leben, wird eingefordert,
dass sie sich aktiv um ihre Integration in die Gesellschaft und ihr Fortkommen bemühen
sowie unsere verfassungsmäßig verankerten Werte hochhalten. Nur auf dem Fundament die
-
ser gemeinsamen Wertebasis kann ein friedliches Zusammenleben funktionieren. Erst das Le
-
ben dieser Werte ermöglicht eine erfolgreiche Integration in Österreich. Ohne diesen gemein-
samen Grundkonsens ist eine pluralistische Gesellschaft nicht zukunftsfähig. Nach dem
Integrationsgrundsatz „Fordern und Fördern" schafft der Staat Rahmenbedingungen, die
eine solche Leistungserbringung des Zuwanderers auch ermöglichen. „Integration durch
Leistung" braucht dabei weiterhin das staatliche Angebot an Deutsch- und Wertekursen mit
daran anknüpfender Verpflichtung, dieses Angebot aktiv wahrzunehmen – bei sonstiger
Kürzung sozialer Leistungen.
Der Spracherwerb bleibt der Schlüssel für eine erfolgreiche Integration und stellt die unum-
gängliche Voraussetzung für eine Partizipation an der Gesellschaft und am Arbeitsmarkt dar.
Vor allem beim Spracherwerb muss daher früher investiert werden, statt später die Folge-
kosten tragen zu müssen. Deutschkenntnisse müssen schon im Kindergarten umfassend
gefördert werden.
Probleme im Bereich der Integration müssen erkannt, offen angesprochen, gelöst und dürfen
nicht aus falsch verstandener Toleranz verschwiegen werden. Einer zunehmenden (vor
allem islamistischen) Radikalisierung, dem Entstehen von Parallelgesellschaften sowie einem
vermehrten Einfluss aus dem Ausland wird entgegengetreten.
Der erfolgreiche Abschluss des Integrationsprozesses kann die Verleihung der österreichischen
Staatsbürgerschaft sein. Unsere Staatsbürgerschaft ist ein hohes Gut und darf nicht zugänglich
für jene sein, die sich nicht an die Gesetze unseres Staates halten.
Zieldefinition
1.
Strategie, Transparenz und Kontrolle
2.
Integration durch Leistung und gesellschaftliche Teilhabe
3.
Kampf gegen den politischen Islam
4.
Staatsbürgerschaft als Abschluss des gelungenen Integrationsprozesses
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Regierungsprogramm 2017
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Maßnahmen
Strategie, Transparenz und Kontrolle
Integrationspolitik als Querschnittsmaterie braucht eine klare gesamtstaatliche Förderstrategie,
eine starke Koordination aller Maßnahmen der verschiedenen Akteure sowie eine vollständige
Erfassung der Erfüllung von individuellen Integrationspflichten. Für eine erfolgreiche Integrations
-
strategie bedarf es wissenschaftlicher Grundlagen und wissenschaftlicher Begleitung.
Erstellung einer gesamthaften bundesweiten Förderstrategie für alle beteiligten Akteure mit
klaren Wirkungszielen und Kriterien, die speziell auf die Verhinderung der Entstehung von
Parallelgesellschaften abzielen
Konsequente Evaluierung und Kontrolle der Förderkriterien durch die Politik einschließlich
klarer Sanktionen (Rückforderung) für geförderte Einrichtungen bei Nicht-Einhaltung der
Förderkriterien
Sämtliche Integrationssubventionen von Bund, Ländern und Gemeinden an institutionelle
Einrichtungen (z.B. Vereine, NGOs) sind in der Transparenzdatenbank festzuhalten
Veröffentlichung aller aus öffentlichen Mitteln finanzierten wissenschaftlichen Studien zum
Thema Integration sowie des finanziellen Aufwands dafür
Gesetzliche Grundlagen für die Vernetzung aller wesentlichen Akteure im Bereich der
Integration (z.B. Schulen, Polizei, Aufenthaltsbehörde) bis hin zur lokalen Ebene
Weiterentwicklung des Österreichischen Integrationsfonds zur zentralen Drehscheibe für
Integrationsförderungen unter Einbeziehung aller wesentlichen Akteure und für die Erhebung
der Daten zur Überprüfung der Erfüllung der Förderbedingungen; Evaluierung dieser
Aufgabenstellung in zwei Jahren
Neuausrichtung des Kultusamts und Entwicklung zur zentralen Verwaltungsbehörde in Fragen
der Religionsgesellschaften mit stärkeren Kontrollbefugnissen
Schaffung einer einheitlichen, institutionenübergreifenden bundesweiten Datenbank über Zu
-
wanderer und Flüchtlinge, um einen gesamthaften Überblick über sämtliche relevante Daten
zu Aufenthaltsstatus, Sozialleistungen, Integrationsfortschritten, Erfüllung der individuellen Integ
-
rationspflichten etc. zu erlangen; Gestaltung notwendiger rechtlicher Rahmenbedingungen für
den effizienten Datenaustausch zwischen den Behörden im Fremden- und Sozialwesen
Jährliche Erstellung eines wissenschaftlichen Berichts zum Thema der Entstehung von Parallel
-
gesellschaften in Österreich (segregierte problematische Milieus) unter Berücksichtigung des
Schutzes der Frauen, kulturell bedingter Gewalt, Kinder-, Mehrfach- und Zwangsehen sowie
der Praktizierung der Scharia
Integration durch Leistung und gesellschaftliche Teilhabe
Rasche Selbsterhaltungsfähigkeit, die Teilnahme am Arbeitsmarkt sowie die erfolgreiche Teilnahme
am Bildungssystem sind das Ziel gelungener Integration. Jeder muss hierfür seinen Beitrag leisten.
Der Erwerb der Landessprache ist dabei die Grundlage für das Fortkommen in allen Lebens
-
bereichen und somit der Schlüssel zu einem erfolgreichen Integrationsprozess. Ein Viertel
aller Schülerinnen und Schüler im österreichischen Schulsystem spricht heutzutage nicht mehr
Deutsch als Umgangssprache. Die frühzeitige Vermittlung der deutschen Sprache für Kinder ist
daher in Hinblick auf deren gesellschaftliche Chancen besonders bedeutend.
Eltern müssen aktiv den Bildungserfolg ihrer Kinder unterstützen. Die Partizipation von Frauen auf
allen gesellschaftlichen Ebenen ist essentiell für die Integrationsarbeit, ebenso für die Bildung
und die Erziehung der Kinder. Die Aktivierung von Frauen und ihr Einsatz für die Gesellschaft
sind enorm wichtig. Die Stärkung der Teilhabe von Frauen mit Migrationshintergrund am gesell
-
schaftlichen Leben und gleichzeitig der Schutz vor kulturell bedingten Formen der Gewalt sind
Aufgaben der Integrationsarbeit. Patriarchalen Strukturen und der Unterdrückung von Mädchen
und jungen Frauen wird auch durch Maßnahmen im Bildungsbereich begegnet.
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Kinderbetreuungseinrichtungen und Elementarpädagogik müssen verstärkt als Einrichtungen der
Vermittlung unserer verfassungsmäßigen Grundwerte wahrgenommen werden. Segregation und
die Bildung von Parallelgesellschaften im Bildungssystem müssen mittels klarer Qualitätskriterien,
einem intensiven Kontrollsystem und einem zielgerichteten Förderwesen verhindert werden.
Aktive Einbindung der Eltern im Bildungsbereich: Verpflichtende Integrationsmaßnahmen für
Eltern mit Migrationshintergrund (z.B. verpflichtende Besuche von Elternsprechtagen) werden
eingeführt
Stärkung der Partizipation von Müttern/Frauen (mit Migrationshintergrund) an der Gesellschaft
sowie am Arbeitsmarkt
Der gesamte Förderbereich der Elementarpädagogik wird neu strukturiert. Die frühkindliche
Sprachförderung im Kindergarten wird zum Wohl aller Kinder weiter gestärkt und fortgeführt
Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik am Leitsatz „Integration durch Leistung" orientieren
Verstärkte Kontrollen in islamischen Kinderbetreuungs- und Bildungseinrichtungen unter dem
Aspekt des besonderen Schutzes von Frauen und Mädchen
Aktive Einbindung der Eltern, insbesondere um deren eigene Sprachkompetenz zu verbessern
und ihr Bewusstsein für die Bedeutung der Integration ihrer Kinder zu stärken
Ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr für Kinder mit keinen oder mangelnden Deutsch
-
kenntnissen wird eingeführt (nach Sprachstandsfeststellung)
Deutsch vor Regelunterricht flächendeckend für ganz Österreich: Kinder, die keine ausrei
-
chenden Deutschkenntnisse aufweisen, sollen in separaten Klassen unterrichtet werden, bis
ein ausreichendes Sprachniveau erreicht wird, um dem Regelunterricht zu folgen. Dazu wird
das „ausreichende Beherrschen der deutschen Sprache" als Schulreifekriterium festgelegt
Bildungseinrichtungen werden verstärkt als Orte der Wertevermittlung wahrgenommen.
Über einen Ethikunterricht werden verfassungsmäßig verankerte Werte unterrichtet. Der
konfessionelle Religionsunterricht bleibt bestehen
Kampf gegen den politischen Islam
Österreich gewährleistet die Glaubens- und Religionsfreiheit, aber bekämpft den politischen
Islam. Unter politischem Islam versteht man Gruppierungen und Organisationen, deren ideologi
-
sches Fundament der Islam ist und die eine Veränderung der politischen und gesellschaftlichen
Grundordnung bis hin zur Ablehnung unseres Rechtsstaates im Sinne einer Islamisierung der
Gesellschaft anstreben. Der politische Islam, der zu Radikalisierung, Antisemitismus, Gewalt und
Terrorismus führen kann, hat keinen Platz in unserer Gesellschaft.
Dabei wird klar unterschieden zwischen dem politischen Islam mit dem Ziel, unsere Gesellschaft
zu unterwandern, und der Religion des Islam. Jener überwiegende Teil der Muslime, der friedlich
und im Einklang mit unseren Werten in Österreich lebt, ist vor den Einflüssen des politischen Islam
zu schützen.
Weltanschaulich oder religiös motivierter Extremismus hat sich zu einer konstanten Bedrohung
für demokratische Gesellschaften entwickelt und ist eine große globale Herausforderung.
In Österreich wurde in den letzten Jahren eine Vielzahl an Präventionsmaßnahmen getroffen,
um dieser Entwicklung entgegenzutreten. Darüber hinaus wird dem Entstehen von Parallel-
gesellschaften weiter entgegengewirkt, da gerade diese Abschottung oft einen Nährboden
für Radikalisierung darstellt. Jeglicher Form von politischer oder religiöser Einflussnahme aus
dem Ausland wird konsequent entgegengetreten.
Sicherstellung einer umfassenden Kontrolle der Darstellung der Lehre, einschließlich eines
Textes der wesentlichen Glaubensquelle (Koran), gemäß § 6 Islamgesetz
Konsequente Kontrolle des Verbots der Auslandsfinanzierung von Religionsgesellschaften
und Überprüfung des Vereinswesens. Das Kultusamt hat einen lückenlosen Vollzug des
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Islamgesetzes sicherzustellen. Zur verstärkten Verhinderung der Einflussnahme aus dem Aus
-
land werden das Vereinsgesetz novelliert und Umgehungskonstruktionen ausgeschlossen
Verhinderung des ausländischen Einflusses insbesondere im Bildungsbereich
Stärkere Kontrolle und in letzter Konsequenz Schließung von islamischen Kindergärten und
islamischen Privatschulen bei Nichterfüllung der gesetzlichen Voraussetzungen
Sicherheitspolizeiliche Befugnis zur unverzüglichen Schließung von Kultusstätten wegen
Terrorismuspropaganda sowie wegen Verkündung allgemein formulierter Konzepte und
Theorien, die auf Unterstützung von Terrorismus abzielen
Gesamtstaatliche interdisziplinäre Präventions- und Deradikalisierungsmaßnahmen werden
ausgebaut
Der Vermittlung unserer verfassungsmäßig verankerten Werte vom ersten Tag an kommt auch
bei der Prävention von Radikalisierung Bedeutung zu. Verpflichtende staatliche Werte- und
Orientierungskurse für Asylberechtigte und subsidiär Schutzberechtigte werden insbesondere
mit Schwerpunkt auf Jugendliche ausgebaut. In der Vermittlung wird verstärkt auf öster-
reichische Werte, Traditionen und Kultur geachtet. Bei Nichterfüllung erfolgt eine Kürzung
der Mindestsicherung
Staatsbürgerschaft als Abschluss des gelungenen Integrationsprozesses
Der Erwerb der Staatsbürgerschaft bildet den Abschluss eines gelungenen Integrations-
prozesses. Die österreichische Staatsbürgerschaft ist ein hohes Gut. Sie muss auch die Grund
-
voraussetzung dafür bleiben, um im österreichischen demokratischen System mitbestimmen
zu können.
Verpflichtender Kurs für Staatsbürgerschaftsprüfung (Deutsch-, Kultur- und Wertevermittlung)
bundesweit
Neugestaltung des feierlichen Rahmens für die Verleihung der Staatsbürgerschaft,
durchgeführt durch den Österreichischen Integrationsfonds
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Regierungsprogramm 2017
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Justiz
Die funktionierende und unabhängige Justiz ist Garant für die Wahrung von Rechtsfrieden
und Rechtssicherheit und sichert durch ihre Leistungen den Rechts- und Wirtschaftsstandort
Österreich. Das hohe Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die effiziente, gut funktionierende
und moderne Gerichtsbarkeit Österreichs ist gleichzeitig auch ein Auftrag für die Zukunft.
Der Rechtsbestand ist fortgesetzt zu reformieren und den gesellschaftlichen Entwicklungen
anzupassen. Die Sicherstellung des Zuganges zu Leistungen der Gerichtsbarkeit ist durch die
Optimierung von Abläufen weiter zu verbessern und zu gewährleisten. Es gilt sicherzustellen,
dass alle Rechtssuchenden einen leistbaren Zugang zum Justizsystem haben.
Die objektive, faire, unabhängige und zügige Verfahrensführung durch Gerichte und Staats-
anwaltschaften hat höchste Priorität. Rasche gerichtliche Entscheidungen sichern das Vertrauen
in die Justiz und stärken den Wirtschaftsstandort.
Darüber hinaus ist der gesellschaftliche Auftrag an die Justiz, durch den Straf- und Maßnahmen
-
vollzug die Sicherheit der Bevölkerung im höchstmöglichen Maße zu gewährleisten. Hierzu sind
auch gezielte Maßnahmen zur Reintegration und Rückfallsprävention von straffällig gewordenen
Menschen zu setzen.
Das dadurch geschaffene Vertrauen in eine funktionierende Justiz führt zu Rechtssicherheit,
Rechtsfrieden und Stabilität in unserer Gesellschaft.
Zieldefinition
1.
Reformen im Gesellschafts- und Unternehmensrecht – Stärkung des Wirtschaftsstandortes
2.
Reformen im Zivil- und Familienrecht
3.
Reformen im Strafrecht
4.
Reformen im Straf- und Maßnahmenvollzug
5.
Maßnahmen zur Verfahrensoptimierung und -beschleunigung sowie zur Steigerung des
Rechtsschutzes
6.
Modernisierung des Wohnrechts
7.
Transparenz und Objektivierung des Auswahlverfahrens sowie Attraktivierung der
Berufsstände Richter und Staatsanwalt – Standesrecht der Rechtsanwälte und Notare
Maßnahmen
Reformen im Gesellschafts- und Unternehmensrecht – Stärkung des Wirtschaftsstandortes
Ein modernes, den nationalen wie internationalen Erfordernissen angepasstes Unternehmens-
und Wirtschaftsrecht ist Voraussetzung für die Sicherung des Wirtschaftsstandorts Österreich.
Die gesetzlichen Bestimmungen sind daher laufend auf ihre Effizienz und Praktikabilität
unter Berücksichtigung von Gläubigerinteressen zu evaluieren, um Unternehmen nach ihrer je-
weiligen Eigentümerstruktur möglichst passende gesellschaftsrechtliche Strukturen zur Verfügung
stellen zu können.
Die österreichischen Unternehmen und ihre Mitarbeiter sichern Arbeit und Wohlstand. Die
unternehmerische Freiheit muss gestärkt, gleichzeitig aber auch die unternehmerische
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Verantwortung eingefordert werden. Nicht erst das Strafrecht, sondern bereits das
Unternehmens-, Gesellschafts- und Wirtschaftsrecht müssen saubere, nachhaltige und
verantwortungsvolle Geschäftstätigkeit fördern.
Weiterer Ausbau der Online-Unternehmensgründung
Digitalgründung von GmbH mit dem Notar
Evaluierung der Möglichkeit der Direkteintragung im Firmenbuch durch Notare
Prüfung von Modernisierungs- und Flexibilisierungsnotwendigkeiten im Aktienrecht,
insbesondere im Hinblick auf nicht-börsennotierte Aktiengesellschaften
Umsetzung der Aktionärsrechte-Richtlinie unter besonderer Berücksichtigung des
dualistischen Systems in Österreich (Erhalt der starken Stellung des Aufsichtsrates zur
Beibehaltung des dualen Systems)
Modernisierung des Genossenschaftsrechts: Die im Bereich der Kapitalgesellschaften
bestehenden Möglichkeiten zur Umgründung per Spaltung sollen auch Genossenschaften
eröffnet werden
Novellierung Kartellgesetz
Besetzung der Senate des Kartell- und Kartellobergerichts ausschließlich mit Berufsrichtern
Evaluierung der Möglichkeit einer Zusammenführung des Kartellgesetzes, des Wett-
bewerbsgesetzes sowie des Nahversorgungsgesetzes
Evaluierung und gegebenenfalls Änderung des gesetzlichen Zinssatzes im § 456 UGB
Entfall der Veröffentlichungspflicht von Eintragungen im Firmenbuch und sonstigen vom
Firmenbuchgericht vorzunehmenden Veröffentlichungen im „Amtsblatt der Wiener
Zeitung" (vgl. §§ 10, 277 ABs. 2 UGB) und Erweiterung der Möglichkeit der Kundmachung in
der Ediktsdatei
Evaluierung des Unternehmensreorganisationsgesetzes
Reformen im Zivil- und Familienrecht
Der leistbare Zugang der Bevölkerung zum Recht und eine rasche gerichtliche Klärung von
zivilrechtlichen Streitigkeiten sind nicht nur Voraussetzung für das Vertrauen der Bevölkerung in
die Rechtsprechung, sondern auch wesentlich für einen funktionierenden Wirtschaftsstandort.
Die Regierungsparteien bekennen sich zu verfahrensbeschleunigenden und effizienzsteigernden
Maßnahmen in allen Verfahrensarten.
Das Zivilrecht, das die privaten Lebensverhältnisse der Bürgerinnen und Bürger regelt, muss den
modernen Erfordernissen der Menschen entsprechen. Das Allgemeine Bürgerliche Gesetzbuch
hat sich als taugliche Grundlage der Regelung dieser Rechtsverhältnisse erwiesen. Dennoch gilt
es, maßvolle Adaptierungen anzudenken und notwendige Reformen umzusetzen.
Das Familienrecht regelt das Fundament unserer Gesellschaft und hat somit eine besondere
Bedeutung.
Modernisierung und Vereinfachung des Kindesunterhaltsrechts
Optimierung der Gerichts- und Verwaltungsprozesse insbesondere zur Hebung von
Synergieeffekten
Verbesserung des Rückersatzes der Unterhaltsvorschüsse von Unterhaltspflichtigen
Berücksichtigung von Doppelresidenz und doppelter Haushaltsführung
Modifikation der Phase der vorläufigen elterlichen Verantwortung mit dem Ziel der
gemeinsamen Obsorge
Einführung eines Doppelresidenzmodells
Evaluierung der Familiengerichtshilfe

Evaluierung, Weiterentwicklung und Neugestaltung des Mediationsrechts
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Allgemeines Bürgerliches Gesetzbuch (ABGB):
Schaffung eines zeitgemäßen Superädifikatsrechts
Überarbeitung von Verjährung, Ersitzung und Teilen des Sachenrechts
Prüfung und gegebenenfalls Umsetzung der Empfehlungen des Endberichts „Evaluierung
des KindNamRÄG 2013"
Ausbau des Kinderschutzes: Straffung der Kompetenzen und Zuständigkeiten, Förderung
des Kindeswohls
Berücksichtigung reiner Forstbetriebe im Anerbengesetz
Schaffung von Rahmenbedingungen für verbesserte finanzielle Schadensgutmachung
bei Naturkatastrophen, Ermöglichung von Rückversicherungen
Evaluierung der bestehenden Regelungen von Unterhaltsvorschuss bzw. Unterhaltsexekutionen
unter das Existenzminimum
Reformen im Strafrecht
Die Relation der Strafdrohungen für Vermögensdelikte einerseits und für Delikte gegen die
körperliche Unversehrtheit sowie Sexualdelikte andererseits wird in unserer Gesellschaft als
nicht mehr zeitgemäß empfunden und kritisiert. Bisherige Anstrengungen, eine Ausgewogenheit
herzustellen, waren nicht ausreichend, sodass weitere Maßnahmen zu setzen sind. Straftat-
bestände und Strafdrohungen müssen dem gesellschaftlichen Wandel Rechnung tragen. Dazu
muss im Strafrecht den negativen Auswirkungen von Straftaten auf das Leben und die körper
-
liche und geistige Unversehrtheit von Opfern mehr Gewicht eingeräumt werden. Opfer von
Gewalt- und Sexualdelikten sind schwerer Traumatisierung ausgesetzt, die in den gesetzlichen
Strafdrohungen zu wenig berücksichtigt wird.
Es sind in diesem Bereich die Möglichkeiten der Strafzumessung und der Deliktskatalog zu
erweitern. Der Frage, welche Strafe im Einzelfall die Schwere der Tat und das Gewicht der
verletzten Opferinteressen erfordert, ist ein eigener, transparenter Verfahrensabschnitt zu widmen.
Gleichzeitig sind die in der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten
fußenden Verfahrensgarantien für ein faires Verfahren auszubauen und der Grundrechtsschutz
zu stärken.
Weitere Strafverschärfung bei Gewalt- und Sexualdelikten
Nachschärfung der Strafzumessungsgründe (z.B. außerordentliche Strafverschärfung bei
besonders verwerflichen Beweggründen oder besonders brutaler Tatbegehung oder
nachhaltigen psychischen Folgen für das Opfer)
Erweiterung des Straftatbestandes der Unterlassung der Hilfeleistung um den Tatbestand der
Behinderung der Hilfeleistung
Erhebung einer Statistik der Verfahrenspraxis und Rechtsprechung in Bezug auf die Straftat-
bestände „Herabwürdigung religiöser Lehren" bzw. „Verhetzung"
Lebenslanges Tätigkeitsverbot für einschlägige Gewalt- und Sexualstraftäter hinsichtlich
Tätigkeiten mit Kindern oder wehrlosen Personen
Evaluierung aller Straftatbestände unter besonderer Berücksichtigung der Ergebnisse
der Strafrechtsreform 2016, insbesondere im Hinblick auf Strafober- und -untergrenzen,
Berücksichtigung von gesellschaftlich besonders verpönten Tatbegehungsweisen und
Prüfung des Erfordernisses allfälliger neuer Straftatbestände (z.B. Behördentäuschung durch
Alterslüge, gegen Asylbetrug, Schlepperei sowie illegale Einreise und Aufenthalt, Erschleichung
von internationalem Schutz etc.) sowie Prüfung der Bereinigung von Straftatbeständen
Prüfung von strafrechtlichen Bestimmungen, die Einfluss auf den Wirtschaftsstandort haben
(u.a. verstärkter Schutz von Geschäftslokalen, Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen, Untreue,
Anpassung der Bestimmungen der GewO über den Ausschluss von der Ausübung eines

»
Regierungsprogramm 2017
2022
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Reformen im Straf- und Maßnahmenvollzug
Die Strafvollzugszwecke sind klar zu definieren und dem aktuellen Bedarf anzupassen. Strafvollzug
ist zentraler Bestandteil der Sicherheitspolitik und den Zielen der Resozialisierung verpflichtet.
In diesem Zusammenhang kommt den Beamten der Justizwache eine verantwortungsvolle
Rolle zu.
Steigende Unterbringungszahlen und unzureichende Regelung des Vollzugs erfordern
Reformen, um die Sicherheit in Österreichs Justizanstalten weiterhin gewährleisten zu können.
Im Rahmen rechtlicher, politischer und diplomatischer Bemühungen ist das Konzept „Haft in der
Heimat“ mit Nachdruck weiterzuverfolgen, da dies einerseits den Strafvollzug entlastet, anderer
-
seits aber auch die Erfolgschancen einer Resozialisierung von Straftätern erhöht.
Modernisierung des Strafvollzugsrechtes: Erhöhung der (Rechts-)Sicherheit durch klarere
Handlungsanleitungen
Überprüfung der Aufteilung von exekutivdienstlichen und betreuenden Aufgaben im
Sinne des § 20 StVG in Hinblick auf die Verwirklichung der Vollzugszwecke
Identifikation und Dämpfung von Kostentreibern im Strafvollzug
Einbeziehung der Insassen in die gesetzliche Krankenversicherung ohne Einbeziehung der
Angehörigen (Standardleistungen)
Nutzung von Synergien durch Versorgung von Häftlingen in Heeresspitälern
Auch während medizinischer Behandlungen ist die exekutivdienstliche Aufrechterhaltung
von Bewachung und Sicherheit im erforderlichen Ausmaß zu gewährleisten.
Erweiterung des Anwendungsbereichs des elektronisch überwachten Hausarrests (z.B. bis
24 Monate Strafarrest), außer bei schweren Gewalt- oder Sexualdelikten
Anpassung des Katalogs der Dienstwaffen im StVG nach dem Vorbild des SPG sowie
Modernisierung des Waffengebrauchsrechts der Justizwache
Unterbringung von islamistischen/dschihadistischen Gefährdern in eigenen Sicherheits-
abteilungen
Wirksame Maßnahmen zur Verhinderung der missbräuchlichen Nutzung von Informations-
und Kommunikationstechnik durch Insassen
Forcierung des Konzepts „Haft in der Heimat“ durch verstärkte bilaterale Übereinkommen
und konsequente Anwendung der bestehenden multilateralen Übereinkommen und
Rechtsgrundlagen in der EU und in Drittstaaten; Initiative auf EU-Ebene mit dem Ziel
des Strafvollzugs im Heimatland bei EU-Bürgern und durch Einsatz finanzieller Mittel für
Drittstaaten außerhalb der EU
Forcierung diplomatischer, rechtlicher und politischer Mittel zum Abschluss von
Überstellungsverträgen
Verpflichtende Sicherheitsüberprüfung gem. § 55 SPG für alle im Strafvollzug dauerhaft
tätigen Externen (islamische Seelsorger, Psychotherapeuten etc.)
Neue Formen des Strafvollzugs zur Förderung der Wiedergutmachung und der Resoziali-
sierung insbesondere von Jugendlichen und bei reinen Vermögensdelikten
Verbesserte Zusammenarbeit aller mit psychisch Kranken befassten Institutionen (Erkenntnis
aus dem Fall „Brunnenmarkt“)
Evaluierung des Bedarfs an Planstellen im Strafvollzug unter Einbeziehung der Justiz-
betreuungsagentur
Evaluierung des Investitionsbedarfs für Sicherheitsausrüstung
Prüfung der Anhebung der derzeit finanziell unbefriedigenden Haftentschädigung
Erleichterung des Ressortwechsels von Exekutivbeamten
Reform des Maßnahmenvollzugs – Sicherheit der Allgemeinheit erhöhen
Vorrangige Zwecke der Unterbringung sind die Gewährleistung der öffentlichen
Sicherheit und die erforderliche medizinische Behandlung
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Regierungsprogramm 2017
2022
Unterbrechung des Maßnahmenvollzugs ausschließlich mit elektronischer Überwachung
(„Fußfessel“)
Enthaftung von untergebrachten Rechtsbrechern ausschließlich bei Wegfall der
Gefährlichkeit (unabhängig von der Dauer der Unterbringung)
Maßnahmen zur Verfahrensoptimierung und -beschleunigung sowie
zur Steigerung des Rechtsschutzes
Zügige und effiziente Verfahren der Gerichte sind Ziel jedes Rechtsstaates. Trotz guter Ausgangs
-
lage ist es unabdingbar, weitere Optimierungen vorzunehmen und vor allem in Großverfahren
kürzere Verfahrensdauern zu erzielen. Eine Beschleunigung von Verfahren kann vor allem auch
durch Fortschritte bei der elektronischen Aktenführung erreicht werden, muss aber auch durch
geeignete verfahrensrechtliche Maßnahmen unterstützt werden.
In Strafverfahren sind insbesondere die Staatsanwaltschaften in einigen besonders aufwendigen
Verfahren mit sehr großen Datenmengen konfrontiert. Durch eine IT-unterstützte Aufbereitung
und Analyse solcher großen Datenmengen können insbesondere Ermittlungsverfahren erheblich
beschleunigt werden. Neben Maßnahmen zur weiteren Beschleunigung von Ermittlungsverfahren
werden auch Haupt- und Rechtsmittelverfahren Änderungen zu erfahren haben und es wird
auch insbesondere struktureller Maßnahmen bedürfen, um eine zügige und effiziente, aber weiter
den hohen Qualitätsansprüchen gerecht werdende Strafverfolgung sicherzustellen.
Einen sehr wichtigen Teil bei Verfahren nehmen auch Sachverständige und Dolmetscher ein,
daher ist es unabdingbar, auch das Sachverständigen- und Dolmetscherwesen zu optimieren,
um für alle Beteiligten Qualität, Fairness und Schnelligkeit sicherzustellen.
Ausweitung des Einsatzes des elektronischen Rechtsverkehrs, insbesondere durch Ausweitung
der Verpflichtung zur Nutzung auf weitere Berufsgruppen und Institutionen, die regelmäßig
an Gerichtsverfahren beteiligt sind; Einführung der elektronischen Akteneinsicht im Strafver
-
fahren analog zum Zivilverfahren (webERV)
Einführung von Fristen im Obsorgeverfahren
Eine erste mündliche Tagsatzung ist durch das Gericht binnen 14 Tagen anzuberaumen
Frist für die Stellungnahme des Jugendwohlfahrtsträgers bzw. der Familiengerichtshilfe
(maximal 8 Wochen)
Einführung einer neuen Wirtschaftsgerichtsbarkeit unter dem Primat der Verfahrensbe-
schleunigung und Verfahrensökonomie zur Stärkung des Wirtschaftsstandortes in Anlehnung
an das Konzept der Kartellgerichtsbarkeit und Setzung von Entscheidungsfristen
Verpflichtende Berücksichtigung von Privatgutachten als Beweismittel in allen Verfahrensarten
Evaluierung der Effizienz von Fördermaßnahmen
Evaluierung des Sachverständigenwesens unter dem Aspekt der Verfahrensökonomie und
der Unabhängigkeit
Zivilgerichtliches Verfahren
Ausweitung des Berufungsgrundes der unrichtigen Beweiswürdigung bei Forcierung der
Beweiswiederholung durch die zweite Instanz
Rechtsmittelmöglichkeit gegen richterliche Streitwertfestsetzung
Reduzierung der Pauschalgebühr bei gerichtlichem Vergleich und Klagsrückziehung
Setzung einer Maximalfrist zwischen den mündlichen Streitverhandlungen
Evaluierung des § 91 GOG mit dem Ziel der Steigerung der Verfahrenseffizienz
Ausbau und verstärkte Berücksichtigung von Managementfähigkeiten der Justiz-
verwaltungsorgane
Möglichkeit der Erstreckung von (Rechtsmittel-)Fristen im Sinne der Europäischen
Menschenrechtskonvention (EMRK)
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Regierungsprogramm 2017
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Beschränkung der Aufträge an ein und denselben Sachverständigen (z.B. Umsatzbegrenzung,
„Abkühlphase“)
Verfahrensrechtliche Änderungen zur Beschleunigung der Verfahren in Familienrechts-
angelegenheiten (Obsorge, Kontaktrechtsverfahren)
Evaluierung der Justizbetreuungsagentur
Evaluierung der Familiengerichtshilfe
Forcierung des IT-Einsatzes zur Aufrechterhaltung der Spitzenstellung der österreichischen Justiz
Forcierung behördeneigener Sachverständiger (WKStA-Modell)
Senkung und Deckelung der Gerichtsgebühren (inkl. Streitgenossenzuschlägen)
Anhebung des Beitrags des Bundes zu den Kosten der Verteidigung (§ 393a StPO)
Evaluierung der Rechtsgeschäftsgebühren zur Stärkung der Rechtssicherheit und
Vermeidung von Umgehungskonstruktionen mit dem Ziel der Abschaffung
Modernisierung des Wohnrechts
Wohnen ist ein Grundbedürfnis und bedarf daher ausgewogener Regelungen. Langfristig ist
Eigentum die angestrebte und günstigste Form des Wohnens. Wir müssen alles unternehmen,
dass wieder vermehrt Wohnraum im Eigentum erworben werden kann, denn Eigentum
ermöglicht ein selbstbestimmtes, abgesichertes Leben. Bei steigender Nachfrage an Wohn
-
raum können wir die Gesamtsituation nur verbessern, wenn wir das Angebot insgesamt erhö
-
hen. Investitionen in den Wohnbau und das Wohnumfeld sowie durchgreifende Sanierungen
sind daher attraktiv zu machen, um den Bedarf an Wohnraum mittel- und langfristig zu
decken. Im Sinne der Nachhaltigkeit sollen Sanierungen und der Erhaltung von bestehenden
Gebäuden der Vorrang gegeben werden und bei Neubauten flächenoptimierte Bauweisen
bevorzugt werden.
Die Anforderungen in den Bauordnungen an den sozialen und geförderten Wohnbau sollen mit
dem Ziel überarbeitet werden, dass Wohnraum besser leistbar wird. Eine Vereinheitlichung aller
bautechnischen Standards ist anzustreben.
Vorrangig soll sozialer Wohnbau denjenigen zur Verfügung gestellt werden, die ihn wirklich
brauchen. Wir bekennen uns klar zum Prinzip der Wohnungsgemeinnützigkeit und sprechen uns
gegen Spekulation mit dem Vermögen gemeinnütziger Bauvereinigungen aus.
Es besteht die Notwendigkeit, den Mietensektor entsprechend zu berücksichtigen und zu
fördern. Einfache und nachvollziehbare Regeln sollen dies unterstützen. Die intendierten
Schutzwirkungen des Mietrechtsgesetzes (MRG) sollen erhalten bleiben, allerdings den zeitge
-
mäßen Gegebenheiten angepasst werden. Wir setzen uns für einen fairen Interessenausgleich
zwischen Mietern und Vermietern ein.
Eigentumsbildung erleichtern, Wohnungseigentumsrecht vereinfachen, Eigentum erhalten
Flexibilisierung der Willensbildung im Wohnungseigentumsbereich durch Erleichterungen
bei der Beschlussfassung unter Wahrung berechtigter Minderheitsrechte
Harmonisierung der baurechtlichen Normen
Mietkauf als sozial orientierter Start ins Eigentum: Mietkauf ist ein wesentlicher Bestandteil
der Wohnraumversorgung. Die Transparenz gegenüber dem Wohnungsnutzer soll erhöht
und die Rahmenbedingungen für die Begründung des Anspruchs auf Eigentumsoption
dem aktuellen Marktumfeld angepasst werden
Investitionsanreize für Neubau und Sanierung setzen
Nachverdichtung und Überbauung haben Vorrang vor Versiegelung grüner Wiesen
Rechtliche Rahmenbedingungen für die Nutzung innovativer Energiekonzepte zur Senkung
der Betriebskosten
Förderung von Mobilitätskonzepten im großvolumigen Wohnbau
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Regierungsprogramm 2017
2022
Anpassung wohnzivilrechtlicher Rahmenbedingungen für die Nutzung von Photovoltaik-
Gemeinschaftsanlagen und für die Nutzung von E-Mobilität
Wohnbaukosten senken
Baukosten senken: Schaffung bundesweit einheitlicher Regelungen zu technischen
Vorschriften sowie generelle Rücknahme von ineffizienten Standards und Normen in
Zusammenarbeit mit den Ländern
Baukostensenkung durch Beschleunigung der Bauverfahren im Zusammenwirken mit den
Ländern
Bauland mobilisieren: Schaffung von Vorbehaltsflächen für den förderbaren Wohnbau bei
Umwidmungen von Grundstücken der öffentlichen Hand in Bauland
Bauen auf fremdem Grund erleichtern: Verbesserung der steuer- bzw. gebührenrechtlichen
Rahmenbedingungen
Schaffung eines neuen Mietrechts: Im Rahmen eines „Mietrechts-Konvents“ sollen Wohn
-
rechtsexperten Vorschläge zu einer grundlegenden Reform des Mietrechts erarbeiten. Auftakt
dazu bildet eine parlamentarische Enquete. Ziel ist ein verständliches, anwenderfreundliches,
gerechtes und transparentes Mietrecht, das ausgewogen die berechtigten Interessen von
Mietern und Vermietern als mündige Vertragspartner widerspiegelt. Anreize für Neubau,
Sanierungsmaßnahmen, Investitionen in die Ausstattungsqualität von Wohnraum sowie die
Wiedervermietung leerstehender Wohnungen werden mit dazu beitragen, das Angebot an
Wohnraum zu erhöhen, womit Wohnen langfristig leistbar bleibt. Dabei soll grundsätzlich
nicht in bestehende Verträge eingegriffen werden. Dieses Mietrecht soll auf den nachfolgen
-
den Säulen aufgebaut werden:
Schaffung eines modernen und zeitgemäßen Mietrechts mit einem fairen Interessen-
ausgleich zwischen Mietern und Vermietern
Mietzinsbildung: Marktkonforme Miete bei Neubauten und Gesamtsanierungen des
Gebäudes auf zeitgemäßen Standard
Schutzwirkung des Mietrechts zum fairen Interessenausgleich zwischen Mieter und Vermieter
Schaffung von Freiräumen für Mieter und Vermieter, wo Regelungen nicht erforderlich
erscheinen
Folgende Maßnahmen sollen bis zur Schaffung eines neuen Mietrechts noch im geltenden MRG
novelliert werden. Auch hier gilt der Grundsatz, nicht in bestehende Mietverträge einzugreifen:
Längerfristige Mietverhältnisse fördern, kurzfristige Mieten erlauben: Schaffung eines
Anreizsystems zur Attraktivierung längerfristiger Mietverhältnisse, gleichzeitig Dispositions
-
freiheit in definierten Einzelfällen für kurzfristige Mietverhältnisse (z.B. Nutzbarmachung von
kurzfristigen Leerstehungen vor Sanierung, Ausbildungsmietverträge etc.)
Tageweise Wohnungsvermietung: Erfordernis einer einschlägigen Gewerbeberechtigung
für gewerbsmäßige tageweise Vermietung von Wohnungen
Mehr Transparenz und Planbarkeit für den Mieter: Verpflichtung des Vermieters zur
rechtzeitigen Information des Mieters vor Ablauf von befristeten Mietverhältnissen
Abschaffung des „Mietadels“ durch zeitgemäße Ausgestaltung der Eintrittsrechte (§§ 12 und 14
MRG): Ehegatten, eingetragene Partner sowie Kinder bis zum Erreichen des 25. Lebensjahres,
sofern sie im selben Haushalt gelebt haben und ein dringendes Wohnbedürfnis haben,
treten unverändert in den Mietvertrag ein; Rechtsmissbrauch im Zusammenhang mit
Eintrittsrechten soll nachhaltig verhindert werden
Förderung von kleinen Familienbetrieben: begünstigter Vertragseintritt („1/15-Anhebung“)
bei Betriebsübernahmen (§ 12a iVm § 46(2) MRG) auch für alle Arten von juristischen
Personen, an denen mehrheitlich Ehegatten, eingetragene Partner oder Kinder des
Verstorbenen beteiligt sind
Barrierefreies Wohnen unterstützen: Erleichterung der Durchführung von Maßnahmen zur
Barrierefreiheit ohne finanzielle Verpflichtungen des Bestandgebers
Aufhebung des Verbots des Lagezuschlages in Gründerzeitvierteln zur Herstellung fairer
Verhältnisse
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Regierungsprogramm 2017
2022
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Gebührenbremse bei Müll, Abwasser und Kanal im Sinne der Rechtsprechung des
Verfassungsgerichtshofs
Modernisierung der Wohnungsgemeinnützigkeit
Keine Ausweitung der Gewinnentnahmemöglichkeiten bei gemeinnützigen
Bauvereinigungen (gBV)
Explizite Aufnahme der mittelbaren Anteilsübertragung in den § 10a WGG unter Verweis
auf § 8 ABGB, um Umgehungsgeschäfte zu verhindern
Keine Änderung der Grundlagen der Unternehmensbewertung bei gBV
Stärkung der Sanktionsmöglichkeiten der Aufsichtsbehörden, indem diese die Möglichkeit
bekommen sollen, während eines laufenden Entziehungsverfahrens ein Veräußerungs-
verbot grundbücherlich einzutragen
Wirksame und klare Sanktionen bei Verstößen gegen § 10a WGG, um analoges Handeln
aller Aufsichtsbehörden durchzusetzen, sowie Erarbeitung eines einheitlichen Handlungs
-
rahmens bei der WGG-Durchführungsverordnung
Entfall der Zustimmungspflicht beim Verkauf von Einfamilienhäusern, Reihenhäusern sowie
Siedlungshäusern durch eine gBV an den bisherigen Selbstnutzer durch Klarstellung im
§ 10a WGG
Wiedereinführung der Bedarfsprüfung, um als gBV anerkannt zu werden; Zustimmung
zur Sitzverlegung
Klarstellung der Aufgaben von gBV im § 7 WGG und künftig explizite Beschränkung
des Geschäftskreises auf das Inland
Transparente Eigentümerstruktur – Einführung der Pflicht zur Offenlegung des wahren
Eigentümers im WGG
Prüfung der Möglichkeit der Mobilisierung zusätzlicher Finanzierungsmöglichkeiten
für den Wohnbau: Explizite Ergänzung des Pensionskassen- und des Mitarbeitervorsorge
-
gesetzes, damit diese Institutionen in den Wohnbau investieren können
Stärkung des gemeinnützigen Wohnbausektors, um in einem begrenzten Zeitraum
Fusionen von gBV zu erleichtern
Erhöhte Qualifikationserfordernisse an Immobilientreuhänder sowie gemeinnützige
Bauvereinigungen
Erhöhung der Qualifikationserfordernisse für die Ausübung der Gewerbe des Immobilien
-
treuhänders sowie für deren Angestellte, freie Mitarbeiter und sonstige Hilfskräfte
Schaffung von „Fit & Proper“- bzw. Compliance-Regeln für den gemeinnützigen
Immobilienbereich
Möglichkeit der digitalen Zustellung von Vorschreibungen und Abrechnungen
Soziale Treffsicherheit und fairen Interessenausgleich sicherstellen
Mehr Gerechtigkeit im sozialen Wohnbau sicherstellen: regelmäßige Mietzinsanpassungen
für Besserverdiener im kommunalen und gemeinnützigen Wohnbau
Mietkauf-Modelle forcieren: Verkürzung des Vorsteuerberichtigungszeitraums von 20 auf 10 Jahre
Prüfung der Möglichkeit der Setzung steuerlicher Anreize:
Weiterhin sofortige Absetzbarkeit von Instandhaltungsarbeiten ermöglichen
Einführung einer 1/10-Absetzung bei Instandsetzungsarbeiten sowie bei begünstigtem
Herstellungsaufwand
Die steuerlichen Abschreibungsdauern für nichtbegünstigte Herstellungsaufwendungen
sollen generell verkürzt werden. Hierbei soll zwischen Sanierungs- und Neubaumaßnahmen
unterschieden werden
Anpassung der Abschreibung (AfA) an die oben geforderten verkürzten Abschreibungszeiträume
Investitionsfreibetrag für Wohnbauerrichtungs- und Wohnraumsanierungskosten
Dem Umweltschutzgedanken Rechnung tragen
Verlängerung der Bundesförderung für thermische Sanierungen
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Regierungsprogramm 2017
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Transparenz und Objektivierung des Auswahlverfahrens sowie Attraktivierung
der Berufsstände Richter und Staatsanwalt – Standesrecht der Rechtsanwälte und Notare
Richter, Staatsanwälte, Rechtsanwälte und Notare sind gemeinsam wichtige Träger des Rechts
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staates. Moderne, aufeinander abgestimmte Berufsrechte sichern die Qualität der juristischen
Berufsausübung. Durch geeignete Maßnahmen sind Bestellungsvorgänge, Aus- und Fortbildung
sowie interdisziplinäre Durchlässigkeit unter den juristischen Berufen zu forcieren.
Weiterentwicklung des Auswahl- und Aufnahmeverfahrens für den richterlichen Vorbereitungs
-
dienst im Sinne eines modernen, transparenten und objektiven Prozesses anhand objektiver
Kriterien zur Berufsqualifikation
Erstattung von Besetzungsvorschlägen betreffend Richter und Staatsanwälte mit erhöhten
Begründungspflichten für alle Personalvorschläge und verpflichtende Hearings unter Einbindung
anderer verwandter Berufsgruppen
Beseitigung des Widerspruchs zwischen Verschwiegenheits- und Meldepflicht von Notaren
und Rechtsanwälten bei Geldwäsche
Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen zur Attraktivierung des Amtes der Familienrichter
Abbau sachlich nicht gerechtfertigter Hürden für einen Wechsel zwischen den Berufsgruppen der
Richter, Staatsanwälte und Rechtsanwälte sowie Forcierung gemeinsamer Ausbildungsmodule
Erhöhung der Effizienz durch Wiederherstellung des Systems der festen Geschäftsverteilung
Ausgleich in gerechtfertigten Sonderfällen durch Personalsenate (z.B. Sperre eines Richters für
Neuanfall)
Flexibilisierung des starren Gehaltsschemas von Richtern und Staatsanwälten
Erfahrene Richter und Staatsanwälte aus den Instanzen sollen künftig ihre erreichte
„Gehaltsposition“ in eine funktional niedriger entlohnte Position, insbesondere die des
Familienrichters, mitnehmen können
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Regierungsprogramm 2017
2022
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Landesverteidigung
Das neutrale Österreich bekennt sich zur militärischen Landesverteidigung durch das
Bundesheer, welches als Einsatzheer zu führen und nach den Grundsätzen eines Milizsystems
einzurichten ist, sowie zur allgemeinen Wehrpflicht.
Das EU-Mitgliedsland Österreich liegt Krisenregionen an den Rändern Europas geografisch näher
als andere EU-Mitgliedstaaten. Die Auswirkungen von Konflikten wurden nicht zuletzt durch
die Migrationskrise seit 2015 sichtbar. Das erfordert, das österreichische Staatsgebiet und seine
Bürgerinnen und Bürger zu schützen und zu verteidigen sowie gegen alle Formen der
Bedrohung zu rüsten. Darüber hinaus gewinnen nicht-konventionelle Formen organisierter
Gewaltanwendung durch staatliche und nicht-staatliche Akteure auch für Österreich an Bedeu
-
tung. Dieses Risikospektrum umfasst somit den Einsatz zerstörerisch-disruptiver Technologi
-
en wie Energie- und Biowaffen, Cyber-Angriffe sowie die Weitergabe von Technologien und
Gütern zur Herstellung von Massenvernichtungswaffen.
Auch transnationaler Terrorismus und Extremismus können zur Destabilisierung von Staaten
beitragen. Zum Beispiel haben Cyberangriffe das Potenzial, durch nachhaltige Beeinträchtigung
nationaler Infrastruktur Gesellschaften zu destabilisieren. Auch moderne militärische Strukturen
und Einsätze stützen sich, wie vitale staatliche Grundfunktionen, auf funktionierende IKT-
Infrastruktur und stellen somit lohnende Ziele für Angriffe dar. Naturkatastrophen sowie technische
oder ökologische Katastrophen sind im nationalen und globalen Kontext im Steigen begriffen.
Neben den unmittelbaren fatalen Auswirkungen auf die betroffenen Menschen können sie auch
negative Folgewirkungen für die Stabilität gesamter Regionen haben und Migrationsbewegungen
größeren Umfangs auslösen.
Für Österreich bedeutet das die Erhaltung und Stärkung der Fähigkeiten einer eigenständigen
militärischen Landesverteidigung gemäß Art 79 (1) B-VG, um die erforderlichen Potenziale auch
nach dem Territorialitätsprinzip aufrechtzuerhalten. Das österreichische Bundesheer (ÖBH) ist als
Einsatzheer in einer Gesamtstärke von zumindest 55.000 Soldaten zu führen. In diesem Zusammen-
hang ist das ÖBH konsequent auf die Abwehr konventioneller und nicht-konventioneller Angriffe
auszurichten. Dafür ist durch eine langfristig gesicherte und ausreichende budgetäre Bedeckung
der Investitionsrückstau der vergangenen Jahre ab 2018 aufzulösen und ein verfassungskon-
former Zustand des ÖBH, insbesondere der Miliz, herzustellen.
Das ÖBH muss weiterhin auch über den Bereich der militärischen Landesverteidigung hinaus
zur Bewältigung von Assistenz-Aufgaben, zum Schutz der verfassungsmäßigen Einrichtungen
und ihrer Handlungsfähigkeit sowie der demokratischen Freiheiten der Einwohner, zur Auf
-
rechterhaltung der Ordnung und Sicherheit im Inneren überhaupt sowie zur Hilfeleistung bei
Elementarereignissen und Unglücksfällen außergewöhnlichen Umfangs befähigt sein. Das kann
z.B. Beitragsleistungen zum Schutz kritischer Infrastrukturen, im Bereich Cyber-Abwehr oder für
mögliche Herausforderungen im Bereich Grenzüberwachung umfassen. Luftraumsouveränität
und Luftraumüberwachung müssen umfassend gewährleistet werden und sollen durch Effizienz
und Nachhaltigkeit internationalen Vergleichen standhalten können.
Der Cyber-Bereich ist auch in Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Partnern
weiterzuentwickeln.
Zusätzlich dazu werden die Fähigkeiten des ÖBH auch im Bedarfsfall innerhalb des EU-Gebietes
u.a. zum Schutz der EU-Außengrenzen (Solidarität, Beistand) gefragt sein. Der Erhalt und der
Aufbau der entsprechenden Fähigkeiten werden zu einem wesentlichen Beitrag im Rahmen
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Regierungsprogramm 2017
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der EU führen. Jeder Beurteilung eines Auslandseinsatzes des ÖBH sind die strategischen
Interessen der Republik zugrunde zu legen. Die hierfür notwendigen militärischen Fähigkeiten
sind vor allem auch im Rahmen des internationalen Krisenmanagements, dort wo Konflikte
Auswirkungen auf Österreich haben, vorzuhalten, um zu Stabilität, Krisenbewältigung und Frie
-
denserhaltung beizutragen. Diesbezüglich ist der Personal- und Budgetbedarf sicherzustellen.
Zieldefinition
1.
Langfristige Planbarkeit durch adäquate budgetäre und geeignete personelle Ausstattung
ermöglichen – Stärkung des Österreichischen Bundesheeres
2.
Eine qualitative Basisausbildung im Grundwehrdienst durch die Einführung einer
Rekrutenschule als Qualitätssicherung sicherstellen
3.
Miliz Neu: Die jederzeitige Einsetzbarkeit der Miliz ist sicherzustellen
4.
Eine anspruchsvolle Cyber-Abwehr im Rahmen einer gesamtstaatlichen Cyber-Strategie
der Bundesregierung aufbauen
5.
Aufstockung für Auslandseinsätze entsprechend den strategischen Interessen der Republik
Maßnahmen
Bekenntnis zu einem starken Österreichischen Bundesheer
Wir bekennen uns zur militärischen Landesverteidigung durch das Österreichische Bundesheer
auch als strategische Handlungsreserve unseres Landes. Es braucht eine klare Zielsetzung,
für welche Aufgaben und in welchem Ausmaß es national wie auch international unter Wahrung
der Neutralität zuständig sein soll und welche Schwerpunkte gesetzt werden. Dabei sind die
verfassungsrechtlichen Vorgaben und die klare Aufgabenverteilung zwischen Polizei und
Militär einzuhalten. Um die Aufgaben erfüllen zu können, ist das ÖBH entsprechend rechtlich und
organisatorisch auszustatten und die budgetäre Planbarkeit für die Zukunft zu verbessern.
Verwaltungsvereinfachung bei internen Abläufen im ÖBH und Kommandantenverant-
wortung stärken
Evaluierung des aktuellen nationalen Rechtsbestands sowie der militärstrategischen
Grundsatzpapiere
Eigenes Dienst- und Besoldungsrecht mit einer eigenen gesetzlichen Regelung für den
Militärdienst als Abschnitt im Rahmen des BDG: Schaffung eines funktions- und einsatz-
bezogenen Besoldungssystems
Autarkie der Kasernen stärken
Festlegung von Standorten für „Sicherheitsinseln“ mit dem Ziel einer bundesweiten Abdeckung,
um im Krisen- und Katastrophenfall eine regionale Durchhaltefähigkeit zu gewährleisten
Sanierung der Kasernen und ihrer Infrastruktur
Schaffung einer Behörde für die Anwendung des Kriegsmaterialausfuhrgesetzes und
Außenwirtschaftsgesetzes
Optimierung und Nutzung von Synergieeffekten bei der Beschaffung und Infrastruktur
mit anderen Ressorts (insbesondere BMI) und zivilen Leistungsträgern
Einsatzorientierte Neugestaltung der Sanitätsversorgung des ÖBH (auch in Kooperation
mit anderen Trägerorganisationen/Einrichtungen)
Verstärkte begleitende Kontrolle bei Großbeschaffungen sowie verstärkte europäische
und internationale Kooperation bei Beschaffungen
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Regierungsprogramm 2017
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Seite 53
Moderne Streitkräfte und effektiver Schutz für Österreich
Den Herausforderungen und den verfassungsmäßigen Aufträgen wurde in den letzten zehn
Jahren nur mangelhaft nachgekommen, wodurch das ÖBH nachhaltig geschwächt wurde.
Deshalb leiten wir einen Kurswechsel ein. Zuallererst bedarf es einer effizienten Personalbe-
wirtschaftung und Ressourcensteuerung. Es bedarf einer durchgängigen Attraktivierung des
Dienstes im ÖBH. Wir bekennen uns zu unserem Wehrsystem, daher muss auch die Einsatz
-
fähigkeit der Miliz gewährleistet sein. Die Militärkommanden sollen in ihrer Funktionsfähigkeit
insbesondere bei Krisen und Katastrophen sowie sicherheitspolizeilichen Assistenzmaßnahmen
ausrüstungstechnisch und personell im Sinne des Territorialitätsprinzips gestärkt und ausge-
stattet werden.
Stellungsstraße als erste Visitenkarte des ÖBH aufwerten
Informationsarbeit zur Wehrpolitik in den öffentlichen Bildungseinrichtungen wieder einführen
(Info-Offiziere)
Erhalt des Militärrealgymnasiums und Ausbildungskooperation mit Polizei
Förderung der Integration durch Deutschkurse und Staatsbürgerkunde
Erhalt der Brigadestruktur für die Landstreitkräfte (vier Brigaden bzw. Äquivalente) und
Luftstreitkräfte (zwei Brigaden bzw. Äquivalente) und der Kompetenz des ÖBH auch bei
schweren Waffen
Attraktivierung des Grundwehrdienstes
Qualitätsvolle Grundausbildung sicherstellen, insbesondere durch die Einführung einer
Rekrutenschule
Eine primäre militärische Verwendung der Rekruten ist anzustreben
Überprüfung der Tauglichkeitsstufen und neue Aufgabenfelder im Lichte einer Wehr-
gerechtigkeit schaffen
Erhöhung der Grundvergütung der Grundwehrdiener unter gleichzeitiger Reduktion der
Verwaltungskosten (pauschalierte Sätze für Verpflegung, Bekleidung und Fahrtkosten)
Modernisierung der Einjährig-Freiwilligen-Ausbildung als Grundlage für die Qualifizierung
einer weiteren Laufbahn als Unteroffizier bzw. Offizier
Überprüfung und Evaluierung der Elemente zur Luftraumüberwachung durch eine Experten
-
kommission unter Einbeziehung der Luftstreitkräfte
Für jedes Milizbataillon soll es ein präsentes Bataillon geben mit dem Ziel einer ausgewogenen
Grundstruktur des ÖBH
Sicherstellung der Einsatzfähigkeit der Milizbataillone auf nationaler Ebene
Mitwirkung am nationalen Cyber-Sicherheitszentrum in der Stiftskaserne (Bündelung der
NIS-Behörden)
Österreichs Interessen in der Welt vertreten und zur Friedenserhaltung beitragen
Österreich hat das Interesse, auch international einen Beitrag zur Stabilität, Krisenbewältigung und
Friedenserhaltung zu leisten. Vor allem der Westbalkan als unsere Nachbarregion bildet dabei
einen langjährigen Schwerpunkt. Nicht zuletzt die Migrations- und Flüchtlingskrise 2015 hat ge
-
zeigt, wie auch Österreich von internationalen Krisenherden betroffen sein kann. Daher möchten
wir unseren Beitrag im Interesse Österreichs verstärken, sowohl bei Einsätzen unter UN-Mandat
wie auch in ausgewählten Fällen in unserer direkten Nachbarschaft bei Katastrophen oder zum
Schutz der EU-Außengrenzen. In diesem Sinne wirken wir nach Maßgabe der strategischen
Interessen der Republik im Rahmen der Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik
sowie bei der Ständigen Strukturierten Zusammenarbeit (PESCO) mit.
Ermöglichung bilateraler, zeitlich begrenzter Entsendung unter Assistenz (z.B. Katastrophenhilfe
oder Schutz der EU-Außengrenzen) bei Wahrung der Neutralität
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Seite 54
Regierungsprogramm 2017
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Bekenntnis zu Einsätzen unter internationaler Führung bzw. Mandatierung, um Österreichs
Rolle in der internationalen Gemeinschaft weiter zu stärken
Stärkung der Zusammenarbeit bei Assistenzen zwischen den EU-Mitgliedstaaten und FRONTEX
mit Blick auf den EU-Außengrenzschutz als Schwerpunkt des österreichischen EU-Rats-
vorsitzes 2018
Berücksichtigung der Ergebnisse der eigenständigen Forschung und Lehre. Darüber hinaus
Kooperation bei Ausbildung, Beschaffung, Entwicklung, Betrieb sowie Verteidigungs- und
Sicherheitsforschung im Rahmen der EU
Bekenntnis zu Österreichs Beitrag zur Stabilitätssicherung am Westbalkan
Aufstockung für Auslandseinsätze entsprechend den strategischen Interessen der Republik
unter Einbeziehung der Milizsoldaten
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Zukunft und
Gesellschaft
• Bildung
• Wissenschaft
• Innovation und
Digitalisierung
• Medien
• Sport
• Kunst und Kultur
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• Bildung
• Wissenschaft
• Innovation und
Digitalisierung
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• Sport
• Kunst und Kultur
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Regierungsprogramm 2017
2022
Zukunft und Gesellschaft
Bildungspflicht
und Deutsch
vor Schuleintritt
Unser Bildungssystem fördert in einem
differenzierten Schulsystem die individuellen
Interessen und Begabungen der Schüler-
innen und Schüler, animiert sie zur Leistung
und überprüft die Fortschritte auf Basis von
Notenwahrheit. Niemand darf das Schulsys
-
tem ohne Grundkompetenzen im Lesen-
Schreiben und Rechnen verlassen. Damit
entwickeln wir die Schulpflicht hin zu einer
Bildungspflicht. Darüber hinaus soll durch
Sprachstands
erhebungen und Deutschklas
-
sen gesichert werden, dass jedes Kind vor
dem Eintritt ins Regelschulwesen über aus
-
reichende Deutschkenntnisse verfügt.
Mehr Erfolge durch
gezielte Spitzensport
-
förderung
Erfolge im Spitzensport erhöhen die Identifi
-
kation mit unserer Heimat, machen Österreich
zum internationalen Aushängeschild und
motivieren überdies unzählige Menschen,
selbst ein sportliches und damit gesünderes
Leben zu führen. Wir wollen daher mit einer
durchgehenden Strategie von der Talente
-
förderung bis in den Profisport sowie einer
leistungs- und ergebnisorientierten Sport
-
förderung mehr großartige Erfolge möglich
machen.
Kunst und Kultur als
wesentlicher Standort
-
faktor für Österreich
Österreich ist eine starke Kunst- und Kultur
-
nation und das soll auch in Zukunft so bleiben.
Mit einer übergreifenden Kunst- und Kultur
-
strategie wird Österreich ein Zielbild ent
-
werfen, wie es sich zukünftig international
bei diesem Thema positionieren will und
Kunst und Kultur in Österreich nachhaltig
stärken will. Auch das Gedenkjahr 2018 wird
für diese Bundesregierung eine ganz wichtige
Rolle spielen.
Österreich fit für die
Herausforderungen
der Digitalisierung
machen
Ohne Zweifel spielt die Digitalisierung als
transformierende Kraft eine Schlüsselrolle
für den Innovationsstandort der Zukunft.
Neue digitale Technologien wie künstliche
Intelligenz, Robotik oder Blockchain werden
noch nicht vorhersehbare Auswirkungen
auf unsere Gesellschaft haben. Für Öster
-
reich gilt es, die Digitalisierung vor diesem
Hintergrund aktiv als Chance zu nutzen. Das
bedeutet, dass wir auf der einen Seite die
öffentliche Verwaltung modernisieren und
digitalisieren und auf der anderen Seite die
notwendigen Rahmenbedingungen schaffen,
wie den Breitband-Ausbau und die
Ausrollung des 5G-Standards, damit Bürger
und Unternehmen erfolgreich sind.
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Regierungsprogramm 2017
2022
Seite 59
Bildung
Das österreichische Bildungssystem darf gesellschaftspolitisch weder auf das Bewahren alles
Überkommenen noch auf das Verändern um jeden Preis ausgelegt sein. Denn jede Schülerin
und jeder Schüler in diesem Land verfügt über unterschiedliche Talente und Begabungen, hat
besondere Interessen und möglicherweise in gewissen Bereichen Förder- und Aufholbedarf.
Ein modernes Bildungssystem muss diesen differenzierten Anforderungen durch eine
differenzierte Struktur an Schultypen Rechnung tragen. Es muss Kernkompetenzen (sinn-
erfassendes Lesen und Schreiben, das Beherrschen der Grundrechenarten) vermitteln, Talente
und Interessen von Schülern fördern und entwickeln und mögliche Defizite ausgleichen. Es
muss jenes Wissen, das im Rahmen einer weiterführenden Ausbildung und in der heutigen
Berufswelt unbedingt erforderlich ist, in geeigneter, moderner Art und Weise vermitteln und
für alle offen sein.
Der Staat hat die Rahmenbedingungen, die Finanzierung, die grundlegenden Ziele des Bildungs
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systems und die Schulaufsicht festzulegen. Alles Weitere soll schulautonom und unter Bedacht
-
nahme der regionalen Gegebenheiten geregelt werden können. Mehr Schulautonomie soll eine
stärkere Einbindung der Eltern und Schüler in schulische Entscheidungsabläufe ermöglichen. Ganz
besondere Bedeutung kommt dabei den Lehrerinnen und Lehrern zu, die mit viel Engagement
und Kreativität tagtäglich unter nicht immer einfachen Bedingungen in den Klassenzimmern dieses
Landes unterrichten und Schülerinnen und Schüler bei ihrer Bildungslaufbahn umfassend unter
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stützen. Ihre Arbeitsbedingungen gilt es, nachhaltig zu verbessern.
Eine wesentliche Komponente im Bildungssystem ist das Erreichen relevanter Bildungsziele. Die
Beherrschung der Grundkulturtechniken, die Förderung individueller Interessen und Talente und
bestimmter sozialer Kompetenzen sind für den weiteren Bildungsaufbau Voraussetzung und
müssen daher regelmäßig überprüft werden.
Zieldefinition
1.
Qualitätsvolle Elementarpädagogik durch höhere Standards bei Bildung und Betreuung
2.
Bewährtes differenziertes Schulsystem erhalten und ausbauen
3.
Vereinheitlichung und Standardisierung der Benotung sowie kontinuierliche Feststellung
des Leistungsfortschritts
4.
Stärkung der Aufsicht über Bildungseinrichtungen, stärkere Sanktions- und Kontrollmöglich-
keiten
5.
„Land der Meister“ – Lehre durch mehr Durchlässigkeit und moderne Ausbildungsmöglich
-
keiten attraktiver machen
6.
Auslandsschulwesen als Visitenkarte Österreichs
Maßnahmen
Qualitätsvolle Elementarpädagogik durch höhere Standards bei Bildung und Betreuung
Durch die Bildung und Betreuung in elementarpädagogischen Einrichtungen wird der Grund
-
stein für den jeweiligen Erfolg in der weiteren Bildungs- und Berufslaufbahn gelegt. Unter
Berücksichtigung der finanziellen Erfordernisse und Zuständigkeiten von Ländern und Gemeinden
wollen wir eine allgemeine Anhebung der pädagogischen Qualität erreichen und damit
eine bestmögliche Vorbereitung für die weitere Bildungs- und Berufslaufbahn ermöglichen.
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Wir wollen sicherstellen, dass elementarpädagogische Einrichtungen nicht als Instrumente
für die Förderung von gegengesellschaftlichen Modellen genützt werden.
Erarbeitung und Beschluss eines neuen verbindlichen Bildungsrahmenplans für elementar
-
pädagogische Einrichtungen als Teil einer neuen einheitlichen Bund-Länder-Vereinbarung
zu elementarpädagogischen Einrichtungen
Klare Definition der Zielsetzungen von Bildung und Betreuung in den elementarpädagogischen
Einrichtungen: Kindgerechte Vorbereitung auf die weitere Bildungslaufbahn, Talente fördern,
vorhandene Stärken stärken. Darin werden folgende Schwerpunkte festgelegt und verfolgt:
Moderne, zeitgemäße und vor allem kindgerechte Vorbereitung auf die weitere Bildungs
-
laufbahn
Genau definierte Kernkompetenzen aus den Bereichen Sprache, soziale Kompetenzen
bzw. Erkennen und Fördern von Talenten und Interessen (z.B. Sport und Kultur)
Genau definierter, verbindlicher Wertekanon (Bekenntnis zur Verfassungs-, Werte- und
Gesellschaftsordnung, verbindliche Vermittlung)
Verbindliche Anwendung des Bildungsrahmenplans in allen elementarpädagogischen
Einrichtungen in Österreich
Bekenntnis zur Verfassungs-, Werte- und Gesellschaftsordnung: Jedwede Arbeit in elementar
-
pädagogischen Einrichtungen hat auf Basis dieser Werte zu erfolgen
Standardisierte und harmonisierte Sprachstandserhebungen und verbindliche Sprachförderung
in deutscher Sprache für jene Kinder, die darauf angewiesen sind
Festschreibung von Kontrollen der Qualitätsstandards – rasches Eingreifen und Konsequenzen
bei Missständen sicherstellen
Analyse und Weiterentwicklung der Gruppengröße (Anzahl der Betreuer pro Kind)
Erarbeitung und Beschluss einer (statt wie bislang drei) neuen Bund-Länder-Vereinbarung
zu elementarpädagogischen Einrichtungen. Darin wird eine zweijährige Verpflichtung zum
Besuch eines Kindergartens für jene, die das brauchen, festgelegt:
Verpflichtung auf Basis von Sprachstandsfeststellungen
Berücksichtigung weiterer, für die Entwicklung eines Kindes relevanter Faktoren (auf Basis
von Attesten)
Verbindliche Einhaltung des präzisen, noch zu erarbeitenden Bildungsrahmenplanes
Genau definierter, verbindlicher Wertekanon
Verpflichtende Sprachförderung in deutscher Sprache im Kindergarten für jene Kinder, die
dies brauchen
Definition höherer Standards für die Aus-, Fort- und Weiterbildung des Personals in
elementar-pädagogischen Einrichtungen – differenzierte Anforderungen an pädagogisches
Personal, Betreuungs- und Leitungspersonal (tertiäre Ausbildung der Leiterinnen und Leiter
sicherstellen und entwickeln)
Verstärkte Kontroll- und Sanktionsmöglichkeiten der öffentlichen Hand bei Missachtung der
durch die Vereinbarung vorgegebenen Regeln (Werte, Umgang mit Kindern etc.)
Regelung des weiteren institutionellen Ausbaus von elementarpädagogischen Einrichtungen
unter Bedachtnahme regionaler Besonderheiten (Unterschiede Stadt und Land)
Eingliederung der Elementarpädagogik in dasselbe Ministerium wie Unterricht
Bewährtes differenziertes Schulsystem erhalten und ausbauen
Jede Schülerin und jeder Schüler in diesem Land verfügt über unterschiedliche Talente und
Begabungen, hat besondere Interessen und möglichweise in gewissen Bereichen Förder- und
Aufholbedarf. Ein Schulsystem muss diesen differenzierten Anforderungen in seiner Struktur
Rechnung tragen. Wir bekennen uns zum differenzierten Schulwesen und wollen die einzelnen
Schultypen in ihrem Profil stärken. Ein wesentlicher Faktor dieses Schulsystems ist neben der
AHS-Unterstufe die Neue Mittelschule (NMS), die wir durch Schwerpunktbildungen stärken und
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attraktivieren wollen. Wir wollen die Übertrittsmöglichkeiten zwischen den einzelnen Schultypen
optimieren und sicherstellen, dass jede Schülerin und jeder Schüler die für sie bzw. ihn geeignete
Bildungs- und Berufslaufbahn einschlagen kann.
Der Administrationsaufwand muss nachhaltig gesenkt werden. Lehrerinnen und Lehrer,
Pädagoginnen und Pädagogen sollen sich auf ihre Kernaufgabe – das Unterrichten und das
Arbeiten mit Kindern – wieder verstärkt konzentrieren können. Die Entlohnung der Pädagoginnen
und Pädagogen soll leistungs- und ergebnisorientiert gestaltet werden. Die Arbeit in den
Bildungseinrichtungen soll auch für jene geöffnet werden, die zwar über keine pädagogische
jedoch über andere, im Schulbereich nützliche Ausbildungen verfügen.
Ein leistungsfähiges Schulsystem bedarf einer transparenten Darstellung der Bildungsstandards
in den einzelnen Schulen, um damit zu ermöglichen, dass durch Lernen von den Besten das
Schulwesen als Ganzes profitieren kann.
Evaluierung und Konsolidierung aller bestehenden Schulgesetze (z.B. Reparatur des Bildungs
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investitionsgesetzes) in einem kompakten und klar formulierten Bundesbildungsgesetz für
Inhalte und Organisation sowie in einem Pädagogengesetz für alle personalrelevanten
Aspekte (Ausbildung, Anstellung etc.)
Schaffung von tertiären Angeboten für die Ausbildung von Elementarpädagoginnen und
Elementarpädagogen (insbesondere für jene in leitenden Positionen)
Verstärkte Kooperation zwischen Bundesanstalten für Elementarpädagogik und Pädago
-
gischen Hochschulen (Abstimmung der Lehrinhalte, verbesserte Übertritts- und Anrech
-
nungsmöglichkeiten von „BAKIPs“ in „PHs“, um tertiäre Ausbildungsangebote für Elementar-
pädagogen zu erweitern)
Neues einheitliches Bundesgesetz für alle im Bildungsbereich tätigen Pädagoginnen und
Pädagogen mit folgenden inhaltlichen Schwerpunkten:
Gültigkeit für alle Lehrerinnen und Lehrer der unterschiedlichen Schultypen sowie für
Elementarpädagoginnen und -pädagogen und jene Personen, die im Bereich der
Tagesbetreuung tätig sind
Definition der pädagogischen Voraussetzungen und Anforderungen, Ausbildungs- und
Fortbildungserfordernisse (Gesundheitsaspekt, Erste Hilfe, Umgang mit Migration und
Mehrsprachigkeit, Wirtschaftsverständnis und Berufsorientierung)
Schaffung von mehr Möglichkeiten zur Um- und Neuqualifizierung, um innerhalb des
Schulwesens in unterschiedlichen Bereichen oder Bildungstypen als Lehrer tätig zu sein.
Übertrittsmöglichkeiten für Lehrerinnen und Lehrer innerhalb der einzelnen Schultypen
optimieren.
Mehr Möglichkeiten und Erleichterungen für Quereinsteiger und „Rückkehrer“, um als
Pädagoginnen und Pädagogen zu arbeiten (Anrechenbarkeit von Ausbildungen)
Leistungs- und ergebnisorientierte Gestaltung der Besoldungssystematik in allen Schultypen
Neue Arbeitszeitmodelle für Pädagoginnen und Pädagogen, um Schulen eine standort-
autonome, flexible Arbeitszeitgestaltung zu ermöglichen
Verpflichtende regelmäßige Fortbildung von Pädagoginnen und Pädagogen, insbesondere
am Schulstandort und grundsätzlich in den unterrichtsfreien Zeiten, ausgerichtet an den
weltweit führenden Bildungsnationen
Fort- und Weiterbildung (speziell in den Bereichen Schulentwicklung, Pädagogik und digitale
Lernunterstützung) auf Basis eines ECTS-Punktesystems an vom Ministerium anerkannten
Ausbildungseinrichtungen
Evaluierung aller Fortbildungskurse und Maßnahmen: Orientierung an Zweckmäßigkeit
und Sinnhaftigkeit
Klare Regelungen für die Anstellung, Bewertung (mit Konsequenzen und Verpflichtungen)
und Kündigung von Lehrerinnen und Lehrern
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Definition von qualitativen Erfordernissen für die Elementarpädagoginnen und -pädagogen.
Rechtliche Absicherung einer tertiären Ausbildung von Elementarpädagoginnen und
-pädagogen (z.B. an einer Hochschule). Erster Schritt: Abschluss einer tertiären Ausbildung
als Voraussetzung für die Leitung einer elementarpädagogischen Einrichtung (mit ent-
sprechenden Übergangsfristen)
Flächendeckende Einführung eines anonymisierten 360°-Feedbacks durch Schüler an
Lehrer als Basis für Mitarbeitergespräche
Wiedereinführung der sonderpädagogischen Ausbildung: Ausbildungserfordernisse und
Inhalte im Bereich der Sonderpädagogik definieren
Evaluierung der „Pädagogenausbildung NEU“
Als Sofortmaßnahme: Komplette Überprüfung aller in Kraft stehenden Erlässe, Verordnungen
und Rundschreiben auf ihre Praktikabilität und Notwendigkeit. Darauf aufbauend die
Streichung und Anpassung jener Erlässe und Bestimmungen, die als nicht zwingend
notwendig oder nicht zweckmäßig erscheinen
Bedienstete des Bundes, die in ihren ursprünglichen Bereichen nicht mehr eingesetzt werden
können, sollen als administratives Unterstützungspersonal im Schul- und Bildungsbereich
verwendet werden
Prüfung einer Grundsatzbestimmung für schulische Verpflichtungen und öffentliche Zuwendungen:
Bindung der Sozialleistungen an die Einhaltung von (schul)gesetzlichen Verpflichtungen
Generelle Koppelung des Bezugs von Sozialleistungen an die Einhaltung der aus der
Schul- bzw. Bildungspflicht resultierenden Auflagen und Vorgaben
Sanktionen bei Sozial- und Transferleistungen für Eltern und Erziehungsberechtigte im
Fall einer Missachtung von Aufgaben und Pflichten
Verschärfungen der Bestimmung zur Ahndung von Schulpflichtverletzungen; Möglichkeit
zur Festlegung von Verhaltensvereinbarungen mit klaren Konsequenzen bei Verstößen an
Schulen schaffen
Auflösung des Bildungsinstituts für Bildungsforschung, Innovation und Entwicklung des
österreichischen Schulwesens (BIFIE) und Delegation der notwendigen Aufgaben
Schnittstellensteuerung zwischen den Schultypen ausbauen
Auflösung der Einteilung des Bundesgebietes in standortgestützte Schulsprengel im
Bereich der Neuen Mittelschule unter Bedachtnahme der Neuregelung des finanziellen
Ausgleichssystems zwischen den Schulerhaltern
Schulen im Rahmen der Schulautonomie bei der Anmeldung und Aufnahme von Schülern
mehr autonome Entscheidungsmöglichkeiten einräumen (Ausnahme Volksschule)
Temporäre Möglichkeit von Eingangsverfahren (im Zuge der Anmeldungen für die
jeweiligen ersten Klassen) für höhere Schulen (AHS, BMHS) im Rahmen der Schulautono
-
mie ermöglichen
Standardisierter Talente-Check für Volksschüler am Ende der 3. Klasse Volksschule
Chancen-Pass am Beginn der 7. Schulstufe: Verbindliche Prüfung der Bildungsstandards
ergänzt um weitere Tests, um die richtige Wahl des weiteren Bildungsweges zu unter-
stützen (Finden des richtigen Ausbildungsweges, Übertritt in weitere Schultypen
ermöglichen, Durchlässigkeit gewährleisten)
Evaluierung und Ausbau der Studieninformation und -beratung (vor allem MINT)
Erhalt und Stärkung des Sonderschulwesens: Präzisierung der Kriterien für Inklusion von
Schülerinnen und Schülern mit besonderem Förderbedarf in anderen Regelschulen,
Entwicklung von anschließenden Ausbildungsmöglichkeiten (z.B. einer standardisierten
Abschlussprüfung für eine Fachausbildung als Vorstufe der Lehrabschlussprüfung)
Autonomie des Schulstandortes über die Verwendung der zugeteilten Ressourcen (gemäß
Autonomie-Paket) erweitern
Talente besser fördern und begleiten (Vorbild Oberösterreich)
Erarbeitung und Umsetzung einer Begabtenförderungs-Strategie inklusive einer Weiter
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entwicklung bestehender Lehrplan-Modelle für hochbegabte Schülerinnen und Schüler
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(verstärkte Nutzung des Know-hows des Österreichischen Zentrums für Begabten-
förderung und Begabungsforschung – ÖZBF in Salzburg)
Einrichtung von Schulen für besonders begabte Schülerinnen und Schüler (z.B. Sir-Karl-
Popper-Schule) in allen Bundesländern bzw. Strukturen in bestehenden Schulen ausbauen
Bestehende Programme zur Talenteförderung ausweiten
Verstärkte Datenanalyse von Schulen mit transparentem Benchmarking
Bekenntnis zum Ausbau der inhaltlichen Modularität mit Wahlgegenständen, um Talente und
Stärken zu fördern und die Profilbildung von Schulen zu verstärken
Gesetzliche Verankerung der Schülerparlamente auf Bundes- und Landesebene, beschickt
durch die gewählten Schülervertretungen als institutionalisierte Beratungsorgane
Weiterentwicklung der Struktur der Schulgemeinschaftsausschüsse (SGA) auf Landes-
und Bundesebene
Arbeitsplatz und Lebensraum Schule: höhere Standards und bessere Bedingungen
Bedarfsgerechter Ausbau der ganztägigen Schul- und Betreuungsformen ab der Mittelstufe
auch in der verschränkten Form unter Berücksichtigung der Wahlfreiheit und schulpartner
-
schaftlichen Mitbestimmung
Modell Tägliche Bewegungseinheit: Weiterentwicklung der in der letzten Regierungsperiode
gesetzten Aktivitäten und Entwicklung einer effektiven und praktikablen Lösung für mehr
Sport und Bewegung an Schulen
Öffnung und Nutzung von Schulgebäuden für weitere Formen der Betreuung
Erarbeitung und Umsetzung eines zwischen Bund, Ländern und Gemeinden abgestimmten
Schulentwicklungs- und Schulsanierungsplans
Bedarfsgerechte Schaffung von AHS-Unterstufen-Standorten
Erarbeitung von Leitlinien bei Ausstattung, Lehr- und Lernbedingungen
Ausstattung aller Schulstandorte mit entsprechender digitaler Infrastruktur
Vereinheitlichung und Harmonisierung der Berechnungssysteme für die Zuteilung von
Ressourcen an unterschiedliche Schultypen (durch gemeinsame Erarbeitung einer Bund-
Länder-Vereinbarung)
Aufbau einer längerfristig angelegten Lehrerressourcenplanung in allen Schultypen auf
Basis demografischer Entwicklungsfaktoren
Erarbeitung und Anwendung eines einheitlichen, für alle Schultypen gültigen und gleich
-
zeitig fairen Systems für die Zuteilung von Ressourcen unter Bedachtnahme auf regionale
und soziale Anforderungen
Bedarfsgerechter Einsatz von Unterstützungspersonal an Schulen auf Basis einheitlicher
standardisierter Indikatoren (Koordination durch die Bildungsdirektionen)
Änderungen bestehender Mittelbindungen im Bereich einzelner Schultypen (NMS) und
Zuteilung von Ressourcen nur noch auf Basis eines neuen, noch zu erarbeitenden, für alle
Schultypen fairen Zuteilungssystems; flexible Umsetzung der inneren Differenzierung am
Schulstandort (z.B. Team-Teaching, Coaching, Leistungs- und Fördergruppen)
Subventionsvergabe an nicht-konfessionelle Privatschulen nach objektiven und nachvoll
-
ziehbaren Kriterien
Weiterentwicklung des Mutter-Kind-Passes zu einem Eltern-Kind-Pass zur umfassenderen
Erfassung der individuellen Entwicklung des Kindes
Durchgehende Bildungs- und Leistungsdokumentation für jede Schülerin und jeden Schüler
einführen – Entwicklung und Anwendung einheitlicher, digital gestalteter Dokumentations
-
systeme über den Bildungsfortschritt von Schülerinnen und Schülern, beginnend ab dem
verpflichtenden Kindergartenbesuch bis hin zum Abschluss der schulischen Bildungslaufbahn
zur Verbesserung der Information an den Nahtstellen
Pädagogische Zielsteuerung und Bildungsdokumentation
Transparente, öffentliche Darstellung des schulischen Profils und Erfolgs des Schulstand-
ortes bei Bildungsstandards und standardisierter Reife- und Diplomprüfung
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Pädagogische Ziel- und Ergebnissteuerung: Definition von Zielen der pädagogischen
Arbeit für jeden Schulstandort durch die Bildungsdirektionen am Beginn des jeweiligen
Schuljahres
Vereinheitlichung und Standardisierung der Benotung sowie
kontinuierliche Feststellung des Leistungsfortschritts
Die pädagogischen Inhalte, die in den Bildungseinrichtungen vermittelt werden, sollen sich
stärker als bislang an den heutigen Anforderungen der Berufswelt orientieren. Keine Schülerin
und kein Schüler soll das Schulwesen ohne das nachweisliche Beherrschen bestimmter Grund
-
kompetenzen verlassen. Die Ziele und Standards des Unterrichts sollen klarer formuliert werden.
Das Erkennen von Interessen und Begabungen soll frühzeitig erfolgen und nachhaltig gefördert
werden. Die Notenwahrheit muss wiederhergestellt und die Leistung kontinuierlich überprüft
werden.
Schulreife und Vorschulpflicht
Definition bestimmter verbindlicher Standards als Voraussetzung für das Erreichen der
Schulreife
Erarbeitung und verbindliche Anwendung eines Katalogs für Schulreife-Kriterien („Pflichten
-
heft Schulreife“, Deutsch vor Schuleintritt durch zentrale Feststellung mittels Sprachstands-
erhebung) im Zuge der Aufnahmegespräche an Volksschulen unter Einbeziehung der
Bildungsdirektionen. Im Fall einer Nicht-Erfüllung der Kriterien besteht eine Vorschulpflicht.
Das allenfalls nötige Erlernen der Unterrichtssprache erfolgt außerhalb der Schulpflicht.
Im Fall einer Vorschulpflicht verpflichtender Besuch einer vorschulischen Einrichtung für
jene, die diese Standards nicht erfüllen
Förderung der verschränkten Zusammenarbeit von Kindergarten und Volksschule im
Rahmen des letzten verpflichtenden Kindergartenjahres und der Vorschule vertiefen (z.B.
durch gemeinsamen Einsatz von Pädagoginnen und Pädagogen)
Ausarbeitung und gesetzliche Verankerung einer Bildungspflicht
Definition bestimmter Grundfertigkeiten und eines Grundwissens (Lesen, Schreiben,
Rechnen, soziale und kreative Kompetenzen), die jede Schülerin und jeder Schüler am
Ende der Schullaufbahn (für jeden Schultyp an den Schnittstellen) beherrschen muss
Schultypenspezifische Festlegung der Bildungsziele unter Einbindung der Zielbildungs-
anstalt (z.B. AHS, Universität, Wirtschaft)
Regelmäßige Überprüfung hinsichtlich des Fortschritts beim Erreichen der Grundfertigkeiten
und des Wissens, verpflichtende bedarfsgerechte Förderung und zusätzliche Unterstützung
im Fall eines Rückstandes und Nachholbedarfs
Standardisierte verbindliche Talente-Checks für Volksschüler am Ende der 3. Klasse Volksschule
Schülerinnen und Schüler werden verpflichtet, so lange im Schulverband bzw. Schul-
system zu verbleiben, bis sie bestimmte, genau definierte Kernkompetenzen (Lesen,
Rechnen, Schreiben, soziale und kreative Kompetenzen) nachweislich beherrschen
Chancen-Pass am Beginn der 7. Schulstufe: Prüfung der Bildungsstandards ergänzt um
weitere Tests, um die richtige Wahl des weiteren Bildungsweges zu unterstützen (Finden
des richtigen Ausbildungsweges, Übertritt in weitere Schultypen ermöglichen, Durch-
lässigkeit gewährleisten)
Präzise Regelung der Verfahren und Inhalte für die Feststellung des Fortschritts beim
Erreichen auf Basis bereits bestehender Lehrpläne, Test- und Screening-Systeme und
regelmäßiger altersadäquater Kompetenzmessungen
Überarbeitung und Präzisierung aller Lehrpläne, der darin enthaltenen Inhalte, Ziele und
Grundsätze des Unterrichts – Notenwahrheit wiederherstellen
Definition der Ziele und Kernkompetenzen, die Schulen vermitteln müssen
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