SFH-142891  Streit um Bahntrasse in Hochlage durch Hietzing,  Die Presse  28.06.2018 um 09:40

Die ÖBB wollen die Verbindung zwischen Hütteldorf und Meidling modernisieren – ein Teil der Strecke soll als Hochtrasse gebaut werden. Anrainer fürchten mehr Lärm und eine Zerstörung des Ortsbildes.

https://www.diepresse.com/5454761/streit-um-bahntrasse-in-hochlage-durch-hietzing?ref=reco_a_packages

Wien. Die ÖBB sehen es als wichtiges Projekt, mit dem man noch schneller durch Wien fahren kann. Anrainer sehen einen Verlust von Lebensqualität und eine Zerstörung des Ortsbildes. Das ist, kurz zusammengefasst, das Projekt mit dem Namen „Verbindungsbahn" derzeit heftig diskutiert wird.

Dahinter steckt eine Modernisierung der Strecke zwischen Hütteldorf und Meidling mit zwei neuen Stationen (Hietzinger Hauptstraße, Stranzenbergbrücke) und einer modernisierten Haltestelle (Speising). Damit die Frequenz auf ein 15-Minuten-Intervall erhöht werden kann, soll ein Teil der Strecke in Hochlage geführt werden.


Züge vor dem Fenster

Genau hier setzen die Kritiker an – sie befürchten, dass damit das Ortsbild von Hietzing zerstört wird. Und noch schlimmer, dass sie dann unter dem Lärm der Bahn leiden werden – über die Strecke soll nämlich zusätzlich zur S-Bahn auch Güterverkehr geführt werden. Noch dazu würden einige von ihnen plötzlich eine Bahnstrecke direkt vor dem Fenster haben. Bereits vergangenen Sommer hat die „Presse" über das Projekt und die Proteste berichtet, danach prüften die ÖBB, ob statt der Hochtrasse auch ein Bau in Tieflage möglich wäre – doch aus technischen Gründen funktioniert das nicht. Die Gleise, so die ÖBB, würden dann dem Verkehr auf der querenden Hietzinger Hauptstraße den Weg versperren. Dafür verspricht man, dass die Trasse mit Lärmschutzwänden ausgerüstet wird, die Belästigung für die Anrainer also nicht groß sei. Auch, dass man entlang der Strecke Bäume pflanzen und für viel Grün sorgen werde. Als weiteren Vorteil führen die ÖBB an, dass bei einer Hochlage Querungsmöglichkeiten ohne Wartezeiten entstehen – weil geschlossene Schranken wegfallen.

Die Bürgerinitiative „Verbindungsbahn – so bitte nicht!" fordert unter anderem eine Bürgerbefragung zum Projekt, ein Lärmgutachten und Mitspracherecht beim anstehenden UVP-Verfahren. Die ÖBB versuchen ihrerseits, mit umfangreichen Datensammlungen, Grafiken und Informationsveranstaltungen, gute Stimmung für das Projekt zu machen – seit Montag und noch bis heute, Donnerstag, läuft in der VHS-Hietzing (Hofwiesengasse 48, 1130 Wien) eine Info-Ausstellung zum Thema.
Etwa von 2020 bis 2022 soll das UVP-Verfahren laufen, der Baubeginn ist für 2023 geplant, 2026 soll die Verbindungsbahn nach dem Willen der ÖBB in Betrieb genommen werden. (eko)

Web: » www.verbindungsbahn.info
» infrastruktur.oebb.at/verbindungsbahn

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.06.2018)

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