SFH-140994 Wohntrend: Mikrohäuser mit 30 Quadratmetern, KURIER  05.02.2018, 06:00

Die Idee der "Tiny Houses" kommt aus Amerika und begeistert auch manche Österreicher: Sie wollen autark wohnen und ihr Haus komplett übersiedeln können – die Quadratmeter sind nicht so wichtig.

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Wohnküche, Doppelbett und Bad auf 33 Quadratmetern? Nicht als Ferienwohnung, sondern als langfristiges Zuhause? Das geht, sagt Theresa Steininger von der österreichischen Firma Wohnwagon. Immerhin habe man 32 Mikrohäuser, sogenannte Wohnwagons, mit Flächen von 15 bis 33 Quadratmetern schon verkauft. "Unsere Kunden wollen zum Beispiel Wohnraum am Land, aber nicht groß Haus bauen, viel Boden versiegeln und Schulden aufnehmen", sagt Steininger.

Das » Leben in kleinen Häusern ist in den USA schon länger ein Phänomen. In den Vereinigten Staaten, wo viele nach Status und Größe streben, erfuhr die Gegenbewegung des Gesundschrumpfens durch die Finanzkrise 2007 neue Aufmerksamkeit. Auch bei Immobilien. Motto: Wer kleiner wohnt, spart Bau- und Betriebskosten, gewinnt aber Lebensqualität.

Nun greift das Tiny-House-Movement ("Winzige-Häuser-Bewegung") auch in Österreich Raum - buchstäblich. Mikrohäuser würden etwa in Gutenstein, Traismauer (beide NÖ) und St. Nikola an der Donau (OÖ) stehen, sagt Steininger. in den beiden erstgenannten Orten kann man auch zur Probe wohnen.

Zurück zur Natur

Ein Massenkonzept gegen die » steigenden Immobilienpreise sind Tiny Houses nicht, eher ein Nischenthema für besonders Wohn- und Umweltbewusste. Wer auf knappem Raum wohnt, verlegt seine Freizeit- und Gemeinschafsaktivitäten nach draußen. "Die Natur wird zum Wohnraum", sagt Steininger, auch alltägliche Tätigkeiten würden Tiny-House-Bewohner eher wieder mit anderen machen, "wie es früher im Dorf war". Auch gibt es das Beispiel eines Mikrohauses, das zu einem Bauernhof dazugebaut wurde.

» wohnwagon_2.jpg Foto: Wohnwagon.at Bei den Wohnwagon-Käufern geht der Tiny-House-Gedanke auch stark mit dem Wunsch nach (Energie-)Autarkie einher. Wer sein Mikro-Eigenheim vollkommen (oder annähernd) autark haben will, muss anfangs mehr investieren, spart aber langfristig Betriebskosten.

Holzofen und Bio-Toilette

Strom wird mit einem Photovoltaiksystem auf dem Dach (plus Speicher) erzeugt, geheizt wird mit Sonnenenergie in Kombination mit einem wassergeführten Holzofen, frisches Wasser liefert eine Grünkläranlage, und das Klo ist eine sogenannte Bio-Toilette. Es gebe aber auch die Möglichkeit, sein Kleinsthaus ganz normal an die öffentlichen Netze anzuschließen, sagt Steininger. Außerdem sei es notwendig, den Standort baurechtlich abzuklären. Meistens würden die Wohnwagons auf Baugrund stehen.

Das Leben auf knappem Raum geht schon vor dem Einzug los. Bei Kleidung, Geschirr, Küchengeräten und Alltagsgegenständen müssen sich die Bewohner stark einschränken. "Das ist immer eine lustvolle Reduktion", beruhigt Steininger. Trotz des winzigen Grundrisses wiegen die Mikrohäuser sechs bis zwölf Tonnen - in der Regel stehen sie auf Rädern und können per Lkw oder Traktor umgesiedelt werden.

50.000 bis 150.000 Euro kostet ein Wohnwagon je nach Größe und Ausstattung. Leute mit wenig Geld werden also wohl eher weiter mieten müssen. "Wenn ich mir Wohneigentum schaffen möchte, ist ein Tiny House die günstigste Variante", sagt Steininger dennoch. "Wenn ich zu zweit bin, zahle ich in zehn Jahren genauso viel Miete, wie wenn ich ein Tiny House finanziere."

Design-Mikrohaus in Vorarlberg

Schon vor mehr als zehn Jahren hat sich der junge Vorarlberger Oliver Redl in Feldkirch ein Mikrohaus errichten lassen. Um den Preis gering zu halten, habe er nicht versucht, ein gewöhnliches Einfamilienhaus auf das Minimum zu reduzieren, sondern wollte ein Gartenhaus bis zur Bewohnbarkeit erweitern. Das Minhaus mit 39 Quadratmetern im Ländle habe ihn damals nur 20.000 Euro Materialaufwand gekostet, schreibt Redl in seinem Blog über die Suche nach einem Haus, das seiner "sehr kompakten Lebensweise" entsprach.

» micro vbg.jpg Foto: microhouse.at Der Architekt von Redls Mikrohaus, Robert Schmid vom Büro Ars Forma, sagt, auch er persönlich könne sich ein Leben auf so wenig Wohnraum vorstellen. "Nur meine Familie würde streiken. Vielleicht kann ich später, wenn die Kinder ausgezogen sind, meine Ehefrau von der Wohnform überzeugen."

Nach der Errichtung ist das Mikrohaus in Feldkirch schnell zu einer kleinen Attraktion geworden. Redl vermarktete sogar Selbstbau-Anleitungen für Mikrohäuser verschiedener Größen. Mittlerweile, schreibt Redl dem KURIER, habe er jedoch sein Mikrohaus in Vorarlberg verkauft und wohne auf seiner Microyacht in Lanzarote auf den Kanaren.

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