SFH-142889 Verbindungsbahn Bäume oder Bahn? Hietzinger geben nicht auf, Die Presse  09.05.2022 um 16:07

Mehr Lärm, gefällte Bäume und zu wenig Radwege: Gleich drei Bürgerinitiativen kämpfen – trotz positiver Umweltverträglichkeitsprüfung – weiter gegen den Ausbau der Bahntrasse zwischen Hütteldorf und Meidling.

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Bürgerinitiativen - inklusive Schauspieler Cornelius Obonya - kämpfen gegen den geplanten Ausbau der Verbindungsbahn - die direkt hinter der Klimt-Villa vorbeiführt.
 Die Presse/Wirth

Wien. Eine malerische Villa inmitten von riesigen Kastanien, zu hören nur Vogelgezwitscher: Einen passenderen Ort als das ehemalige Klimt-Atelier hätten sich die Hietzinger Bürgerinitiativen für ihre Pressekonferenz nicht aussuchen können.

Schließlich soll mit ihrem Protest gegen den seit Jahren geplanten und ebenso lang umstrittenen Ausbau der Verbindungsbahn genau dies erhalten werden: Die Natur, die Ruhe, das historische Stadtbild. Noch dazu führt die Verbindungsbahn – die Bahntrasse verbindet Hütteldorf mit Meidling – gleich hinter der Klimt-Villa vorbei. „Wie lang wird es hier noch so schön sein?" fragt einer anwesenden Anrainer in Richtung „Presse".

Im Zuge der Neugestaltung, die von 2024 bis 2028 angesetzt ist, soll die Bahntrasse mit zwei zusätzlichen Haltestellen ausgestattet werden, die S80 künftig im 15-Minuten-Takt unterwegs sein. Ende März ist das Projekt vom Klimaschutzministeriumim Umweltverträglichkeits-Prüfverfahren abgesegnet worden, dagegen wollen nun gleich drei Bürgerinitiativen, die Umweltorganisation „Alliance for Nature" und der Klimt Verein Beschwerden beim Verwaltungsgericht einbringen. Ein vorläufig letzter Schritt in einem langen, bisher erfolglosen Kampf.

925 Bäume weniger

Dabei ist es nicht die Bahn selbst, die für Empörung sorgt: „Niemand ist ernsthaft gegen den Bahnverkehr", erklärte Schauspieler Cornelius Obonya, selbst Anrainer und prominenter Unterstützer des Protests. „Aber warum muss es mit der Vernichtung von so viel Natur einhergehen?" 925 Bäume sollen gefällt werden, nur etwa die Hälfte davon werden nachgepflanzt, viele davon gar nicht im Bezirk. Laut Peter Pelz von der Initiative „Verbindungsbahn Besser" wäre der Umbau auch weniger invasiv möglich, Alternativen seien aber weder von » ÖBB noch der Stadt Wien ernsthaft geprüft wurden. Pelz ortet zudem ein „stadtplanerisches Versäumnis": Anstatt Verbindungen für Radfahrer und Fußgänger mitzuplanen, würden diese künftig auf Aufzüge und Treppen verdrängt, um die Bahntrasse zu queren.Auf einer Strecke von 1,6 Kilometern werde es nur noch eine Querung geben, Stau sei vorprogrammiert. Die Stadt handle diametral zu ihren eigenen Klimazielen, so Pelz.

Zusätzlich befürchten die Hietzinger zunehmenden Lärm – denn die Bahntrasse soll auch fit für den Güterverkehr gemacht werden. Eine Tieferlegung der Trasse würde das Problem entschärfen, sagt Matthias Schönauer von „Lebenswertes Unter St. Veit". „Die überplattet man, macht Parks, Spielplätze, Radwege. Das wäre alles möglich." Doch Einwände seien weder von Ministerium noch ÖBB gehört worden, sagt Schönauer. „Die machen was sie wollen."

Auch die Hietzinger Bezirksvorsteherin Silke Kobald (ÖVP) ist nicht glücklich mit dem Projekt, hält sich aber im Hintergrund: Am Freitag rief sie zum Ideenwettbewerb für die Gestaltung der Trassezwischen Wientalbrücke und Rosenhügelsteg auf. Dass nun auch anderemitreden dürfen, ist ein kleines Zugeständnis der ÖBB. Ein „Wermutstropfen" sei jedoch, dass Brücken undStationen nicht Teil des Wettbewerbs sind. Man wolle im historischen Hietzing keine „0815-Fertigteil-Architektur der ÖBB", sagte Kobald. Kommen wird diese wohl trotzdem.

 


(twi)

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