SFH-1565 Autobahnbau sprengt Kostenrahmen, DerS tandard 11. Dezember 2009, 18:02, Posting vom 13.12.2009

Seit 2007 wurden die Planungen um zwei Milliarden überschritten

» http://derstandard.at/1259281724035/Autobahnbau-sprengt-Kostenrahmen

Der zwecks Belebung der Konjunktur forcierte Ausbau von Autobahnen und Schnellstraßen wird selbst eine Baustelle. Die Kosten laufen aus dem Ruder, seit 2007 wurden die Planungen um zwei Milliarden überschritten.

Wien - Der Streit um die Kosten für die Verlängerung der Wiener Südosttangente von Hirschstetten zum Flugfeld Aspern ist nur ein Vorgeschmack. Schlagabtausche wie der zwischen dem Land Wien und dem Autobahnbauer » Asfinag, also dem Bund, wer für die Kostenexplosion beim geplanten Bau der A23 von 384 Mio. Euro auf bis 1,2 Milliarden Euro verantwortlich ist und für die Mehrkosten aufkommen wird müssen, werden sich in den nächsten Monaten zwischen Bund und Bundesländern wiederholen.

Denn die Autobahnen- und Schnellstraßengesellschaft Asfinag ist mit Mehrkosten konfrontiert, die weit über das Konjunkturankurbelungspaket hinausgehen. Das auf 8,6 Milliarden Euro aufgestockte Autobahnbauprogramm bis 2014 ist völlig aus den Fugen geraten. Allein zehn Schlüsselbauprojekte (siehe Grafik) haben sich seit dem im März 2007 unter dem damaligen Verkehrsminister Werner Faymann fixierten Ausbauprogramm massiv verteuert.

Über zwei Milliarden an Mehrkosten

Gemessen an dem im März 2007 fixierten Bauprogramm, das nach einer Bundesländertour des Verkehrsministers fixiert worden war, haben sich die geplanten Kosten der Projekte um mehr als zwei Milliarden Euro erhöht.

Die Linzer Stadtautobahn A26 zum Beispiel wird mittlerweile mit 785 Mio. Euro in den Planungsbüchern geführt, das sind um 161 Mio. Euro mehr als 2007 eingestellt worden waren.

Bei der S7, der Fürstenfelder Schnellstraße von Riegersdorf nach Heiligenkreuz an der Grenze zu Ungarn ist mit 75 Millionen Euro an Mehrkosten zu rechnen. Teuer kommen insbesondere Lärmschutz- und Umweltmaßnahmen wie jene an der Inntalautobahn A12 in Amras bei Innsbruck: Sie wird statt mit zehn Mio. Euro mittlerweile mit 54 gehandelt.

"Die Projekte sind nicht mehr miteinander vergleichbar", weist man bei der Asfinag den Vorwurf der Verfünffachung der Kosten in Amras zurück. In den 54 Millionen Euro seien Tunnels um 27 Mio. Euro enthalten (bei denen das Land Tirol mitzahle), Brücken- und Belagssanierungen inkludiert sowie ein Pannenstreifen, eine Verzögerungs- und eine Beschleunigungsspur. Der Vorwurf gehe also ins Leere, denn die Budgeterhöhungen seien teils durch Umweltverträglichkeitsprüfungen bedingt, teils durch neue Bestellungen und Erweiterungen - alles vom Eigentümer durch die Bank abgesegnet, versichert man weiter.

Tauernautobahn als Geldloch

Spitzenreiter bei ausufernden Kosten ist mit Abstand die Tauernautobahn A10. Der Streckenabschnitt von Radstadt bis Gmünd in Kärnten sprengt alle Kostenschätzungen. Er wird - nicht nur wegen der zweiten Röhren für Tauern- und Katschbergtunnel und der Sanierung des Bestandstunnels, sondern vor allem wegen umfangreicher Einhausungen und Kilometern an Lärmschutzwänden - längst nicht mehr auf 939 Millionen Euro taxiert, wie vor zwei Jahren kalkuliert. Mittlerweile ist bei Asfinag-Insidern von 1,9 bis zwei Milliarden Euro die Rede.

Auch hierzu wollten die Asfinag-Vorstandsdirektoren Alois Schedl und Klaus Schierhackl am Freitag nicht Stellung beziehen. Die Mehrkosten seien die Folgen von Umweltschutzmaßnahmen, Lärmschutz, zusätzlichen Bestellungen und Ortsumfahrungswünschen. Diese Verteuerungen seien von den Gremien abgesegnet, man habe die Mehrkosten nie verheimlicht. Geänderte Trassenführung sei immer teurer, ursprüngliche Annahmen träfen nicht mehr zu.

Faktum ist: Vom zehnprozentigen Sparprogramm, das der nunmehrige Bundeskanzler verordnet hat und mit dem im Sommer 2007 der Rauswurf des damaligen Dreiervorstands begründet worden war, ist beim Straßenbauer Asfinag mit seinen elf Milliarden Euro Verbindlichkeiten nicht viel übrig.

Im Gegenteil, die Mauteinnahmen sinken aufgrund der Wirtschaftskrise. Heuer muss die Asfinag mit 140 bis 150 Mio. Euro weniger Ertrag rechnen. Netto fällt das Finanzloch nicht so tief aus, weil teils variabel verzinsten Kredite und Anleihen einen Zinsvorteil von 50 bis 60 Millionen Euro verschaffen. Nun wird über Verschiebungen nachgedacht: Erster Kandidat dafür: Die Klagenfurter Schnellstraße S37, sie wird 1,4 Mrd. Euro kosten statt 915.   (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12./13.12.2009)

Posting vom 13.12.2009

Zu den Kommentaren:
"Früher war z.B. die W- Autobahn mit Dämmen begleitet, die bepflanzt waren, wunderschön!"
" Der Lärmschutz ist mit einem Damm genausogut erreichbar. Die Begrünung reduziert sogar die Schadstoffbelastung für die Umgebung."

Die Fakten:
Begrünte Dämme,  Begrünte Lärmschutzwände sowie begrünte Überbauungen wurden in Österreich entwickelt und erhielten 1994 einen Preis des Staates Kalifornien.  In Österreich wurde diese ökonomisch und ökologisch optimale Innovation, die auch für tausende Arbeitsplatze im Umweltbereich hätte sorgen können in einer konzertierten Aktion blockiert. Näheres:
» http://so-for-humanity.com2000.at unter SFH-280-368 und SFH-280-369 etc.

Posting vom 14.12.2009 zum Kommentar:

Umwelt

13.12.2009 18:46
.
[1]
.
Verfahrensbeschleunigung

Der Ruf nach guter Infrastruktur verhallt nie. Er kommt immer wieder, wie ein Echo. Der Artuikel zeigt klar auf, woran es fehlt, nämlich an der Beschleunigung der Verfahren. Es kann nicht sein, dass Umweltverträglichkeitsprüfungen wichtige Projekte für Straße und Schiene jahrelang aufgehalten werden. Selbst ernannte "Bürgeranwälte" reden offiziell für die Interessen der angeblich "geschundenen" Bürger und vertreten in Wahrheit kanllhart nur ihre eigenen Interessen. Die Politik und damit die ASFINAG und die ÖBB müssen notgedrungen reagieren. Man muss sich schon im Klaren sein: politische Lösungen sind IMMER teurer als Sachlösungen.

Umweltverträglichkeitsprüfungen-Wo bleiben die Varianten?

13.12.2009 18:46
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Verfahrensbeschleunigung

Der Ruf nach guter Infrastruktur verhallt nie. Er kommt immer wieder, wie ein Echo. Der Artuikel zeigt klar auf, woran es fehlt, nämlich an der Beschleunigung der Verfahren. Es kann nicht sein, dass Umweltverträglichkeitsprüfungen wichtige Projekte für Straße und Schiene jahrelang aufgehalten werden. Selbst ernannte "Bürgeranwälte" reden offiziell für die Interessen der angeblich "geschundenen" Bürger und vertreten in Wahrheit kanllhart nur ihre eigenen Interessen. Die Politik und damit die ASFINAG und die ÖBB müssen notgedrungen reagieren. Man muss sich schon im Klaren sein: politische Lösungen sind IMMER teurer als Sachlösungen.

Umweltverträglichkeitsprüfungen-Wo bleiben die Varianten?

Warum werden bei bestimmten Projekten nicht rechtzeitig alternative Lösungen gesucht? Es gab zum Bsp. bei der Nord - Ostumfahrung von Wien sogar ein Bestimmung, wonach die Bieter ausgeschieden werden, wenn sie eine andere - billigere und ökonomisch sowie ökologisch optimale - Lösung anbieten. Bei diesem Projekt wurden drei kilometerlange Tunnel vorgesehen, die gar nicht notwendig gewesen wären, wenn man andere Lösungen rechtzeitig berücksichtigt hätte. Es liegt also alles an einer eindimensionalen Planung, die besser und billigere Lösungen von vornherein verhindert. Näheres » http://so-for-humanity.com2000.at  unter SFH-529, SFH-644-01, SFH-0644-02, SFH-0644-03.

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